Boso-Halbinsel

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Region: 関東 Kantō
Präfektur: 千葉 Chiba

房総半島 Bōsō-Halbinsel

4 von 5 Sternen: Sehr sehenswert
Name:

Bōsō-Halbinsel (ausgesprochen “Booßoo”). Der Name ist eine Zusammensetzung: Früher bestand die Gegend aus drei Provinven: 安国 Awa-no-kuni, 上国 Kazusa-no-kuni und 下国 Shimōsa-no-kuni. Daraus nahm man die Schriftzeichen und , die man der chinesisch entlehnten Lesung zufolge “bō” und “sō” lesen kann.

Lage:

Tokyo liegt im Nordwesten der Bucht von Tokyo, Yokohama und Kawasaki liegen im Westen der Bucht. Die Boso-Halbinsel liegt östlich von der Bucht von Tokyo und grenzt im Osten an den Pazifik. Vom Stadtzentrum von Tokyo bis zur Südspitze der Halbinsel sind es 85 Kilometer Luftlinie. Zwischen Kawasaki und der Halbinsel liegen 15 Kilometer.

Wenn man den Flughafen Haneda in Tokyo anfliegt, stehen die Chancen nicht schlecht, dass man kurz vor der Landung die Boso-Halbinsel überfliegt. Von oben fallen dort zuerst mal zahlreiche seltsame Spuren in der Landschaft auf – Golfplätze. Umgeben von viel Grün, gefolgt von viel Industrie.

Die Bōsō-Halbinsel östlich von Tokyo entstand in etwa zur gleichen Zeit wie die Miura-Halbinsel auf der anderen Seite der Bucht und ist das Ergebnis von Sedimentgesteinen, teils mit vulkanischem Material, und der Plattentektonik (sowie der Meeresregression), die dafür sorgte, dass das Gebiet vor rund einer halben Million Jahre aus dem Meer gehoben wurde.

Die Halbinsel hat keine definierte Grenze, weshalb man nicht genau sagen kann, wie groß sie ist, aber es sind in etwa 5’000 Quadratkilometer. Von Nord nach Süd ist die Halbinsel rund 50 Kilometer lang, von West nach Ost rund 35 Kilometer. Die Boso-Halbinsel liegt quasi genau in der Mitte des rund 2000 Kilometer langen japanischen Archipels. Der Süden ist deutlich hügeliger beziehungsweise bergiger als der Nordteil – stufenweise geht es gen Norden immer weiter bergab, bis schliesslich die Kanto-Ebene, die auch Tokyo und Yokohama umfasst, beginnt. Die höchste Erhebung ist der 愛宕山 Atagoyama im Südosten mit 408 Metern Höhe.

Boso wird gern in 内房 Uchibō (uchi = inner) und 外房 Sotobō (soto = aussen) unterteilt: Uchibō ist die Westseite, also die der Bucht von Tokyo zugewandte Seite, und Sotobo dementsprechend die Ostseite mit der Pazifikküste. Die Nordhälfte von Uchibo ist eher flach und stark industrialisiert, während Sotobo dünner besiedelt ist. Der Südteil und die Ostküste weisen ein besonderes Klima auf, denn hier trifft die warme Kuroshio-Meeresströmung auf Land, was für ein sehr mildes und feuchtes Klima sorgt. Der Südteil der Halbinsel ist deshalb komplett frostfrei, und in den Wintermonaten ist es hier ein paar Grad wärmer und im Sommer ein paar Grad kühler als im nahegelegenen Tokyo.

Deshalb ist die Halbinsel bei den Hauptstädtern sehr beliebt – als Ort der Sommerfrische, aber auch, um im Winter den in Tokyo mitunter strengen Temperaturen zu entfliehen. Und bei Golffans – und davon gibt es in Japan sehr viele – ist die Halbinsel ebenfalls beliebt: Hier gibt es insgesamt rund 200 Golfplätze. Ein Golfplatz ist im Schnitt knapp hundert Hektar, also rund einen Quadratkilometer, groß – was bedeutet, dass fast 200 Quadratkilometer beziehungsweise 4 Prozent der Gesamtfläche dem Golfsport gewidmet sind.

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Tateyama 館山

Die Stadt Tateyama liegt im Südwesten der Halbinsel, wobei die Stadtgrenzen der 110 Quadratkilometer grossen Gemeinde nicht ganz bis zur Südküste reichen. Der Ort hat insgesamt rund 45,000 Einwohner. In den besseren Jahren waren es bis zu 60,000 Einwohner, doch die Zahl ist seit den 1960ern rückläufig. Die meisten Bewohner leben in einer Kleinstadt an der Bucht von Tateyama. bedeutet “Gebäude, Bau” und bezog sich auf einen Burgbau direkt an der Bucht, “yama” bedeutet einfach nur “Berg”. Seit rund 1580 spielte der Ort eine wichtige Rolle als Marinestützpunkt, denn wer die Bucht von Tateyama beherrscht, kontrolliert den kompletten Seeweg nach Tokyo, bis ins 19. Jahrhundert unter dem Namen Edo bekannt.

Die Stadt Tateyama an der gleichnamigen Bucht
Die Stadt Tateyama an der gleichnamigen Bucht
Die kleine aber feine Burg von Tateyama
Die kleine aber feine Burg von Tateyama

Die Bucht von Tateyama wird auch 鏡ヶ浦 Kagami-ga-ura, wörtlich “Spiegelbucht” genannt und wurde einst zu einer der 100 schönsten Landschaften Japans gekürt. Das ist verständlich, denn es ist eine “Bilderbuchbucht”, halbrund, mit Bergen im Norden, Süden und Osten, und dem Meer im Westen. Besonders beliebt ist der Blick auf den Fuji-san auf der anderen Seite des Meeres. Zwei Mal im Jahr, und zwar am 13/14. Mai sowie 29/30 Juli, kann man mit etwas Glück den “Diamond Fuji” bestaunen – ein Phänomen, bei dem die Sonne genau auf dem Gipfel des majestätischen Vulkans untergeht. Ob man nun den Fuji-san sehen kann oder nicht – Sonnenuntergänge sind hier besonders schön, und deshalb wirbt die Stadt auch damit, ein besonders romantischer Ort für Pärchen zu sein.

Mitten im Stadtgebiet, zwischen den Mündungen der Flüsse 平久里川 Hegurigawa und 汐入川 Shioirigawa, gibt es sogar einen kurzen Sandstrand, den Hojo-Strand, an dem man baden darf. Da die Bucht relativ geschützt ist und die Küste hier bereits außerhalb der Bucht von Tokyo liegt (deren Wasserqualität nicht unbedingt zum Baden geeignet ist), steht hier einem Sprung ins Wasser nichts entgegen.

Blick auf die andere Seite des Meeres auf die Miura-Halbinsel
Blick auf die andere Seite des Meeres — die Miura-Halbinsel
Sedimentgestein an der Küste bei Tateyama
Sedimentgestein an der Küste bei Tateyama

Tateyama entwickelte sich einst als Burgunterstadt. 館山城 Tateyama-jō, die Burg Tateyama, selbst steht auf einem kleinen Hügel am Rande der Bucht, passenderweise 城山 Shiroyama (Burgberg) genannt. Die Burg wie man sie heute sieht ist allerdings ein Kuriosum. Die 1580 vom Tateyama-Clan erbaute Burg wurde nämlich nur bis 1614 benutzt – da unterlag der Clan einem anderen Clan, und der entschied, sich unterhalb der Burg anzusiedeln und die Burg Verfallen zu lassen. Dementsprechend ist so gut wie kein Material darüber verfügbar, wie die Burg in Wirklichkeit aussah. Der heute sichtbare, dreistöckige Bau ist eine in den 1980ern errichtete Replik der Burg von Maruoka in der fernen Präfektur Fukui nachempfunden. Der Nachbau beherbergt ein kleines Museum, und von der höchsten Etage hat man einen schönen Ausblick auf die Stadt und das Meer. Der Eintritt kostet 400 Yen pro Person.

Der Clan, der den Tateyama-Clan verdrängte, hiess Satomi, und die Gegend um Tateyama wird auch 南総 Nansō (Südboso) genannt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrunderts schuf der Schriftsteller Bakin Kyokutei den wahrscheinlich längsten Fortsetzungsroman der japanischen Literatur – die 南総里見八犬伝 Nansō Satomi Hakkenden. “Hakkenden” bedeutet “Geschichte der acht Hunde”, und hier geht es um 8 Samurai, die alle von einem Hund abstammen sollen und deshalb auch das Schriftzeichen für “Hund” in ihren Namen tragen. Die Serie begann 1814, und sie sollte 28 Jahre fortgeführt werden. In den letzten Jahren war Kyokutei erblindet und musste seine Geschichte diktieren. Das Epos war reichhaltig illustriert und bestand aus sage und schreibe 98 Bänden. Der Hakkenden war nicht nur damals beliebt – auch im 20. Jahrhundert wurden mehrere Fernsehserien gedreht und Neuauflagen verlegt. Der Autor liess sich teilweise von alten chinesischen Geschichten inspirieren, und moderne Autoren – und Mangakünstler – lassen sich auch heute noch von dem Mammutwerk inspirieren. So sind etliche Ideen in den beliebten Manga Dragon Ball oder auch Inuyasha dem Hakkenden entlehnt. Wer sich ernsthaft dafür interessiert, woher die japanischen Manga ihre Anziehungskraft und Einzigartigkeit beziehen, sollte einen genaueren Blick auf dieses nun fast 200 Jahre alte Epos werfen.

Die Akayama-Bunkeranlagen aus dem 2. Weltkrieg
Die Akayama-Bunkeranlagen aus dem 2. Weltkrieg
Die Akayama-Bunkeranlagen aus dem 2. Weltkrieg
Die Akayama-Bunkeranlagen aus dem 2. Weltkrieg

Aufgrund der strategisch wichtigen Lage wurde Tateyama ab 1930 zum Armeestützpunkt ausgebaut – genauer gesagt wurde die Stadt zur 軍都 gunto – einer “Armeestadt” erklärt. Dazu gehörten ein Fliegerhorst der Marineflieger sowie ein Marinehafen. Hier liefen hernach vermehrt Kriegsschiffe und U-Boote ein. Von Tateyama starteten unter anderem auch Bomberangriffsstaffeln.

Wahrscheinlich ab 1942 begann sich die Marine einzugraben – südlich des Stützpunktes, und von der Stadt aus gesehen “hinter” dem Burgberg. Es entstand ein Geflecht aus insgesamt 1,6 Kilometer Tunneln, die dazu genutzt wurden, für die Marine wichtige Teile zu produzieren und zu warten, sowie um Treibstoff und andere Dinge einzulagern. In den letzten Kriegstagen wurden Teile der Tunnel auch als Lazarett benutzt. Tunnelsysteme dieser Art gibt es überall in Japan, und normalerweise liegen zwischen den Stollen 15 bis 15 Meter – in Tateyama sind es oft nur 10 Meter, was Historiker darauf schliessen ließ, dass die Tunnel in großer Eile in das weiche Gestein getrieben wurden.

Das Tunnelsystem ist heute unter dem Namen 赤山地下壕跡 Akayama-Bunkerruinen bekannt, und ein kleiner Teil der Anlage ist heute der Öffentlichkeit zugänglich. Der Eintritt kostet 200 Yen.

Denkmal der Artillerie der Kaiserlichen Marine bei Tateyama
Denkmal der Artillerie der Kaiserlichen Marine bei Tateyama
Ruine der Offiziersschule der Kaiserlichen Marine
Ruine der Offiziersschule der Kaiserlichen Marine

Die militärische Bedeutung der Stadt Tateyama blieb natürlich nicht den Amerikanern verborgen – sie bombardierten die Stadt und die militärischen Anlagen aus der Luft. Nach der Kapitulation Japans landeten amerikanische Kriegsschiffe in Tateyama an, und für eine kurze Zeit richtete man hier sogar das Generalhauptquartier ein.

Die militärische Bedeutung von Tateyama wird nicht nur im Stadtgebiet ersichtlich – auch in der näheren Umgebung zeugen zahlreiche Denkmäler und Ruinen von der militärischen Vergangenheit. So findet man quasi mitten in der Natur die Ruinen einer ehemaligen Offiziersschule sowie, inmitten von Einfamilienhäusern, ein Denkmal. Der Hafen von Tateyama ist heute ein Fischereihafen, aber das Militär ist immer noch in Tateyama tätig – westlich der Stadt auf einem Stück Neuland befindet sich ein Stützpunkt der Marine der Japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte – genauer gesagt ein großer Heliport.

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Kap Nojima 野島崎 & Minami-Bōsō 南房総

Die Stadt Tateyama wird komplett von der Stadt 南房総市 Minami-Bōsō (Südbōsō) umschlossen – eine künstliche Verwaltungseinheit, wie man am Namen bereits erkennt. Das “Zentrum” liegt nördlich von Tateyama, aber zu der Stadt gehört auch die ganze Südküste der Halbinsel. Dort befindet sich, am südlichsten Ende, das 野島崎 Nojima-saki (Kap Nojima). Wie ein Wurmfortsatz ragt dort eine sehr kleine Halbinsel in das Meer – das “-jima” im Namen deutet dabei darauf an, dass diese kleine Halbinsel möglicherweise vom Festland getrennt war. Das Kap Nojima ist nicht nur der südlichste Punkt der Präfektur Chiba, sondern auch der südlichste Punkt der Kanto-Region. Setzt man sich am Kap in ein Boot und fährt exakt 200 Kilometer gen Süden, landet man auf der sehr schönen Insel Hachijōjima.

Die Küste am Kap Nojima
Die Küste am Kap Nojima
Kap Nojima nebst Leuchtturm
Kap Nojima nebst Leuchtturm

Am Kap Nojimasaki steht ein achteckiger, weißer Leuchtturm eindeutig europäischer Architektur. Dieser Leuchtturm hat eine lange Geschichte. Nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts Japan durch die Kanonenbootpolitik der USA zur Landesöffnung gezwungen wurde, schloss das Land im Jahr 1866 einen “Steuerverbesserungsvertrag” ab – nicht mehr und nicht weniger als ein Handelsabkommen. Dieser auch Edo-Abkommen genannte Vertrag verpflichtete Japan unter anderem zum Bau von 8 Leuchttürmen. Die waren bitter nötig, denn die oft schroffe japanische Küste und der oft aufgewühlte Ozean liessen vorher viele Schiffe zerschellen. Der Vertrag wurde damals mit den USA, England, Frankreich und den Niederlanden geschlossen. Der Leuchtturm am Kap Nojimasaki war besonders wichtig, steht er doch am Eingang zur Bucht von Tokyo. 1870 wurde der erste, 30 m Leuchtturm unter Leitung eines französischen Architekten erbaut. Das Große Kanto-Erdbeben im Jahr 1923 überlebte der Turm nicht – er brach in 6 Meter Höhe ab. 1925 wurde ein Neubau errichtet – nach dem Vorbild des ersten Turms – und dieser Bau steht noch heute, obwohl er in den letzten Kriegstagen stark beschädigt wurde.

Den Turm kann man für einen geringen Obolus von 200 Yen besteigen, und die Aussicht lohnt sich an den meisten Tagen. Man sieht die nähere Umgebung, darunter die vielen Hotels von Shirahama-Onsen, sowie bei guter Sicht einige der Izu-Inseln.

Die Bōsō-Halbinsel im Allgemeinen, besonders aber die Südküste, also der Ort Minami-Bōsō, wurde in der Nacht vom 8. zum 9. September 2019 vom Taifun #15, genannt FAXAI, heimgesucht. Dieser hatte Windgeschwindigkeiten von bis über 200 Stundenkilometern und eine Unmenge an Regen im Gepäck und trat bei Chiba an Land. 8 Menschen verloren ihr Leben allein in Chiba, und unzählige Dächer wurden abgedeckt – diese werden in Japan dann mit blauen Planen abgedeckt, so dass zeitweise jedes zweite Haus ein blaues Dach hatte. Der Taifun legte dabei weitestgehend die Stromversorgung der Gegend lahm, da die meisten Stromleitungen oberirdisch verlaufen, und Strommasten wie Streichhölzer einknickten. In einigen Gebieten dauerte es mehr als eine Woche, die Stromversorgung wiederherzustellen. Das ist zu dieser Jahreszeit eine echte Herausforderung für die Menschen, da die Nachttemperaturen nahe 30 Grad liegen. Und es kam noch schlimmer – fast genau einen Monat später suchte Taifun #19 die gleiche Gegend heim.

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Kujūkurihama 九十九里浜

Im Nordosten der Halbinsel wird es allmählich flacher – bis nördlich der Stadt Isumi die rund 60 Kilometer lange Kujūkuri-Küste beginnt. In einem sanften Bogen reicht dieser Abschnitt bis fast nach Chōshi, und während die Landschaft für Menschen, die Schleswig-Holstein kennen, vertraut aussehen mag, ist sie in Japan doch einzigartig. Die Kombination von flachem Land und Küste ist hier eher selten, und wenn, dann meistens stark verbaut.

Der Name der Gegend ist etwas seltsam, bedeutet er doch “die 99-Ri-Küste”. Ri ist ein altes Längenmass, das im alten China ziemlich genau einen halben Kilometer, und in Japan damals (meistens) rund 3.9 Kilometer entsprach. Die Große Mauer von China zum Beispiel heisst auf Chinesisch 10,000-Ri-Mauer, was in etwa auch der Wahrheit entspricht. Leider hat sich die gemeinte Länge immer wieder geändert. Als der Name Kujūkuri entstand, war ein Ri genau 6 chō lang – diese Einheit ist rund 109 Meter lang. Ein Ri entsprach also rund 654 Meter. Auf Befehl des Gebietsherrschers begann man die Küste zu vermessen, und kam auf eine Länge von 99 Ri – rund 65 Kilometer also. Und so entstand der Name Kujūkuri.

Kujukuri ist für seinen sehr langen Sandstrand bekannt
Kujukuri ist für seinen sehr langen Sandstrand bekannt
Wo es Meer gibt, gibt es Fischrestaurants
Wo es Meer gibt, gibt es Fischrestaurants

Kujukurihama gehört zu mehreren Städten – von Nord nach Süd sind dies 旭 Asahi, 匝瑳 Sōsa, 山武 Sammu, 東金 Tōgane, 大網白里 Ōami-Shirasato und 茂原 Mobara. Die Gegend ist nicht allzu dicht besiedelt – zwischen kleineren Ansammlungen von Häusern findet man immer wieder kleinere Waldstücke.

Mehrere Flüsse münden bei Kujukurihama in den Pazifik – darunter zum Beispiel der 栗山川 Kuriyama-Fluss. Dieser ist der südlichste Fluss Japans, in den Lachse zum laichen zurückkehren, und das hat seinen Grund. Die aus dem Süden kommende, und damit warme Meeresströmung namens 黒潮 Kuroshio (“schwarzer Meeresstrom”) verlässt hier die japanische Küste Richtung Osten. Die 親潮 Oyashio-Strömung fliesst immer die Küste entlang aus dem Norden bis hierher und verlässt hier ebenfalls die japanische Küste gen Osten. Die Lachse bevorzugen kälteres Wasser und kommen deshalb mit der Oyashio-Strömung bis hierher und nicht weiter.

Genau diese Meeresströmungen sorgen für die Landschaft, wie man sie heute sieht, und sie bestimmen auch das Klima. Die Oyashio-Strömung reicht mal mehr und mal weniger weit Richtung Süden (Kujukurihama ist der südlichste Punkt) und bestimmt so, ob ein Sommer wärmer oder kühler wird. Die Strömungen sorgen auch für meist hohe Wellen, weshalb Kujukurihama bei Surfern sehr beliebt ist. Ausserdem gibt es unzählige Badestrände, die vor allem im Sommer bei den Großstädtern sehr beliebt sind. Im Sommer kann man dabei mit Wassertemperaturen bis zu 25 Grad, im Winter bis 15 Grad rechnen. Das bedeutet, dass das Wasser im Vergleich zur Lufttemperatur im Sommer erfrischend – und im Winter erstaunlich mild ist.

Kujukurihama wäre beinahe der Omaha Beach von Japan geworden: Die Alliierten planten in den letzten Kriegsmonaten des Zweiten Weltkrieges eine Landung in dieser Gegend – mit 40 Divisionen (in der Normandie waren es “nur” 12 Divisionen). Der sogenannte Y-Day sah vor, dass die Truppen dann von hier Richtung Tokyo vorrücken. Einigen Historikern zufolge kapitulierte der japanische Kaiser nicht unbedingt wegen der Atombombenabwürfe, sondern möglicherweise deshalb, weil man mit dem Ausbau der militärischen Schutzanlagen in Kujukurihama nicht vorankam.

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Nokogiriyama 鋸山 – der “Sägeberg”

Es gibt Berge, bei denen versteht man sofort, warum sie so heißen wie sie heißen. Dazu zählt der Nokogiriyama. nokogiri bedeutet Säge, und der Berg sieht, vom Ufer beziehungsweise vom Wasser aus gesehen, aus wie ein Sägeblatt (siehe Photo links unten). Der Berg ist an seiner höchsten Stelle 329 Meter hoch – nicht viel, aber er ragt fast wie ein Tafelberg steil und direkt an der Küste aus der Landschaft. “Sägeberg” ist eigentlich nur ein umgangssprachlicher Name – der richtige Name lautet 乾坤山 Kenkonzan – “kenkon” bedeutet “Himmel und Erde” (und -zan ist eine andere Lesung für “yama”, also Berg).

Blick vom Fährhafen auf den Nokogiriyama
Blick vom Fährhafen auf den Nokogiriyama
Blick vom Nokogiriyama auf das Innere der Halbinsel
Blick vom Nokogiriyama auf das Innere der Halbinsel

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Die Küste von Kamogawa ist sehr touristisch geprägt
Die Küste von Kamogawa ist sehr touristisch geprägt

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Meeresglühwürmchen “Umi Hotaru” 海のホタル

Sägeblatt, dass beim Tunnelbau benutzt wurde
Sägeblatt, dass beim Tunnelbau benutzt wurde

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Romanwald-Republik ローマンの森共和国

Viel Natur in der Romanwald-Schlucht
Viel Natur in der Romanwald-Schlucht
Das Hotel in der "Romanwald-Republik"
Das Hotel in der “Romanwald-Republik”

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Katsuura 勝浦

In der Mitte der Ostküste von Boso, also an der dem Pazifik zugewandten Seite, liegt die Kleinstadt Katsuura, wörtlich die “Bucht des Sieges”. Im 94 Quadratkilometer grossen Stadtgebiet wohnen rund 17,000 Einwohner – die meisten davon direkt an der Bucht. Die Stadt war schon immer ein bekannter Fischereiort – nach Choshi ist der Ort in der Menge der gefangenen Fische die Nummer 2 in der Präfektur Chiba. Der Ort ist besonders bekannt für die Bonito-Jagd. Dieser auf japanisch 鰹 katsuo genannte Fisch ist quasi der kleine Bruder des Thunfischs, und er spielt in der japanischen Küche eine enorm wichtige Rolle – die getrocknete und gehobelte Variante, das katsuobushi, ist eine Grundzutat der hiesigen Küche.

In Katsuura wird die Tradition des 朝市 Asaichi, des Morgenmarktes, gepflegt. Ausser mittwochs und zu Neujahr findet dieser Morgenmarkt jeden Tag statt – von 6 bis 11 Uhr morgens. Vom 1. zum 15. jeden Monats liegt der Morgenmarkt in der Shimo-Honmachi-Morgenmarktstrasse fest; vom 16. bis zum Monatsende in der Nakahonmachi-Morgenmarktstrasse (die beiden Strassen liegen sehr nah beieinander). Ein japanischer Morgenmarkt ist wie ein grosser Strassenbasar, auf dem man einkaufen, aber auch essen kann. Natürlich dreht sich hier viel um Meeresfrüchte, und der Morgenmarkt von Katsuura zählt zu den 3 größten Morgenmärkten Japans – die anderen findet man in Ishikawa sowie Gifu.

Blick auf das Kap Hachiman, dem östlichsten Punkt von Boso
Blick auf das Kap Hachiman, dem östlichsten Punkt von Boso
Moriya-Strand bei Katsuura - mit kleiner Insel und Torii
Moriya-Strand bei Katsuura – mit kleiner Insel und Torii

Katsuura ist ein beliebtes Naherholungsziel für die 30 Millionen Menschen im Großraum Tokyo – gut zu erkennen an den zahlreichen großen Hotels und der auf Wassersport getrimmten Infrastruktur. Der Ort hat allerdings auch schon mal bessere Zeiten gesehen – lebten hier zum Ende des Zweiten Weltkrieges noch fast 35,000 Menschen (darunter viele, die aus dem zerstörten Tokyo hierher flohen), ist es heute fast nur noch die Hälfte, und der Trend der Bevölkerungsabnahme hält ununterbrochen an.

Bei vielen ist die Gegend auch heute noch sehr beliebt. Ein paar Kilometer südlich des Stadtzentrums liegt zum Beispiel das kleine, aber sehr schöne 守谷海水浴場 Moriya-Strandbad – mit Sandstrand, und einer winzigen Insel nebst shintoistischem Schreinbogen und glasklarem Wasser. Ein paar Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums ragt das 八幡岬 Kap Hachiman in den Pazifik – unweit davon steht auch ein kleiner Leuchtturm, der allerdings nicht öffentlich zugänglich ist.

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Übernachtung

Es gibt einige grosse Hotels unmittelbar am Flughafen. Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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