BlogWir borgen uns ein Logo. Oder zwei.

Wir borgen uns ein Logo. Oder zwei.

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Es sind noch 5 Jahre bis zu den Olympischen Spielen in Tokyo, aber selbige sorgen bereits mehr und mehr für Unterhaltung. War es vorher das sündhaft teure Stadion, ob dessen sich die Gemüter erhitzten (das Ganze ist jedoch noch nicht ausgestanden), so ist es jetzt das Olympialogo. Das Logo wurde vom Grafikdesigner 佐野 研二郎 Kenjirō Sano entworfen – der 43-jährige hat natürlich schon einiges Andere vorher entworfen und diverse Designpreise eingeheimst. 104 verschiedene Entwürfe reichte Sano ein, und ein markantes T für Tokyo wurde ausgewählt. Im Juli gab man schliesslich ganz offiziell das Emblem bekannt. Davon bekam auch ein belgischer Designer Wind: Das Logo ähnele dem des Theaters von Liege doch allzu sehr. So sehr, daß man geistigen Diebstahl vermutet und rechtlich dagegen vorgehen möchte.
Nun ist die Ähnlichkeit grenzwertig. Es ist kein allzu kompliziertes Logo, und es besteht durchaus die Möglichkeit, daß Sano das belgische Logo nie gesehen hat. Doch dann meldete sich ein spanisches Designbüro zu Wort. Jenes hatte nach der Erdbebenkatastrophe ein „Rebuild Japan“ (ausgerechnet!)-Logo entworfen. Spätestens beim Anblick dieses Logos fällt es schwer, an einen dummen Zufall zu glauben.

Olympia-Logo-Entstehung - alles nur Zufall?
Olympia-Logo-Entstehung – alles nur Zufall?

Flugs wurde eine Pressekonferenz einberufen, bei der Sano beteuerte, daß er noch nie von anderen Entwürfen geklaut habe. Das unerlaubte kopieren, kurz geistiger Diebstahl, wird auf Japanisch パクる pakuru genannt. Natürlich begannen nun die Menschen, etwas näher hinzuschauen, und siehe da: Das Olympialogo ist kein Einzelfall. Sano hat über Jahre hinweg munter kopiert. Mal mehr, mal weniger offensichtlich. Am besten haben das die Kollegen vom japanischen Netgeek-Blog zusammengefasst (siehe Netgeek.biz):
Sanos Design unter der Lupe
Sanos Design unter der Lupe – Quelle: Netgeek.biz

In den sozialen Netzwerken wird der Vorfall heftig diskutiert. Wie immer tauchen sofort Posts auf, die behaupten, daß Sano kein echter Japaner sei sondern ein Zainichi. Viele fragen sich, ob in der Designwelt etwa auch Beziehungen die Welt sind, da Sano dorthin gehend etliche Beziehungen hat.
Persönlich betrachte ich das ganze zugegebenermassen nicht ganz ohne Häme. Die japanischen Medien sind seit Jahren gnadenlos über die Raubkopiererei in China hergefallen, gerade so als ob so etwas niemals in Japan passieren könnte. Sicher, China ist in Sachen geistiges Eigentum noch immer Wildwest, und es wird kopiert, was das Zeug hält. Aber es ist ja nicht so, daß man in Japan diesbezüglich gänzlich immun sei.

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tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

5 Kommentare

  1. Bezüglich dem klau geistigen Eigentums in Japan braucht man bloß mal im 109 einkaufen gehen und weiß bestens Bescheid. Die Sache mit dem Logo ist also mit Sicherheit kein Einzelfall…

  2. Am Anfang hatte ich mir noch gedacht „naja, wenn man mit so einfachen geometrischen Formen arbeitet, kann schon mal etwas Ähnliches bei rauskommen“. Aber mittlerweile wirkt das Ganze doch ein bisschen sehr zweifelhaft. Wenn man für ein so wichtiges Event ein Logo designt und nicht „abguckt“, sollte man wenigstens mittels einer umgekehrten Bildersuche auf Google feststellen, ob es so etwas Ähnliches schon gibt.
    Wenn das Logo tatsächlich geklaut sein sollte, fände ich das ziemlich schade … mir hat es eigentlich ganz gut gefallen. Dieser leichte Retro-Look, die „konservativen“ Farben und der eher statische Aufbau sind mal was Anderes als die knallbunten, „dynamischen“ Logos, die in letzter Zeit so im Trend sind.
    Die Zainichi-Rufe sind natürlich ein japanischer Internet-Klassiker.

  3. Naja, vielleicht bin ich ja blind. Aber entweder sind das alles so „generische“ Sachen, dass schon mindestens 1000 Leute so etwas „entworfen“ haben (nur eben nicht viel Geld dafür kassiert), oder es sieht für mich überhaupt nicht ähnlich aus (das 2. z.B.).
    So einen beach-Pfeil habe ich z.B. ganz ähnlich schon an 2 verschiedenen Orten gesehen. Allerdings beide auf deutsch. Und Taschen mit einem Spruch bedrucken, da kann auch leicht der selbe rauskommen, wenn man ein ähnliches Thema hat. VonBaguettes mal gar nicht zu reden. Wie viele Möglichkeiten gibt es, ein Brot halbwegs originalgetreu abzubilden (ein Bäcker verkauft ja keine abstrakte Kunst)?

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