BlogWas dem Berliner sein Schloss...

Was dem Berliner sein Schloss…

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… (steht das eigentlich noch zur Diskussion?) ist dem waschechten Edokko (Tokyoter Eingeborener) seine Nihonbashi (siehe auch Beschreibung hier: →Chūō-ku unweit des Hauptbahnhofs und der Ginza. Alle Monate oder Jahre wieder melden sich diverse Vereine und Grössen zu Wort, die die alte Brücke wiederhaben wollen. Der Vergleich mit dem Berliner Schloss hinkt dabei etwas – während es letzteres gar nicht mehr gibt, steht die Nihonbashi, seit sie 1911 eingeweiht wurde, da wo sie hingehört – am Nihonbashi-gawa (=Fluss). Erdbeben und Kriege hat sie überlebt, aber das war der Stadtplanung egal – mangels Platz wurde einfach eine Autobahn darüber gebaut.
Nun würde die schöne Brücke (bei der man als brückenverwöhnter Mitteleuropäer aber ehrlich gesagt höchstens eine halbe Augenbraue heben würde) tatsächlich schöner aussehen, stünde sie denn unter freiem Himmel. Mal sehen, ob wirklich einmal das geschieht, was viele (auch ranghohe Politiker) fordern: Die Autobahn unter die Erde zu bringen. In Seoul hat man es bereits gemacht, um einen malerischen Fluss zu reanimieren.
Von der Infrastruktur erdrückt: Tokyos Kulturerbe
Von der Infrastruktur erdrückt: Tokyos Kulturerbe
Interessant waren die Interviews mit einigen der Befürworter des Autobahnverlegungsprojekts. Einer erzählte, wie er als Kind immer von der Nihonbashi mit dem Boot bis nach Urayasu (dort lebt tabibito) gefahren ist, um dort im Watt Muscheln zu pflücken. Das wäre in der Tat sehr reizvoll. Würde meinen Arbeitsweg auch um einiges interessanter machen. Was man mittlerweilen aber entlang der Kanäle von Nihonbashi bis Urayasu findet, lässt einen sicherlich nicht vergessen, wo man ist – in einer gigantischen Großstadt:
Von der Infrastruktur erdrückt: Tokyos Kulturerbe
Moderne Wohnsilos auf Neulandinseln nahe der Ginza
Das Wort des Tages: 都会 tokai. to bedeutet Hauptstadt, aber auch nur „Grosse Stadt“. -kai ist die Versammlung, aber auch das Ensemble. Tokai bedeutet „städtisch“ (im Gegensatz zu inaka = ländlich, Land).

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

2 Kommentare

  1. Das sieht ja schrecklich aus…. ich stelle mir gerade vor ?ber die Schinkelbr?cke w?rde so ne Autobahn gehen…. boah… neeeee, geht gar nicht. Ich glaube das Stilempfinden der Baubeh?rden hier w?re dem im Wege. Wer genehmigt denn bloss sowas???

  2. Das nennt man Presslufthammer-Stadtplanung. Das geht in dem Fall so:

    X: Wir brauchen eine neue Stadtautobahn
    Y: Okay. Aber wo? Ist kein Platz mehr!
    X: Reissen wir einfach ein paar Hütten ab!
    Y: Zu teuer. Da müssen wir ja das Land kaufen. Aber sag mal, wem gehören eigentlich die Flüsse? Da ist doch noch Platz!
    X: Na der Stadt! Super Idee! Auf geht’s, Jungs!

    Das in den 1950/60ern eine nicht mal 50 Jahre alte Brücke übersehen wird, ist keine Seltenheit.

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