BlogVersandhandel mit Drohnen gestartet

Versandhandel mit Drohnen gestartet

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Soraraku - Drohnenbringdienst von Rakuten
Soraraku – Drohnenbringdienst von Rakuten
Rakuten, der japanische Versandhandelgigant, hat heute mit grossem Trara sein そら楽 Soraraku-Pilotprojekt vorgestellt¹: Es geht um die bereits von Amazon propagierte Idee, Online bestellte Waren mittels Drohnen zum Endverbraucher zu bringen. Das hat man nun auch zum ersten Mal in Japan getestet – indem man Golfzubehör mittels Drohne zu einem Golfplatz in der Präfektur Chiba transportierte. Die eigens für Rakuten entworfene Drohne kann bis zu 2 Kilogramm transportieren; der Versand soll wohl kostenlos werden.
Das Wort Soraraku² setzt sich zusammen aus „sora“ (Himmel) und „raku“ (bequem, bzw. auch der erste Teil im Firmennamen). Ganz offiziell soll der Versand mit Drohnen allerdings erst im Jahr 2020 beginnen. Und man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass man damit in Japan sehr schnell ernst macht. Dann wird es im japanischen Luftraum vor den hässlich-rosanen Rakuten-Drohnen nur so wimmeln.
In der Grossstadt werden die Fluggeräte nicht viel ausrichten können, aber in ländlichen Regionen könnte der Einsatz von Drohnen durchaus sinnvoll sein und sogar umweltschonend: Anstatt einen Kleintransporter loszuschicken, setzt man einfach kleine Drohnen ein. Aber schon bei der Bekanntgabe der Amazon-Drohne habe ich mich ernsthaft gefragt, wie man das mit der Sicherheit bewerkstelligen möchte — vom Hacken der Drohnen selbst mal ganz abgesehen könnte ich mir gut vorstellen, dass ドローン狩り dorōn-gari Drohnenjagd schnell zu einem beliebten Hobby wird. Einen Rotor zerschiessen, mit einer Aludecke bewerfen und zum Absturz bringen, EMP — es gibt bestimmt zahlreiche Möglichkeiten, um an die Beute zu kommen, und es dürfte schwer werden, den Übeltäter zu finden.
Drohnen-Regeln laut MLIT
Drohnen-Regeln laut MLIT (Quelle: MLIT)

Auch in Japan wird natürlich mehr und mehr über Drohnen diskutiert – so fand man zum Beispiel im vergangenen Jahr eine Drohne auf dem Dach der Residenz des Ministerpräsidenten, und in einem Land, in dem vor gar nicht allzu langer Zeit Giftgasanschläge auf U-Bahnen verübt wurden, macht man sich zu Recht sorgen. Aus diesem Grund wurden im März 2016 vom MLIT (Ministry of Land, Infrastructure, Transport and Tourism) neue Richtlinien darüber erlassen, wann man eine Erlaubnis zum Drohnenflug braucht und wann nicht³.
¹ Siehe Pressemitteilung.
² Siehe Webseite des Soraraku-Services
³ Siehe hier

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

2 Kommentare

  1. Hin und wieder ist der Blog offline ja.
    Finde die Idee durchaus interessant. Nur wird sie noch mehr Arbeitsplätze kosten, und ideologisch tut sich da bisher wenig, Ziel ist die Vollbeschäftigung… Womit, wenn man alle manuelle Arbeit ersetzt?

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