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Ab jetzt geht's nur noch abwärts
Ab jetzt geht’s nur noch abwärts

Sssssshhh….Wusssch! Mit gut 170 Stundenkilometern schießt das katapultgetriebene Projektil aus dem Acryltunnel. Im Projektil: 8 kreischende Menschen, meist mit hochgerissenen Armen. Von 0 auf 170 – dafür braucht die „Dodonpa“ genannte Achterbahn gerade mal 1.8 Sekunden. Zu sehen im Fuji-Q-Highland Vergnügungspark direkt am Fusse des Fujiyama. Mit halb offenem Mund schaue ich der Bahn zu, wie sie nahezu ungebremst in eine weite Kurve rast, aber Töchterchen zerrt bereits – wo denn nun das vorhin angesprochene „Thomas-die-kleine-Lokomotive-Land“ sei.
Fuji-san am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen
Fuji-san am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen

Ich hatte schon viel über besagten Vergnügungspark gehört, und die Nähe zur Mutter aller japanischen Berge ließ das ganze noch schmackhafter erscheinen Viele Hotels gibt es nicht, aber das zum Park gehörende Park Resort Hotel ist nicht schlecht – entweder schaut man aus dem Fenster auf die gigantischen Achterbahnen oder auf den noch gigantischeren (oh ja! Der gigantische Superlativ!) Fuji-San. Zum Glück hatten wir ein Zimmer der letzteren Kategorie, und das zahlte sich am frühen Morgen aus: Das einzige, was zwischen Hotel und Fuji liegt, ist eine Autobahn, und das war es auch schon – ab da gibt es nur Wald und eine erst sanfte, dann nach oben hin immer steilere Bergflanke – natürlich liegt Mitte November auch schon Schnee auf dem Gipfel.
Mag man nun Achterbahn- oder technikversessen sein: Allein die drei Achterbahnen sind beeindruckend. Eine nennt sich passenderweise „Fujiyama“, ist einfach riesengroß und sehr hoch. Da Loopings und dergleichen fehlen, hätte ich auch keine Sorge, mich da reinzuquetschen. Anders sieht die Sache bei „eejanaika“ (wörtlich in etwa: „passt doch, oder?“ aus. Die Achterbahn ist mir nicht ganz geheuer, und ganz freiwillig würde ich mich da nicht reintrauen. Nicht nur wegen der zwei Loopings, sondern vor allem, weil sich die Sitze während der Fahrt auch noch um die eigene Achse drehen – es geht kopfüber in die Loopings. Das riecht nach Flugpizza… Laut Wikipedia ist es wohl auch die Achterbahn mit den meisten Inversionen auf der Welt: 14 Mal hat man während der Fahrt Gelegenheit, entweder sein Mittagessen oder den Inhalt sämtlicher Taschen zu verlieren.

Oben genannte „Dodonpa“ würde mich persönlich aber am meisten reizen. Aber dazu war dieses Mal leider keine Zeit – die Wartezeiten liegen bei jeder Bahn meistens bei weit über einer Stunde, und wir waren ja schließlich auch nicht wegen uns, sondern wegen unserer Tochter da. Meiner Frau wurde dabei selbst der Zugang zu den einfachsten Kinderkarussels und -Bahnen versagt: Schwangere dürfen nicht mitfahren. Und der Bauch in seiner jetzigen Grösse lässt sich weissgott nicht mehr verstecken. Letztendlich musste sie sich als einziges mit dem Riesenrad begnügen.
Patienten gesucht: Geisterbahn auf Japanisch
Patienten gesucht: Geisterbahn auf Japanisch

Ach ja, ein Geisterhaus gibt es dort freilich auch: Da dürfen aber auch weder Schwangere noch Kinder unter 20 Jahren rein. Der Wärter mit dem alten, blutverschmierten Kittel am Eingang des als heruntergekommenen Krankenhauses kaschierten Geisterhauses verspricht aber auch nichts Gutes: Japaner sind für ihren Fimmel für Horror bekannt (Stichwort „Guinea Pig“-Filme), und das Geisterhaus dürfte es in sich haben.
Das Wort des Tages: 遊園地 yūenchi. Spielen-Park-Land/Boden. Der Vergnügungspark.

tabibito
tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

7 Kommentare

  1. Ich habe vor nicht allzulanger Zeit im Rahmen der Japanwoche von esat (glaube ich) den Film Kirschblüten – Hanami gesehen. Ein Teil des Films spielt eben am Fujiyama in einer (ich würde sagen) Lodge, jedenfalls sehr einfach gehaltenem Hotel an einem See. Mit direktem Blick auf den Berg, wenn denn keine Wolken da wären.

    War es denn Glück, dass du so ein gigantisches Bild vom Berg schiessen kontest oder wurde die Wettersituation aus dramaturgischen Gründen verschlimmert? Und: wieso ist denn die Geisterbahn für Schwangere verboten? Ist doch ein Spass!

  2. @BigAl So ein Wechsel aus den Slums, muss ja nicht teuer sein nur schön… Dafür büßt Du ganz sicher etwas an Bequemlichkeit ein. Was aber dein Wohlbefinden anheben wird. ;-) *lach*

  3. Kommentar zu Terry:

    die zwei wichtigsten Worte in Japan, ohne nun genauer auf den semantischen Unterschied einzugehen, lauten: 安心 (anshin) und 安全 (anzen). Dies sollte eigentlich erklaeren, warum eine schwangere Frau eine Geisterbahn nicht betreten sollte.

    Gruessle!

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