BlogTaschengeld gekürzt

Taschengeld gekürzt

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Die Wirtschaftskrise scheint sich in Japan mittlerweilen auch auf das Taschengeld auszuwirken. Nein, hier geht es nicht um das Taschengeld für Kinder, sondern um das für arbeitende Männer.
Traditionellerweise verwaltet in Japan die Ehefrau die Finanzen und, so gut gelaunt, spricht sie dem jeden Tag von morgens bis Mitternacht im Büro schuftenden Gatten ein gewisses Sümmchen zu, über das er gnädigerweise selbst bestimmen darf. In welchem Umfang sich Frau Gemahlin derweilen ihr eigenes へそくり (Hesokuri, Heso – Bauchnabel, „Kuri“ – entrissenes, weggelegtes, zusammen in etwas „Notgroschen“) zusammenklaubt, bleibt dabei ein streng gehütetes Geheimnis.
Laut einer Umfrage von Shinsei Financial, Ergebnisse veröffentlicht hier, lag das durchschnittliche Taschengeld für Männer bei 45,600 Yen pro Monat, also bei etwas unter 350 Euro. Klingt vielleicht viel, ist aber nicht allzu viel, wenn man bedenkt, dass Kollegen oft miteinander trinken gehen, was schnell 5 bis 10000 Yen pro Abend kosten kann. Im letzten Jahr gab es noch 700 Yen mehr, und Anfang der Neunziger, während der Seifenblasenkonjunktur, gab es um die 70,000 Yen. Gefragt wurden jeweils 500 Männer verschiedenen Alters im ganzen Land.
Dieses System hat in Japan sogar bei etlichen Firmen dazu geführt, dass Firmen ihren Angestellten das Gehalt auf zwei Konten auszahlen – das offizielle Gehalt auf das Konto der Ehefrau, und ein kleines Nebengeld auf ein separates Konto.
Nun, meine Frau traf sich neulich mit drei Freundinnen, alle mit Kleinkind, und erfuhr dort von allen dreien, dass diese eigentlich ihre Männer gar nicht richtig lieben – man sei eben zusammen, weil man geheiratet hat, und jemand muss eben die Familie versorgen. Wenn ich so etwas höre, beginne ich das „Hesokuri“- und „Nebengehalt“-Prinzip zu verstehen. Gottseidank gibt es natürlich genügend Ausnahmen.
Das Wort des Tages: お小遣い okozukai. -zukai(tsukai) ist die Besorgung, Botengang usw. (englisch: errand, mir fällt kein wirklich genau passendes deutsches Wort ein), ko ist klein. Also „Geld für kleinere Besorgungen“, zu deutsch Taschengeld.

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Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

17 Kommentare

  1. „[…] dass diese eigentlich ihre Männer gar nicht richtig lieben – man sei eben zusammen, weil man geheiratet hat, und jemand muss eben die Familie versorgen.“
    Das ist ja mal ein herber Schlag ins Gesicht. Klingt noch schlimmer als die Untersuchung über die Männersuche von Frauen, die du kürzlich veröffentlicht hast. Ich hoffe, dass du dich selbst zu den Ausnahmen zählen darfst.

    350€ im Monat sind verdammt wenig. Da kann ein Student in Deutschland vom Staat wesentlich mehr erhalten: „Der z. Zt. höchste Bedarfssatz beläuft sich auf 648 EUR.“ [1]
    Wobei man sagen muss, dass dabei auch noch Mietzuschlag sowie Essen und Versicherungszuschüsse enthalten sind. Ohne all diese Dinge erhält ein Student – geringes Einkommen der Eltern / des Studenten selbst vorausgesetzt – allerdings auch noch mehr:
    „Höchstbetrag ohne eigenen Hausstand (ohne Krankenkassen- und Pflegeversichungszuschlag) 414 €“ (aus Tabelle übernommen) [1]

    [1] http://www.bafoeg-aktuell.de/cms/bafoeg/bedarf.html

  2. Ich will hier nicht das geringe „Taschengeld“ gut heißen oder sonstewas… aber zum Studentenvergleich muss was kommen ;)

    So ein Student muss sein gesamtes Leben von dem Geld bezahlen – der Mann bekommt seine Wäsche gewaschen, sein Essen auf den Tisch, und das Klopapier aufs Klo. Der Student muss das selbst bezahlen.

    Und vom Staat bekommt ein Student übrigens nur Geld, wenn er „bedürftig“ ist, und das wird nunmal zB. beim Bafög anhand des Verdienstes der Eltern und der Geschwisterzahl errechnet.
    Wenn man da nicht reinfällt (z.B. die Geschwister aus den Altersgrenzen fallen), kann man zwar bedürftig sein, aber dennoch kein Geld vom Staat bekommen.
    Und wenn ich dann Bafög-Studenten zufällig höre (wie vor einigen Jahren geschehen, ich konnte es gar nicht fassen), dass sie sich Sorgen machen, wohin sie ihre 3000 Euro hinterlegen sollen… nur, damit die vom Amt nicht feststellen, dass sie Geld haben und horten und der Bafögsatz runtergesetz werden könnte… also echt mal, mein Konto hat noch nie solche Zahlen gesehen. Bafög ist großartig, aber manchmal entstehen daraus echt komische Situationen.

    Tabibito, bekommst du auch „Taschengeld“?

    PS: Irgendwie scheint das mit der Vorschau nicht so zu funktionieren…

  3. *LOL* Der Beitrag musste ja kommen. Nach dem man so beharrlich auf der 100% Marke herumgeritten sind http://www.tabibito.de/japan_blog/blogs/index.php/2009/05/18/maauml_nner_auf_die_weide#comments
    konntest du nicht mehr anderes ;).
    Davon mal ab bekommen ich ein selbst auferlegtes Taschengeld hab aber mein eigenes Konto eben nur die Finanzverwaltung an meine Frau übertragen da sie mit Geld besser um gehen kann. Ich hab es und gebe es aus. Im Land wo es Elktrowarenkaufhaeuser gibt würde ich keine einzigen Yen sparen. Meine Frau bekommt im übrigen das selbe Taschengeld wie ich.

  4. Aber du vergisst, das dafür der Herr „freie“ Kost und Logis hat inklusive Bentopaket für die Arbeit ;-)

    Also die 350 Euro ist wirklich für Extras wie Nomikai, Patchinko, MeidoCafe oder Soapland.

    Der Bafög Empfänger muss dafür alles aus dem Topf bestreiten. Und ich weis aus eigener Erfahrung das es ganz hart wird wenn man NICHT dem Normalfall für die Regelsatz Berechnung entspricht.

    Aber zurück zu den armen jap. Ehemännern ;-)
    Ja es ist schon hart, wenn man als Nur“Ernährer“ degradiert wird, meist geht das einher damit das dass Kind bei der Mutter schläft (im extrem Fall bis zum 14ten Jahr) und der Vater solo. Natürlich läuft auch Horizontal da auf beiden Seiten ev. nur Pflichtprogramm. :-/

    Aber ich denke (hoffe) doch das es oft das herausragende Extrem ist. Und IMHO nicht nur auf Japan beschränkt wenn ich so manche westliche (emanzipierte) Frauen höre.
    Aber Normalität fällt halt nicht auf.
    Mir sind zum Beispiel auch noch nie die sexhungrigen vernachlässigten Hausfrauen begegnet von denen man ständig hört, sieht und liest ;-)

    Aber wenn ich z.B.die Reaktion meiner Segelkollegen zum Thema Kochen höre…
    „Wie DU kannst kochen? Also bei mir klappen CupNoodle gerade so!“
    Denke ich ist das ev. mit dieser Ehe als Soziale Pflicht ganz gut ;-)

  5. @Tabibito

    Zu „へそくり“ ich hab mich letztens mit meiner besseren Haelfte darueber unterhalten, weil das Wort fuer mich so „lustig“ klang. Ich habe es dann als „Bauchnabelversteck“ interpretiert. Freundin meinte nun aber, dass das mit dem Bauchnabel nichts zu tun hat. Ich werde da noch mal nachhaken.

    Aber irgendwie witzig, dass du es hier zur Sprache bringst ;)

  6. Die Frauen wieder. Irgendwann falle ich noch mal vom Glauben ab. Die Männer eigentlich nicht lieben, aber einen Ernährer brauchen. Was haben sie sich denn da für einen ausgesucht?

    Ich hab ja inzwischen begriffen, dass die Rollenverteilung in Japan recht konservativ ist. Vielleicht ist dies kulturell auch noch sehr stark verankert. Aber wie kann ich denn mit einem Menschen zusammenleben, den ich gar nicht mag? Ist denn die Alternative – sich zu trennen – so schwierig für die Japaner?

    Wie man liest, ist das mit dem Taschengeld auch anderswo durchaus üblich. Selber bin ich zwar nicht direkt betroffen. Da ich allerdings den Großteil unserer Ausgaben bestreite, bleibt aber mehr als ein Taschengeld auch bloß nicht übrig. Ich kann damit aber auch leben.

    Was hat denn deine Frau zur Liebesfähigkeit ihrer Freundinnen gesagt?

  7. @Stefan
    Muss den anderen recht geben – mit Studenten kann man das nicht vergleichen, da das Taschengeld wirklich reines Taschengeld ist – Miete, Essen usw. ist ja bereits bezahlt.

    @wildeblume
    Dich habe ich ja schon ’ne Weile nicht mehr hier gesehen bzw. gelesen – kann das sein? Freut mich, dass Du noch mitliest!
    Nee, ich bekomme kein Taschengeld. Ich verwalte in unserem Fall das Geld, und da gibt es eine Obergrenze pro Woche, die nicht überschritten werden (sollte). Meine Frau bekommt einen festen Betrag pro Woche, von dem sie Essen und alles kauft – den Rest spart sie als „Hesokuri“ zusammen, erzählt mir allerdings jedes Mal freudestrahlend, wieviel übrig geblieben ist. Wochentags habe ich sowieso keine Zeit, Geld auszugeben, und Wochenenden verbringen wir immer zusammen. So funktioniert es eigentlich seit Jahren ganz gut.
    Und Geschichten wie die Deinige mit Bafög-Empfänger, die nicht wissen, wo sie ihr Geld verstecken sollen, habe ich auch manchmal gehört, aber ich denke, das sind Ausnahmen.
    Vorschau-Funktion… ich arbeite dran!

    @Blueschi
    Klar doch, darf doch kein Klischee auslassen!

    @Michael
    Oh, was die sexhungrigen, vernachlässigten Hausfrauen angeht… es gibt sie. Eine hat mir bei einer internationalen Party auch erst von ihrem Gatten erzählt und später ins Ohr geflüstert, er sei gerade auf Dienstreise im Ausland und ob ich nicht zu ihr mitkommen möchte. Dankend abgelehnt.

    @Lori
    Naja, gibt man Hesokuri in den IME ein, kommt 臍繰り ‚raus, und 臍 ist der Bauchnabel. Ich mag mich täuschen, aber ich kann mir schon vorstellen, dass das von Bauchnabel abstammt.

    @Terry
    Ich würde „nicht lieben“ nicht mit „nicht mögen“ gleichsetzen. Ich mag zwar die meisten meiner Kollegen, aber lieben … es ist eher eine Art Zweckgemeinschaft, in der jeder tut, was er will.
    Meine Frau war jedenfalls ziemlich perplex bzw. waren die Freundinnen perplex, als sie von sich das Gegenteil behauptete. Hat sie mir jedenfalls so berichtet. Nun, da werde ich ihr einfach mal vertrauen müssen :-)

  8. @ tabibito

    Kann ich bestätigen ist mir während meines Japanjahres auch ein- oder zweimal passiert.

    @ Michael

    Meidocafe und Soapland sieht der Alltag verheirateter Japanischer Männer wirklich so aus?

  9. @ Tabibito
    du musst mir unbedingt sagen wo es solche Partys in Osaka gibt oder wo man solche Frauen trifft ;)
    Oder bin ich zu „begriffsstutzig“ für sowas subtiles?
    Nicht das ich unbedingt ja sagen würde wollen aber ein bisserl Ego-pflege ist ja auch mal nett. ;)

    @ Christian W.
    Für einige ja… selbst getroffen und total erstaunt weil die Ehefrauen so hübsch und auch recht intelligent sind, das ich keine 5 Minuten von Ihnen lassen könnte. ;)
    (Erwähnte ich, dass mir Meido und Soapland sowie alles in der Richtung so total ab geht? :) )
    Oder die Gatten verleben ihre Freizeit im Pachinko.
    Ich habe mal eine Frau getroffen (mit 2 Kindern) da verballerte der Gatte wohl so um die 5-70000 pro Monat in Pachinko.
    Und auch da habe ich es nicht verstanden die Frau war IMHO nicht zu beneiden.

    Ich habe manchmal das Gefühl will man das alles verstehen dann nur über heftige Kopfschmerzen, diese Sache mit Frauen die nicht wirklich tief lieben und Männer die Frauen als Ersatz-Mamas sehen, das geht leider wohl alles Hand in Hand und unsereins muss nur aufpassen nicht Kollateralschaden romantischer Art zu werden.

    Und trotzdem bleibe ich dabei das die meisten Asiatischen Frauen einfach besser zu „ertragen“ sind.
    Geh mal mit einer dt. Frau segeln und mit einer sagen wir mal Japanerin… und du merkst was ich meine ;)

  10. @ Michael

    Bin mal mit einer Italienerin hier Dland zum Rugby gegangen und das ganze noch mal mit einer Japanerin in Japonesien. Da ist wirklich ein unterschied zu bemerken.

  11. @ Christian
    inwiefern in deinem Falle?

    In meinem Falle ist es der Fakt auch mal ruhig Natur genießen zu können statt ständig zu erwarten „das was los ist“.

  12. @ Michael

    naja bin beide male vom Schiri vom Feld geschickt worden weil ich mir ne blutende Schramme zugezogen hab. Die Italienerin hat dem Schiri prügel angedroht damit ich wieder aufs Feld kann um meine „Männlichkeit“ unter beweis zu stellen. Die Japanerin hat mich mit grünem Tee viel bewunderung und nem richtig professionell angelegtem aber vollkommen unnötigen Druckverband erwartet.

  13. @Tabibito:
    „…dass diese eigentlich ihre Männer gar nicht richtig lieben – man sei eben zusammen, weil man geheiratet hat, und jemand muss eben die Familie versorgen. …“

    – Mal ehrlich, das grenzt schon an Prostitution.

    „Oh, was die sexhungrigen, vernachlässigten Hausfrauen angeht… „

    – Tipp fürs nächste mal: Der Gentleman genießt und schweigt.
    War sie denn attraktiv? Vielleicht kannst das nächste mal ’n Foto machen und zu schicken. Ich versichere Diskredition!

    „Nun, da werde ich ihr einfach mal vertrauen müssen :-)“

    – Mein Mißtrauen wäre geweckt ;-)

    @Michael:
    „…aber ein bisserl Ego-pflege ist ja auch mal nett. ;)“

    – Ja, klar. Aber man muß auch gönnen können. Ich kann’s!

    „… und du merkst was ich meine ;)“

    – Merken tue ich nichts! Vielleicht könntest Du Dein Smiley etwas näher erläutern. Bitte, bitte ….

    Bis dann.

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