BlogSprachenspass: Sprichwörter

Sprachenspass: Sprichwörter

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Internationale Beziehungen – ich meine jetzt nicht die Gemeinschaft eines Bayern mit einer Hamburgerin – sind ja an sich schon recht interessant, aber mit Kindern wird die Sache gleich noch besonders witzig – vorausgesetzt, man hat Interesse an der Sprache des anderen. Warum? Man lernt die andere Sprache noch einmal, und zwar von der Pike auf. Japanisch (oder eine andere Fremdsprache) kennen ist eine Sache – eine Unterhaltung mit einem 3-jährigen Stift bekommt man dadurch aber noch lange nicht zustande. Kam ich vor Jahren mal mit japanischen Kindern zufällig zusammen, so rannten die Kinder entweder schreiend weg oder sie erstarrten zur Salzsäule. Heute verstehe ich mich mit den hiesigen Quaden Wänstern Kindern richtig gut. Und das dank der Erziehung zu Hause und unzähligen Kinderbüchern. Einige von den Kinderbüchern sind dabei so gut, dass ich sie – so ich noch Japanisch unterrichten würde – glatt als Unterrichtsmittel verwenden würde.
So tat es mir neulich das Buch rechts oben an – es ist beinahe schon im Manga-Stil gezeichnet und handelt von einem Ramenkoch, der in ein Gespensterhaus gerufen wird um Nudelsuppe zu liefern – und dort an allerlei Gespenster gerät. Der halbe Text, wenn nicht noch mehr, besteht dabei aus gängigen Sprichwörtern, die unsere Tochter (und ich!) begeistert aufschnappen.
Sprichwörter und Redewendungen sind ja bekanntermassen ein Spiegel der Kultur eines Landes – sie geben örtliche kulturelle und geographische Gegebenheiten wieder und sind trotzdem sehr kompatibel. Einfaches Beispiel: „Eulen nach Athen tragen“ stammt ja aus dem antiken Griechenland und bezog sich auf die Tatsache, das in Athen an allen Ecken und Enden Eulenstatuen herumlungerten. In England wird daraus ein „Carry coals to Newcastle“ und man kann sich denken, warum.
Einige Redewendungen wiederum sind so beliebt (nicht selten dank der Bibel), dass sie in allerlei Sprachen importiert werden – „Perlen vor die Säue (werfen)“ heisst auf Englisch „(cast) pearls before swine“, auf Französisch „jeter des perles aux pourceaux“ und auf Japanisch „豚に真珠“ (buta ni shinju) – exakt die gleiche Redewendung mit der gleichen Bedeutung (und dank Bibel weltweit verbreitet).
In Japan mangelt es auch nicht an originellen oder aus China über die Sutren und Gelehrtenschriften importierten Sprichwörtern und Redewendungen. Hier ein paar nützliche Beispiele:

猫に小判 – neko ni koban
„einer Katze Geld (geben)“ – gleiche Bedeutung wie „Perlen vor die Säue“
灯台下暗し tōdai moto kurashi
„Das Dunkel direkt unter dem Leuchtturm“
Etwa: Das Gute liegt manchmal so nahe (dass man es nicht erkennt)
頭隠して尻隠さず atama kakushite shiri kakusazu
„den Kopf verstecken aber den Hintern nicht“
Etwa: Den Kopf in den Sand stecken (und damit denken, dass man, wenn man nichts
mehr sieht, auch nicht mehr gesehen wird) – siehe Gefräßiger Plapperkäfer
泣きっ面に蜂 nakittsura ni hachi
Ein Biene(nstich) auf die weinende Wange
Zur Schande kam noch Schmach dazu (habe ich so mal auf Deutsch gehört, aber
das kommt bestimmt auch nur vom „add insult to injury“)
薮をつついて蛇を出す yabu o tsutsuite hebi o dasu
„Wer im Busch herumstochert wird eine Schlange herauslocken“
Oftmals auch kurz „yabuhebi“ – „Busch-Schlange“ genannt – auf Deutsch
in etwa „wer sich in Gefahr begibt wird darin umkommen“
鬼が出るか蛇が出るか oni ga deru ka ja ga deru ka
„Entweder kommt der Teufel hervor oder eine Schlange“
– was also auch passiert, es wird nicht gut sein. Quasi die
Wahl zwischen Pest und Cholera.
虎穴にいらずんば虎児を得ず koketsu ni irazunba koji o ezu
„Wer sich nicht in die Höhle des Tigers begibt, wird das Tigerbaby nicht fangen können“
– also „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“.
案ずるより産むが易し anzuru yori umu ga yasushi
„Einfach machen ist besser als sich nur davor zu zieren“
– in etwas „Probieren geht über Studieren“ und „Wer wagt gewinnt“ in
einem.

Die Liste wäre freilich endlos – auch in Japan gibt es unzählige Sprichwörter und Redewendungen – sie sind das Salz in der Sprachsuppe, sollten aber wie auch in der eigenen Sprache nur wohldosiert benutzt werden.
Das Wort des Tages: ことわざ (諺) kotowaza – das Sprichwort.

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

6 Kommentare

  1. zu 泣きっ面に蜂
    und der Englischen Version ist wohl gleich zu setzen mit: „Wer den Schaden hat brauch für den Spott nicht zu sorgen!“ IMHO

    Mein Liebster ist:
    郷に入っては郷に従え.
    „When in Rome do as Romans do.“
    „Wenn in Rom, machs wie die Römer!“

  2. Ja da hast Du wieder ein tolles Thema angeschnitten!
    In letzter Zeit beteiligte ich mich nicht a.) aus Zeitmangel, b.) weil die Blogeinträge via RSS nicht mehr funktionieren und – um ehrlich zu sein – c.) aus mangelndem Interesse an den Themen. Man kann’s auch keinem Recht machen, ne? ;-)

    Sprichwörter hatten es mir auch von Anfang an gleich angetan. Obwohl ich sie kaum behalten kann, eins das mir bis heute blieb weil’s gefiel ist das Sprichwort welches auch den obigen Buchdeckel ziert:
    「馬の耳に念仏」(uma no mimi ni nenbutsu)
    Bedeutet soviel wie „Gegen eine Wand reden“ oder „Predigt an taube Ohren“. Wörtlich „einem Pferd Gebete ins Ohr reden“, das hat auch Null Erfolg. Eine Eigenschaft die alle 頑固親父 (ganko oyaji = sturer alter Bock) dieser Welt gemeinsam haben.

    「寝耳に水」(nemimi ni mizu) ist bei mir ebenfalls hoch im Kurs. „Wasser ins schlafende Ohr“ (Wasser ins Ohr während man schläft). Findet Verwendung bei grosser Überraschung aus heiterem Himmel. Wenn das nicht originell ist.

    Und gratuliere natürlich noch herzlichst zum zweifachen Jubiläum/Feier! Doppelt gemoppelt hält schliesslich besser ;-)

  3. Hm das wundert mich jetzt auch. Also seit dem 22.04. „Neue Features“ hatte es aufgehört zu funktionieren. Egal wie oft ich in der folgenden Woche den Feed neu reinzog (Thunderbird 2.0), es kam kein Eintrag mehr. Die Kommentare purzelten aber weiterhin munter herein.

    Hab’s jetzt nochmal versucht und oh Wunder, die letzten 5 Beiträge kamen rein als wär nie was gewesen. Sorry für 空騒ぎする (karasawagi suru = leeren Lärm machen -> viel Lärm um nichts machen) m(- -)m

  4. Ich hab gehört, dass sich Kinderbücher oder auch Kindersendungen generell prima zum Sprachenlernen eignen. Aber Redewendungen in Kinderbüchern habe ich hier in der BRD noch nicht viele gelesen. Aber es ist schön, dass doch alle irgendwie ähnliche Begrifflichkeiten für Alltagssituationen gefunden haben.
    Persönlich finde ich „It rains cats and dogs“ schöner als „Es regnet Binnfäden“.

  5. 「能ある鷹は爪を隠す」
    Das bedeutet genau so wie „Stille Wasser sind Tief“.
    Vor den langen Jahren habe ich
    das beim Goethe-Institut. Nun ich bin in DTL oft so genannt 2″ ein zrueckhaltende Asiater“
    ,keine Ahung ,ob das echt ist.

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