BlogSmart Cities kommen

Smart Cities kommen

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Ende Mai verabschiedete das japanische Parlament eine Vorlage, nach der die Schaffung so genannter Smart Cities in Japan gefördert werden soll – womit den Verantwortlichen Planungssicherheit und finanzielle Hilfen zugesprochen werden sollen. Smart Cities gibt es schon lange in der Volksrepublik China, Südkorea und einigen anderen Ländern. Verantwortlich für die Ausführung relevanter Projekte ist, logisch, das Ministerium für Land, Infrastruktur, Verkehr und Tourismus. Insgesamt sind 15 Orte für die Smart City-Projekte vorgesehen, und die Planung ist bei einigen bereits weit fortgeschritten:

# Projektname Ort Planung abgeschlossen?
1 Smart City mit ICT für Gesundheit und Wohlfahrt unter Bürgerbeteiligung Sapporo, HOKKAIDŌ nein
2 Smart City durch Innovationskraft Semboku, AKITA ja
3 Smart City “Modell Tsukuba” Tsukuba, IBARAKI ja
4 Utsunomiya Smart City Modell Utsunomiya, TOCHIGI ja
5 Smart City Vorläufermodell Moroyama Moroyama-machi, SAITAMA nein
6 Kashiwa-no-ha Smart City Kashiwa, CHIBA ja
7 Smart City Otemachi/Marunouchi/Yurakucho Chiyoda-ku, TOKYO ja
8 Toyosu Smart City Kōtō-ku, TOKYO nein
9 Smart City basierend auf “Virtuelles Shizuoka” als Datenkreislauf Shimoda & Atami, SHIZUOKA ja
10 Fujieda Smart Compact City Fujieda, SHIZUOKA nein
11 Kōzōji New Mobility Town Kasugai, AICHI nein
12 Smart Keihanna Projekt Seika & Kizugawa, KYOTO nein
13 Masuda Cyber Smart City Masuda, SHIMANE nein
14 Autarkes Modell für Bergregion Miyoshi, HIROSHIMA nein
15 Matsuyama Smart City Projekt Matsuyama, EHIME nein

An der Liste fällt auf, dass sich einige Orte in der tiefsten Provinz befinden – das ist zwar kostspielig, aber sinnvoll, denn die ländlichen Gegenden kämpfen seit Jahrzehnten gegen den Bevölkerungsschwund und den damit einhergehenden Folgen.
ICT, IoT, AI, Big Data — das dürften wohl die wichtigsten Ingredienzen für die Projekte sein, so dass sich vor allem die betroffenen Bürger wohl oder übel mit diesen Begriffen vertraut machen müssen. Vielleicht wird dabei sogar das eine oder andere Faxgerät verschrottet werden.
Natürlich gibt es auch kritische Stimmen, führen diese Projekte doch zum „gläsernen Menschen“, mit der latenten Gefahr dass entweder wichtige Daten entwendet und missbraucht werden könnten, oder das gar der Staat die Daten gegen das Interesse seiner Bürger einsetzt. Allerdings passt das Leitbild der Smart City wunderbar in die jetzige Zeit, denn eine smarte Vernetzung und Datenauswertung kann zweifellos dazu beitragen, die Corona-Situation besser zu verstehen und in den Griff zu bekommen.
Der Staat und die Kommunen sind nicht die einzigen, die an einer Spart City arbeiten. So will zum Beispiel Toyota in Susono (Shizuoka), am Fusse des Fuji-san, die „Woven City“ aus dem Boden stampfen – für rund 2’000 Einwohner.

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

8 COMMENTS

  1. Also mich interessiert das Thema sehr, weil ich ja auch in der Branche beruflich tätig bin und zum Teil für den japanischen Markt zuständig bin, wobei es momentan bei uns da eher in Richtung Elderly Care und Farming geht. Wir sind aber auch schon am Flughafen Haneda auf den Toiletten zu finden. ;P
    An sich ein spannendes Thema, wobei ich auch kein Fan im privaten Bereich davon bin und würde es persönlich auch nicht nutzen. Im öffentlichen Bereich sehe ich aber durchaus Chancen und Potential – gerade jetzt durch die Corona-Zeit drängen viele Firmen auf „Smart Offices“, d.h. dass z.B. nur noch 50% der Belegschaft pro Tag tatsächlich im Büro ist und keinen fixen Arbeitsplatz mehr hat. Den kann man sich am Morgen spontan suchen. Gleiches gilt für Raumbelegung mit Sensoren und Heatmaps kann man dafür sorgen, dass nur eine gewisse Menge an Menschen sich gleichzeitig in Meetingräumen aufhält – auch mit dem nötigen Abstand usw.
    Im privaten Bereich, also z.B. im eigenen „Smart Home“ würde ich mich da dann schon wieder nicht so wohl fühlen. Ich verwende auch kein Alexa und Co. – aber NOCH kann man das ja weitgehend selbst entscheiden. :)
    Bin mal gespannt wie die „Corona App“ in Deutschland aufgenommen wird, wenn sie denn endlich kommt ….

    • Als Geograph mit Schwerpunkt nachhaltiger Stadtplanung + jahrzehntelanger Arbeit im IT-Sektor ist das auch genau mein Metier. Aber mir geht’s genauso wie Dir — prinzipiell finde ich Smart Cities sehr gut, aber Alexa & Co möchte ich auch nicht bei mir zu Hause haben.

  2. Also das ganze ist zwar interessant, aber die Realität ist meines Erachtens noch etwas entfernt.
    Vor zwei Jahren war ich mal in Kashiwa no Ha, da war aber außer vielen Ideen noch nicht viel zu sehen. So richtig Sinn macht es ja eh erst, wenn man großflächig smarte Devices deployed hat- aus den Daten einer einzigen „vernetzten“ Straßenlaterne kann man nicht so viele Korrelationen ableiten… Auch finde ich einige Use Cases etwas „krampfhaft“, a la „macht zwar nichts einfacher, aber ist technisch möglich“.
    Für mich aus der IT Security Branche kommend ist die Entwicklung aber natürlich super, handelt es sich hier doch um physisch für jeden zugängliche und damit manipulierbare Edge Devices, die noch dazu selten bis nie gepatcht werden und entsprechend anfällig für Exploits jeglicher Art sind. Mal schauen, wie sich das noch so entwickelt.
    Hast du schon viele der Smart Cities besucht? Gab’s da schon was zu sehen außer den üblichen Wettervorhersagen?
    Viele Grüße,
    Fabian

    • Nun, die Smart Cities sind alle noch in Planung. Ein Teil von Seoul ist ja auch Smart City, und das habe ich in Aktion gesehen, aber leider zu kurz und ohne viel darüber, was wirklich gemacht wurde, gelesen zu haben. Ich brenne allerdings darauf, eine chinesische Smart City zu besuchen.
      Ja, die Sicherheit. Da sehe ich auch das Hauptproblem. Wie so oft wird wahrscheinlich oft alles nach dem neuesten Stand (hoffentlich) installiert, und danach einfach so belassen, was dann nach ein paar Jahren wirklich unzählige Sicherheitslücken entstehen lassen wird. China ist ja in Sachen Smart City am weitesten fortgeschritten, aber noch habe ich von üblen Exploits nichts gehört, was aber nichts zu sagen hat – man wird sowas sicherlich nicht veröffentlichen…

    • Niemand :) Das muss natürlich gut geplant und vor allem kontrolliert werden. Trotzdem liegt hier die Zukunft, da man mit Smart Cities sehr viel in Sachen Energiesparen und Prozessoptimierung machen kann. So man an den Klimazielen festhält, wird man um Smart Cities gar nicht herumkommen.

  3. ICT und IoT sagen mir nix. Dabei habe ich nie ein Faxgerät besessen :( Berichte bitte wenn du mehr weisst und die Projekte richtig angelaufen sind :)

    • Gern doch!
      ICT = Information and Communication Technology
      IoT = Internet of Things (also die Vernetzung aller denkbaren Geräte, inkl. Waschmaschinen, Kühlschränke und dergleichen)

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