Blog"Schwarze Jobs" - miese Arbeitsbedingungen für Studenten

"Schwarze Jobs" – miese Arbeitsbedingungen für Studenten

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Das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales ging in diesem Herbst zum ersten Mal dem Gerücht nach, dass unfaire Arbeitsbedingungen auch bei Kurzarbeitern und Gelegenheitsjobbern ein Problem sein könne, nach¹. Dazu wurden 1’000 Studenten befragt, die schon einmal gejobbt haben. Und man wurde fündig. Die 1’000 Studenten haben insgesamt rund 1’900 verschiedene Arbeitsstellen hinter sich, und gute 60% von ihnen berichteten dabei von Problemen am Arbeitsplatz. Mehr als die Hälfte derer berichtet von Arbeiten, die so nicht im Vertrag vereinbart waren, knapp 15% von unbezahlten Überstunden – zum Beispiel in der Form, dass das Saubermachen nicht zur Arbeitszeit gezählt wurde sondern quasi unbezahlt entrichtet werden musste.
Mit dem ersten Kritikpunkt muss man natürlich vorsichtig sein. Viele der Befragten arbeiteten zum Beispiel in einem Convenience Store oder einer Kneipe, und da gibt es tausende verschiedene Dinge zu tun, die man natürlich nicht alle in einer Stellenbeschreibung unterbringen kann – und da kann es schon mal vorkommen, dass Prinzesschen oder Sohnemann gar erschrocken ist, wenn sie oder er plötzlich einen Sack Müll rausstellen muss. 60% sind trotzdem viel. Da stimmt entsprechend ganz allgemein etwas nicht. Entweder sind die Arbeitsbedingungen im Allgemeinen wirklich auf einem entwürdigenden Stand angelangt – oder die Vorstellungen der Studenten (in Japan sind diese in nahezu allen Fällen 18 bis 22 Jahre alt) von der Arbeit klaffen zu sehr von der Wirklichkeit auseinander. Wahr ist wahrscheinlich irgendwas in der Mitte.
Die meisten Studenten verdienen übrigens – in Tokyo – selten mehr als 7 Euro pro Stunde; in der Provinz hingegen nur 5 bis 6 Euro.
Meine ersten Japanreisen hatte ich mir auch als Student mühsam erjobbt. Anfangs nahezu ausschliesslich auf Baustellen – mangels Alternativen. Dabei hat es mich gleich zweimal erwischt: In zwei Fällen bekam ich mein Gehalt nicht bezahlt, weil der Chef jeweils mit der Kasse durchgebrannt war. Das passierte dummerweise auch noch auf der gleichen Baustelle. Das war allerdings in einer anderen Zeit, im Wilden Osten, in einer Stadt mit 25% Arbeitslosigkeit. Heute ist doch bestimmt alles besser… oder?
¹ Siehe unter anderem hier.

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

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