Blog Political correctness-Debatte um die Ainu-Ureinwohner

Political correctness-Debatte um die Ainu-Ureinwohner

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Was in der Infotainment-Sendung „Sukkiri“ (in etwa: „frisch, klar“) auf dem Privatsender 日テレ (Nitere – Nippon TV) am 12. März ausgestrahlt wurde, ist nun Gegenstand einer breiteren Debatte geworden, in der es, und das kommt nicht allzu häufig in Japan vor, um political correctness geht. In der Sendung ging es um einen kurzen Filmbericht über eine Ainu-Frau, und das Filmchen wurde von einem Ansager in einem für das Programm typischen, albernen Eichhörnchenkostüm vorgestellt. Das geschah mit den Worten „Na, welches Tier versteckt sich wohl in dem Thema, um das es in diesem Film geht?“ – die Antwort: „Inu“ – das japanische Wort für Hund. Aus dem Namen der Ureinwohner, Ainu, wurde so ein „Oh, ein Hund!“.

Schnell wurde das ganze als 放送事故 hōsō jiko – als Sendeunfall – abgestempelt, doch man schoss sich schnell auf Fujii, den Programmsprecher, ein. Was folgte, war die obligatorische, dramatisch inszenierte Entschuldigungszeremonie, bei der man sich bei den Ureinwohnern ganz, ganz doll entschuldigte. Ohne dabei zu erkennen, dass Fujii nicht des Pudels Kern dieses Problems ist. Sicher, wäre dies eine Livesendung, bei der mal eben eine Bemerkung rausrutscht, könnte man das natürlich als Sendeunfall bezeichnen. Doch hier saßen dutzende Leute vorher in einer Redaktionskonferenz zusammen, diskutierten, wie die Sendung ablaufen soll, und welche Animationen wie und wo eingebaut werden. Jemand in dieser Konferenz hatte dann die grandiose Idee, dass man ja das „Inu“ in AINU aufgreifen könnte und eine niedliche Hundeanimation über den Bildschirm schicken lassen könnte. Das müssen wohl alle ganz toll gefunden haben, denn der Plan wurde ja dann offensichtlich in die Praxis umgesetzt. Scheinbar hatte die Compliance-Abteilung des Senders auch nichts einzuwenden. Das man den Namen eines ganzen Volkes damit irgendwie durch den Dreck zieht und es möglicherweise Menschen geben könnte, die damit so gar nicht einverstanden sind, schien man nicht in Betracht zu ziehen.

Für die Ainu kommt dies bestimmt nicht so überraschend, denn Japaner schauten schon immer herablassend auf die Ureinwohner im Norden des Landes herab. Bis 1997, und das ist beachtlich, lautete der offizielle Duktus zum Beispiel, dass es sich bei den Ainu um „ehemalige Ureinwohner“ handelte. Erst 2008 wurde ihnen, nach langem Kampf, der Status einer Minderheit eingeräumt. Zu spät, könnte man fast meinen, ging doch fast die gesamte Kultur im Laufe der weit mehr als 100 Jahre andauernden Zwangsassimilation verloren.

Traurig an der Angelegenheit ist, dass die meisten Japaner so gut wie gar nichts über die Ainu wissen. Sicher, alle haben den Namen schon mal gehört und verbinden ihn auch treffend mit der Nordinsel, Hokkaido. Doch dass die Ainu einst die „Herren“ (ja ja, und Damen) der Nordinsel waren, und dass sie eine völlig eigene Sprache und Kultur haben, wissen nur wenige. Vielleicht hilft ja dieser sogenannte „Sendeunfall“ dabei, das etwas zu ändern.

Ein YouTube-Video des besagten Auftritts gibt es – momentan zumindest – hier. Und mehr Informationen zu den Ainu gibt es auf dieser ausführlichen Seite über den Akan-ko-Nationalpark auf Hokkaido.

 

 

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

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