Japan-Almanach: Alles über das Leben und Reisen in Japan. Seit 1998.
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Selbst die Katzen sind hier anders

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Natürlich muss man hier auch in Punkto Katzen eine Extrawurst braten. Im Ernst – schon vor geraumer Zeit sind mir die Katzen hier aufgefallen. Die wilden und die Hauskatzen. Von vorn sehen sie alle ganz normal aus, aber bei gut der Hälfte von ihnen fehlt der Schwanz. Denkt man zumindest – mit eins, zwei Zentimetern ist der nämlich kaum zu sehen. Ein paar Nachforschungen im Internet brachten es dann ans Licht – „Japanese Bobtails“ heissen die Tierchen. Die Katzen werden übrigens so geboren.

Und beinahe wie bei den koi gibt es ein Idealbild einer japanischen Stummelschwanzkatze – nämlich die mike – die dreifarbige Katze. So eine räkelt sich gern auch unter dem Balkon in unserer Firma in der Sonne. Da möchte man manchmal schon gerne tauschen…


Diese will auch mal eine japanische Bobtail-Katze werden – wenn sie gross ist.

Das Wort bzw. die Redewendung des Tages: 猫を被る (neko o kaburu) – wörtlich „sich eine Katze überstreifen“. Bedeutet so viel wie „heucheln“.

Liebe Hunde, denkt daran…

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…Euren eigenen Mist mit nach Hause zu nehmen. Wohin man in Japan auch schaut – überall stehen Schilder, Schilder, Schilder… kleine Warnschilder, grosse Warnschilder, Aufkleber, Poster. Nun hat das allerdings auch seinen Hintergrund: Wenn man so dichtgedrängt beisammen wohnt, braucht man in der Tat Regeln, damit die „Gesellschaft“ funktioniert.
Beispiel: Während man sich in den grossen Parks in Europa schnell mal verlaufen kann, muss man in Japan nach grossen Parks suchen. Klar gibt es welche, aber die Chance, in der Nähe eines grossen Parks zu wohnen, ist gering.
Und – auch in Japan liebt man Hunde (nein, hier isst man sie nicht). Und scheinbar immer mehr Leute halten sich einen Hund. Hunde produzieren Sch… und wie auch z.B. in Deutschland werden die Leute dazu angehalten, die Häufchen einzusammeln. Sonst würde der Hundehäufchen pro Quadratmeter Grünfläche (HH/m2GF)- Koeffizient in ungeahnte Höhen schnellen.

Unzählige Schilder erinnern überall an die Hundehaufen- und andere Aktionen. Oft werden in Japan Warnschildchen und – aufkleber etwas lustig gemalt – macht schliesslich auch mehr Eindruck bei Kindern und ist keine so schlechte Idee. Es gibt wahrscheinlich tausende Variationen von Hundehäufchen-Schildern, aber dieses heute beim Spaziergang entdeckte Schild verdient einen Preis. Sehr witzig, was der freundliche Hund in seiner Pfote hält.

Das Wort des Tages bzw. die Worte des Tages: Auf dem Schild steht folgendes:

忘れないよ!後始末
[wasurenai yo! atoshimatsu]
Nicht vergessen! Saubermachen

ペットのふんは必ず持ち帰ろう
[petto no fun wa kanarazu mochikaerō]
Haustierköttel unbedingt mit nach Hause nehmen!

浦安市
[Urayasu-shi] – Stadt Urayasu

Der Shinkansen ist tot – es lebe der Shinkansen

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Ein kurzer Beitrag, der Technik-Muffel wohl weniger interessiert: JR East (JR=Japan Railways, East steht für die Ostküste, von Tokyo bis Osaka) stellt den neuen Shinkansen vor. Der fährt zwar auch „nur“ 300 kmh, kommt aber schneller durch die Kurven. Dank Neigetechnik kann er dort bis zu 270 kmh fahren. Alle Achtung. Eigentlich unnötig zu sagen, dass diese neue N700er Klasse ziemlich futuristisch aussieht.

Wer mal einen Shinkansen bei der Durchfahrt sehen will, sollte hier klicken (WMV, 400 kB). Jüngst selbst aufgenommen. Modembenutzern rate ich jedoch ab…
Das Wort des Tages: 新幹線 (shinkansen) – shin steht für „neu“, -kansen etwa für „Strecke“.

Japanisch lernen – Mission impossible? (Episode III)

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ch habe schon mehrmals gehört, dass die Mehrzahl der Japanologie-Absolventen in Deutschland keine (japanische) Zeitung lesen können. Das ist traurig. Zumal das Studium ja eigentlich ziemlich lange dauert. Und die meisten Ausländer, die in Japan arbeiten – auf Dauer, wohlgemerkt – können ebenfalls keine Zeitung lesen. Auch das ist traurig. Beziehungsweise ein Beleg für die Komplexität der japanischen Sprache.

Wer russisch lernt, muss 27 bisher unbekannte Zeichen (bzw. Zeichen, die anders gelesen werden als im Deutschen) lernen. Wer Arabisch lernt, muss sich mit 94 Zeichen herumschlagen (28 – 22 davon mit jeweils vier verschiedenen Formen). Wer Chinesisch lernt, sollte um die 3000+ Zeichen lernen, meistens mit einer Lesung pro Zeichen. Wer Japanisch lernt, muss Hiragana (46 Zeichen), Katakana (46 Zeichen) und Kanji (Schriftzeichen, beherrschen sollte man um die 2500) lernen. Sehr viele davon mit mindestens zwei, oft völlig voneinander abweichenden Lesungen.

Hiragana und Katakana hatte ich mir selbst beigebracht – japanische Freunde schrieben sie auf und dann ging es auf Gutdünken los. Strichfolge (Reihenfolge und Richtung, wie man schreibt)? Nie gehört. Systematik? Was’n das? Und trotzdem ging es. Auch wenn es frustrierend war, dass man selbst nach zwei Jahren noch Wörter in Katakana eher Buchstabe f&uum;r Buchstabe liest und nicht als Wort. Lernmethode? Schreiben, schreiben, schreiben. Zwei Minuten Zeit? Welche Zeichen fallen mir ein? Welche vergessen? Schnell zu Hause nachschlagen… Und so ging es recht schnell. Vom fliessend Lesen mal abgesehen.

Mehr in Bälde. Heute wurde es amtlich: Der Mai in Japan war soweit lausig – normal wären 180 Sonnenstunden. Bisher waren es 90. Und es regnet nahezu jeden Tag. Und in zwei Wochen beginnt die Regenzeit. Wie jetzt, noch eine?

Wort des Tages: 骨折り (honeori) – „Anstrengung, grosse Mühe“. Bezieht sich aufs Japanisch-Lernen. „hone“ bedeutet „Knochen“. „ori“ (wie in Origami) bedeutet „brechen“ (auch: falten). Quasi „knochenbrecherisch“ – wie im Deutschen ein Synonym für „anstrengend“.

Was ist bloss mit Roppongi geschehen?

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Strahlend blauer Himmel und angenehme 25 Grad an einem Sonntag – das gab’s schon eine Weile nicht mehr. Also raus – nein, leider nicht ins Grüne – und ab nach Tokyo. Genauer gesagt nach Ebisu, um dort einen Freund der Familie zu treffen. Danach gemächlicher Spaziergang Richtung Roppongi. Dort war ich zum ersten und zum letzten Mal vor 10 Jahren. Ein etwas verrufenes Viertel mit üblen Clubs und Kaschemmen, in denen sich in erster Linie vergnügungssüchtige Amerikaner – GI’s wie Touristen – tummeln. Eine schmutzige Strassenkreuzung in der Mitte. Nichts, wo ich so schnell wieder hinwollte – erst recht nicht nachts (nicht, dass ich was dagegen habe, gut zu feiern – aber dafür gibt’s weit bessere Orte in Tokyo). Heute jedoch hab ich Roppongi nicht wiedererkannt: Denn was in Berlin der Potsdamer Platz, ist in Tokyo das kühne Bauprojekt Roppongi hills: Hypermoderne Wolkenkratzer, und ein Tunnellabyrinth. Hier sollen Arbeiten, Wohnen, Amüsieren, Lernen usw. auf engstem Raum verschmelzen.

In der Mitte der 235 m hohe Mori Tower – ein wuchtiger, abgerundeter Wolkenkratzer, gut sichtbar auf einem Hügel platziert. Daneben zwei etwas kleinere Wohnhochhäuser (78 qm²-Wohnung um die 700,000 ¥ pro Monat, also rund 5000 Euro). Verblüffend, was hier in 10 Jahren aus dem Boden gestampft wurde. Eigentlich wollten wir dort noch eine Kaffeepause einlegen. Und irrten hilflos durch die riesigen Passagen. Starbucks. Mag ich nicht. Nächstes – auch nicht gut. Alles ist sauber wie geleckt, riesig, steril, seelenlos. Hier arbeiten? Vielleicht. Hier wohnen? Nein, danke! Ich würde das laute Zirpen der Zikaden im Sommer vermissen (auch wenn ich es manchmal verfluche). Den Wind, der durch die Blätter geht. Die kleinen Autos, die über Lautsprecher anbieten, unseren Elektronikschrott kostenlos abzunehmen. Den kleinen Ramen-Laden um die Ecke. Roppongi hat sich wirklich sehr geändert. Aber es wäre kein Problem, bis zum nächsten Besuch wieder 10 Jahre zu warten.


Der Mori-Tower: Irgendwie gigantisch und unwirklich. Dummerweise habe ich gerade heute meine Kamera vergessen – deshalb nur ein Bild vom Handy.

Das Wort des Tages: 高層ビル – kōsōbiru. Koso- bedeutet „hohe/viele Schichten“. Biru stammt vom englischen Wort „Building“ ab. Auf Deutsch „Hochhaus / Wolkenkratzer“. Es werden nachwievor immer mehr in Tokyo.

Chongryun + Mindan = T’ongil???

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Nein, dass ist kein Japanisch, sondern Koreanisch. Aber es geht auch hier um Japan. Wie jedermann weiss, ist Korea seit 1948 getrennt in Nord- und Südkorea. Wahrscheinlich weniger bekannt ist die Tatsache, dass schon seit langer Zeit viele hunderttausend Koreaner in Japan leben. Koreaner sind sehr patriotisch und haben einen grossen Gemeinschaftssinn. Kein Wunder, dass sie einen sehr starken Verband bildeten. Aus politischen Gründeten spaltete sich dieser aber vor rund 50 Jahren auf in den chongryun (Kurzname, auf japanisch/koreanisch 朝聯), den Verband der (Nord)koreaner, welcher auch Nordkorea propagiert und unterstützt, sowie dem mindan (ebenfalls kurz, auf Jap/Kor: 民団) – ‚Volksgruppe‘ – ein Verein, der Südkorea nahe steht.

Die Vereine sind prinzipiell eine logische Konsequenz, denn Koreaner werden oftmals zweitklassig behandelt – egal, ob sie seit Generationen hier leben oder nicht. Nun ja, dass ist kein rein japanisches Problem. Beide Vereine zählen zusammen rund eine halbe Million Mitglieder. Eine echte Macht also. Doch die ideologischen Hürden waren zu gross – zwischen den Verbänden herrscht(e) seit einem halben Jahrhundert Eiszeit.

Gestern nun trafen sich die Vorsitzenden beider Verbände und beschlossen, aufeinanderzuzugehen. Eine kleine Revolution, aber auch wiederum ein logischer Schritt wenn man die politische Tauzeit zwischen Nord- und Südkorea betrachtet.

Geht das gut? Heute kam eine Meldung vom mindan in der Präfektur Nagano – man wolle den Zusammenschluss nicht, schliesslich verletze Nordkorea nachwievor massiv die Menschenrechte. Und der Hauptverband des mindan hat bereits angekündigt, nordkoreanische Flüchtlinge nicht mehr zu unterstützen. Es bleibt mit Spannung abzuwarten, wie es mit Nordkorea weitergeht… alles wird sich jedoch schnell auch in Japan wiederspiegeln.


Blick von Südkorea nach Nordkorea (andere Seite des Flusses). Das Foto habe ich 1999 gemacht. Damals war die Grenze 100% dicht. Jetzt rollen sogar LKW’s und Züge über die Grenze. Was würde ich für diese Zugfahrt geben!

Das Wort des Tages: 統一 (jap: tōitsu, koreanisch t’ongil, siehe Titel). Heisst „Vereinigung“ bzw. im politischen Sinne auch „Wiedervereinigung“.

Wieso ausgerechnet Japanisch!? Episode II

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Um Episode 1 fortzusetzen – keine Sorge, es werden weniger als bei Star Wars – eine der Japanerinnen war sehr freundlich, mir auf zahlreichen Seiten handschriftlich eine Einführung in die japanische Sprache zu geben. Ein wertvolles Geschenk, zumal es vor 10 Jahren noch keine wirklichen Unterrichtsunterlagen für Japanisch in Deutschland gab. Da ich vorher schon mal etwas Chinesisch gelernt hatte, war mein Interesse für Japanisch (und vergleichende Sprachwissenschaft) schnell da.

Dazu kamen noch weitere Umstände. Einer war privater Natur. Der andere – als damaliger Student der Diplom-Geographie hatte ich zwei Wahlpflichtfächer zu belegen und zudem noch studium generale-Vorlesungen (festgelegte Stundenzahl, egal welches Fachgebiet, so lange es nicht mit dem eigenen zu tun hat). Just zu dieser Zeit hatte das Institut für Japanologie seine kleinen aber feinen Pforten geöffnet. Und Japanologie stand als Wahlpflichtfach zur Verfügung. Damit begann der Teufelskreislauf. Erstmal ging es allerdings auf kleine Weltreise – erst nach Indien, dann nach Japan. Einen grösseren Kulturschock konnte man sich nicht vorstellen. Nach anderthalb Monaten ging es wieder zurück zum Studium. Japanologie ohne Sprache? Nein, das konnte ich nicht annehmen. Also Sprachkurse belegt. Anfangs waren wir rund 15 Studenten, nach anderthalb Jahren nur noch drei. Wer Japanisch lernt, hat automatisch mehr und mehr mit Japanern zu tun. Zum Beispiel als Tutor. Später als Reiseleiter. Dann als Übersetzer. Usw. usf. Mangels „echter“ Japanologie-Studenten bot man mir sogar eine Studenten-Stelle im Institut an. Und fragte mich, ob ich nicht gänzlich zur Japanologie umschwenken wolle. Nein, wollte ich nicht. War ja schliesslich mit dem anderen Studium beschäftigt. Im Nachhinein wäre es wohl doch keine schlechte Idee gewesen…

Episode III wird wohl doch noch kommen. Thema: Wie lernt man Japanisch. Nein, kein Universalrezept. Aber vielleicht hilft es trotzdem jemandem.


Blick ins kanwa jiten – ein Wörterbuch für Schriftzeichen im Japanischen. Auf den ersten Blick fallen einem dazu nur zwei Wörter ein: Schwein. Und Uhrwerk. Dabei ist das ganze einfach ganz logisch.

Das Wort des Tages: 鬱陶しい(うっとうしい) (uttōshii). Wird fürs Wetter benutzt und bedeutet „deprimierend“. Jeden Tag Regen. Dabei beginnt doch die Regenzeit erst noch…

Frage an die Leser – könnt Ihr die Schriftzeichen überhaupt sehen oder erscheint nur Zeichensalat wie @;$#=^\?

Womit sollen wir bloss in Zukunft essen???

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Werden sich wohl viele Japaner angesichts der heutigen Nachrichten denken. Es geht um Stäbchen, genauer gesagt um die allseits beliebten Wegwerfstäbchen aus Holz. Kleine Statistik: Allein in Japan werden 25 Milliarden Wegwerfstäbchen pro Jahr verbraucht – das sind ziemlich genau 200 pro Person! Zur Erinnerung – das Jahr hat 365 Tage. Und Kleinkinder essen nicht mit Stäbchen. Ergo isst die Mehrheit mindestens ein Mal am Tag damit. Im Büro, im Park oder im Restaurant. Nur in der Familie gibts die abwaschbaren Stäbchen.

Aber nun ist Gefahr im Verzug: Gut 97% der Stäbchen kommen aus der VR China. Die Chinesen wollen nun eine 5%-Steuer erheben – aus Sorge vor der Abholzung der chinesischen Wälder. Und es gibt Gerüchte, dass man in 2008 die Produktion und den Export ganz einstellen will. Die ersten Reaktionen auf die Nachrichten: Eine Restaurantkette hat Plastikstäbchen eingeführt, die man 130 mal (!) wiederbenutzen kann. Frag mich ja wer das mitzählt… Eine Convenience-Store-Kette (Anm: Mini-Supermärkte mit Fast-Food-Essen, die 24 Stunden geöffnet haben) gibt nun nur noch auf Aufforderung Stäbchen heraus.

Vielleicht machen’s ja bald auch mehr Leute so wie ich – und bringen ihre eigenen, richtigen Stäbchen ins Büro mit.

Das Wort des Tages: 割箸 (waribashi): wari- heisst „teilen“ oder „brechen“, bashi (hashi) sind die Stäbchen. Die Holzstäbchen müssen ja erst auseinandergebrochen werden – Beweis, dass man sie als Erster benutzt.

P.S. Episode II kommt in Bälde.

Wieso ausgerechnet Japanisch!? Episode I

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Wurde ich schon so oft gefragt, dass ich gar nicht mehr drauf antworten möchte. Aber um den letzten Kommentar mal aufzugreifen – in der Tat steht zu diesem Thema rein gar nichts in meinen Seiten. Wie kommt man ausgerechnet auf Japanisch?

Scheinbar müssen gewisse Bedingungen herrschen, um sich für die Sprache zu interessieren. Zum Beispiel das man grosser Japan-Fan ist. Und/oder Manga- oder Kampfsportfan. Ich zähle allerdings nicht zu der Sorte. Mangas können mich nicht besonders erwärmen, und Kampfsport…ein bisschen Jūdō vor vielen Jahren und das war’s auch schon. Japan war für mich vor gut zehn Jahren ein fernes Land, dass ebend einfach da lag wo es war. Wie so viele konnte ich mir damals nicht mehr als ein paar Vorurteile ausmalen.

Eines Tages gab es jedoch mal wieder eine Ausländerparty im Studentenwohnheim. George aus Kamerun machte Musik und vierzig Studenten aus 41 Ländern feierten ausgelassen. Diese Partys waren jedesmal schlichtweg lustig. Dort sprangen an einem Tag auch plötzlich ein paar aufgeweckte Japanerinnen herum. Plötzlich überfielen sie mich.

„Wie heisst Du?“
„Matthias…“
„Wo wohnst Du?“
„Gleich um die Ecke, in dem Wohnheim dadrüben!“
„Oh, wir auch! Können wir Dich besuchen?“

Eine Welt brach zusammen. Japaner kannte ich bis daher nur als scheue Wesen, die in Rudeln leben und beim kleinsten Anzeichen von Gefahr verschwinden (man mag mir die Ironie verzeihen). Gesagt, getan. Am nächsten Tag stand eine Abordnung von 3 Japanerinnen vor meiner Tür. Mit vollen Töpfen. Und es wurde ein sehr lustiger Abend.

Schnell stellte sich heraus, dass in der Etage unter mir zehn Japaner lebten. Zwei Männer, acht Frauen. Für ein Jahr. Und seit besagtem Abend war beinahe jeden Abend eine Abordnung bei mir. Wir zogen durch die Klubs und Kneipen, spielten Karten bis früh am Morgen und hatten viel Spass. Aus „den Japanern“ wurden „Menschen wie Du und ich“. Gute Freunde ebend.
Wie es weitergeht? Demnächst hier, auf diesem Sender…

Oh, und hier kommt das allererste Wort, das ich auf Japanisch gelernt habe – das Wort des Tages: バカ(馬鹿)- baka. Bedeutet ‚dumm‘. Wird in Japan sehr oft benutzt – mal ernst, oft aber aus Spass.

Herzensgüte auch in Japan!

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Da liefen wir also zu viert durch Ōsaka vor einer Woche – meine Eltern, meine Wenigkeit und meine Frau. Eigentlich waren wir sehr erschöpft und wollten deshalb irgendwo in unmittelbarer Nähe des Hotels essen. Also fragten wir die Rezeption. Machen wir oft so. Und sie gaben uns ein paar Tipps. Wir endeten dann im Kisōji (Nähe Nanba). Eine kleine Kneipe. Normalerweise gibt es immer ein otōshi (sehr kleines hors-d’œuvre) wenn man eine japanische Kneipe betritt. Hier gab es gleich rund zehn davon – der Tisch war beinahe schon voll. Die Bedienung war sehr nett und das Essen okay. Und die Gäste waren sehr laut und sprachen im schönsten Kansai-Dialekt.

Es war jedenfalls interessant und lustig. Dann ging es ans Bezahlen. 10’950 Yen (rd. 80 €, durchaus normal für vier Leute). Wir erzählten ihm dass uns das Hotel empfohlen hätte. ‚Oh, na dann 500 Yen weniger‘. So funktioniert Kapitalismus. Wir plauderten ein bisschen. Er wusste gleich, dass wir nicht aus Amerika sind, sagte der Wirt. Und war begeistert zu erfahren wo wir herkommen und warum wir hier sind. Schliesslich sagte er „Na ja, 10’000 Yen“. Kurz darauf: „Was soll’s, 9’000 Yen.“ Ja, das gibt’s auch in Japan.

Erinnerte mich ein kleines bisschen an 1989. Am 11. Nov fuhr ich mit meinen Eltern nach Westberlin. Gut einen Tag vorher wurde die Mauer geöffnet. In Westberlin kam ein grimmig dreinblickender Mensch auf uns zu. Und gab uns seine Tageszeitung und brummte ‚Hier, könnt ihr lesen. Willkommen‘. Seitdem wusste ich, dass der Westen nicht so schlecht sein könne wie uns einst täglich erklärt wurde. Herzensgüte ist doch etwas schönes und kommt gottseidank überall vor.

Vielleicht denkt jetzt so mancher Leser „Der ist aber leicht zu begeistern“. Stimmt. Es sind diese kleinen Dinge, die mich begeistern.

Das Wort des Tages: 関西弁 (kansaiben). Kansai ist die Region rund um Osaka. -ben ist der Dialekt. Kansai-ben kann man ein bisschen mit Berlinerisch gleichsetzen. Grosse Schnauze, aber mit Herz. Kann aba ooch sein dass ick mir irre.

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