Japan-Almanach: Alles über das Leben und Reisen in Japan. Seit 1998.
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Ein Jahr verstrichen und nichts gelernt?

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Das behaupten zumindest Opfer und Angehörige der Zugkatastrophe, die vor genau einem Jahr den Glauben der Japaner in ihr effizientes Verkehrssystem erschütterte. Zur Erinnerung: Vor einem Jahr geriet eine Vorortbahn der JR West (JR=Japanese Railway) bei 100 kmh aus einer Kurve bei Amagasaki (zwischen Kōbe und Ōsaka). Ein Waggon wickelte sich dabei regelrecht um ein nahestehendes Wohnhaus. 107 Menschen starben, einige konnten erst Tage später geborgen werden, und über 500 wurden verletzt. Grund dafür, dass der nur 23 Jahre alte Fahrer mit 100 statt 70 kmh in die Kurve ging, war wohl eine vorangegangene, 90-sekündige (!) Verspätung. Die hätte ihm harsche Strafmaßnahmen eingebrockt, denn JR ist da wohl nicht zimperlich.

Das seitdem alles besser wurde wird nun arg bezweifelt. JR West erliess einige wichtige Maßnahmen – die Strafen sind nun wohl milder, Elektronik vor Kurven drosselt die Geschwindigkeit, der Zeitplan wurde etwas gelockert usw., aber es bleibt wohl viel zu tun. Gestern zum Beispiel wurde die Yamanote-Ringlinie tagsüber für 5 Stunden stillgelegt – Grund war eine grosse Unebenheit vertikalerseits an einer Stelle. Das hatte freilich auch Auswirkungen auf viele andere Linien. Zumal sich allein gestern mindestens zwei Leute vor die Bahn geworfen haben. Kurzum, es herrschte grosses Chaos. Und man kann von Glück reden, dass ein aufmerksamer Fahrer die Unregelmässigkeit rechtzeitig erkannt hatte. Das japanische Nahverkehrssystem ist in der Tat beeindruckend und sehr effizient, aber man darf nicht vergessen, dass es nicht perfekt ist.

Das Wort des Tages: 通勤 (tsūkin) – tsū bedeutet fahren/passieren, kin steht für Arbeit. Tsukin bedeutet von der/zur Arbeit fahren. Mehr zum wahnsinnigen Berufsverkehr an anderer Stelle.

Endlich: Café für weibliche Otaku eröffnet!

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Heuer hat Ikea in Japan die Pforten geöffnet – nur 10 Minuten von mir entfernt. Aber wen interessiert das schon – viel wichtiger war der Beitrag auf Seite 2 der heutigen Japan Times: Lang und breit wurde dort über ein neues Café berichtet, welches einer besonderen Clientel dient – weiblichen Otakus. Wem der Begriff nichts sagt – siehe unten. Es gibt ja etliche Maid cafés in Japan, viele übrigens in Akihabara, in denen gar süsse Mägdelein, ganz wie in unschuldigen Mangas, servieren. Was ist aber mit den comicbesessenen Frauen!? Die zieht’s seit kurzem nach Ikebukuro. Dort lockt das Swallowtail Café (Schwalbenschwanz-Cafe), in dem in englischem Landhausambiente knackige Männer die Gäste in gekonnter Butler-Manier umsorgen.

Scheinbar eine clevere Geschäftsidee – der Laden ist bis Mitte Mai ausgebucht. Die Manga-Kultur nimmt kein bisschen ab. Alle Sorten sind vertreten und beliebt. Und manche schämen sich auch nicht, pornoartige Mangas in vollbesetzten Zügen zu lesen. Mittlerweilen scheint es sich jedoch leider auch in Japan herumgesprochen zu haben, dass es wohl viele deutsche Manga-Otakus gibt. Ein Deutscher der Japanisch spricht? Dann muss er wohl ein Otaku sein. Hab ich schon gelegentlich gehört. Manchmal nervt das ein wenig – vor allem wenn man kein Manga-Fan ist.

Das Wort des Tages: お宅 (otaku). Otaku ist ein höfliches Wort für „zu Hause“. Und als Anrede („Sie“), obwohl leicht veraltet. Heute kennzeichnet es auch von irgendeiner Sache, meist Manga, fanatisch Begeisterte. Das Wort hat in dem Sinne eine eher schlechte Bedeutung, obwohl sich mehr und mehr Menschen als „Otaku“ outen. Wie übersetzt man es nun? Stubenhocker? Hoffnungsloser Fan? Begeisterter? Das bleibt jedem selbst überlassen.

Moderne Kunst ist doch totaler Mist…

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…sagte doch tatsächlich mein spezieller Freund Ishihara, seines Zeichens Gouverneur von Tokyo seit vielen Jahren und ein ausgemachter Nationalist, der schon oft durch sogar George Bush übertreffende Aussagen Schlagzeilen machte. Gestern eröffnete er nun eine Ausstellung für moderne Kunst, gesponsert von Cartier, und bemerkte in seiner Rede, dass das, was er auf der Aufstellung so sieht, er grösstenteils für Krempel hält. Und dass die japanische Kunst der westlichen sowieso überlegen ist. Alle Achtung! Das nenne ich ein prall gefülltes Fettnäpfchen. Im letzten Jahr war es die französische Sprache, die er attackierte – man könne ja in der Sprache noch nicht mal richtig zählen, mokierte er (wahrscheinlich bezog er sich auf die Tatsache, dass es kein Wort für 80 gibt, sondern nur quatre vingt – 4 (x) 20).
Ein weiterer, noch schlimmerer Fehltritt war die Bemerkung, dass man im Falle einer Erdbebenkatastrophe die Ausländer gut im Auge behalten sollte, denn die könnten ja dann Ärger machen. Bravo, Ishihara-san! Eigentlich wollte ich heute keinen Eintrag im Blog machen, aber das war zu köstlich.


Alles Mist: Moderne Kunst, hier eine Videoinstallation am Akiba-Gebäude in Akihabara

Und hier das Wort des Tages: ガラクタ (garakuta) – dieses Wort benutzte Ishihara in seiner Rede über moderne Kunst. Bedeutet Kram, Krempel bzw. Klamotten. Wird mal in Katakana, mal in Hiragana geschrieben.

Den nächsten Inselkonflikt bitte…

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Auf die Gefahr hin, die Leser dieses Blogs zu langweilen, aber es bestimmt gerade die Medien sehr stark hier und birgt einige Brisanz: Der Streit mit den Nachbarn um karge Eilande. War es Anfang der Woche noch der Streit mit China um die Okinotori-Inseln (siehe diesen Beitrag), so ist es dieses Mal der Streit mit Südkorea um die Takeshima-Inseln, in Korea Dokdo-Inseln. Auch als Liancourt-Felsen (ja, Felsen!) bekannt. Einwohnerlos und kaum brauchbar. Die Handvoll Inseln, keine 0.2 km² gross insgesamt, liegen zwischen Pusan in Südkorea und Matsue (Präfektur Shimane). Die Japaner wollen zwei Schiffe der Küstenwache losschicken um die „topographischen Gegebenheiten des Meeresbodens in der Gegend der Takeshima-Inseln“ durchzuführen. Südkorea war sofort alarmiert: Es schickte dutzende Schiffe der Küstenwache los, drohte mit Gewalt und nunmehr folgten heftige anti-japanische Proteste in Südkorea. Und das alles in dieser Woche! Das Problem gerade in Ostasien ist, dass auch in der Politik das Prinzip des Gesichtsverlusts starken Einfluss zu haben scheint: Entgegen jeglicher Logik wird eisern an Beschlüssen festgehalten. Nun muss man sehen, wie einer (und wenn dann wer) den Kürzeren zieht ohne das Gesicht zu verlieren. Man darf gespannt sein.

Dieser Konflikt um die Takeshima bzw. Dokdo-Inseln ist nicht neu. Trotzdem ist es eine brisante Angelegenheit (die endlich mal geklärt werden sollte!). Übrigens geht es auch hier freilich nicht um die Inseln selber, sondern 1)ums Prinzip und 2) um die Umgebung der Inseln – in diesem Fall sehr ergiebige Fischgründe.

Es geht den Japanern im wesentlichen auch darum, dass Korea aufhört, die Namen alle umbenennen zu wollen. Ich werde ja als Author der Seiten von tabibito.de oft angegriffen – von Albanern deshalb, weil ich Kosovo statt Kosova schreibe, von Türken weil ich den Massenmord an Armeniern erwähne usw. – und von Koreanern, die mich drängen, auf meiner Korea-Seite den Begriff „Japanisches Meer“ in „Ostmeer“ umzuändern (es gibt eine regelrechte Bewegung, die sich zum Ziel gesetzt hat, international den Namen East Sea anstelle von Sea of Japan zu verwenden. Nun gut, genausogut bekomme ich Mails von nationalistischen Japanern, die mir erklären, dass die Annektion Koreas von 1910 bis 1945 eigentlich nur zum Wohl der Koreaner geschah. Das hebt sich auf (denn über meine Kosovo-Seiten beschweren sich Serben und Albaner), und so ficht mich das oftmals nicht an…

Übrigens: Auch heute gab es wieder ein Erdbeben. Mit 5.2 auch ein stärkeres, mit dem Epizentrum bei Odawara. Aber das Beben kam tief in der Nacht – und so ein Schaukeln weckt mich ganz bestimmt nicht auf.

Das Wort des Tages: 領土問題 (ryōdo mondai). Ryodo bedeutet „Territorium“, „Mondai“ = Streit. Sprich Gebietsstreit.

Filmkritik: Minbō no onna (dt: Die Kunst der Erpressung)

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Wo ich doch neulich erst „Tampopo“ vorgestellt habe, kann ich doch gleich einen weiteren Film von Juzo Itami vorstellen.
Das Wort „Minbo“, irritierenderweise in Katakana geschrieben, steht für „Spezialgebiet Gewalt durch zivile Einmischung“. „no onna“ bedeutet „Frau für…“. Diese wird verkörpert von Nobuko Miyamoto, ihres Zeichens Ehefrau des Regisseurs (sie spielte in vielen seiner Filme die Hauptrolle. Hinter „minbo“ steckt eine alte Yakuza-Technik: Sich so lange mit allerlei Mitteln einmischen bis gezahlt wird. Die „minbo no onna“ jedoch macht als kompetente Anwältin den Yakuza-Clans das Leben schwer. Sie wurde von einem erpressungsgeplagten Hotel eigens dafür angestellt. Minbo Die erst kuschenden Angestellten, die ihr zur Seite gestellt wurden, mausern sich dabei zu furchtlosen Rächern. Ende gut alles gut – na gott sei dank, die Yakuza sind gar nicht so schlimm, könnte man nun denken. Allerdings schlägt die Yakuza zurück.

Meine zwei Yen: Ein hochinteressanter Film, wenn auch mitunter vorhersehbar. Der Film öffnet einen Spalt breit die Tür zur mysteriösen Unterwelt Japans. Vor hunderten von Jahren genauso aktuell wie heute.

Hintergrundwissen: Obwohl als Komödie gedacht, hatte der Film ein blutiges Nachspiel: Mehrere Yakuza verletzten den Regisseur nach Veröffentlichung des Filmes schwer mit Messern.

Das Wort des Tages: やくざ Yakuza. Die japanische „Mafia“. Durchaus präsent wenn man genauer hinsieht.

2000 Inseln reichen wohl nicht!?

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Schaut man sich fernöstliche Aussenpolitik an, so wähnt man sich oftmals im Sandkasten, in dem gnadenlos um Schaufelchen und stille Ecken gerungen wird. Japan liegt ja schon immer mit nahezu allen Nachbarn im Clinch – es geht um mehr oder weniger kleine Inseln. Zu den Streitpartnern gehören Russland, China und Korea. Gerade mit China und Korea eskaliert der Streit mal wieder gerade. Aber die heutige Schlagzeile war schon beinahe wieder amüsant:

"Japan hofft, Korallen rund um einen umstrittenen Aussenposten im Pazifik anzusiedeln" (Japan Times, Titelseite, 18. Apr. 2006).

Es geht um die winzigen, unbewohnten Okinotori-Inseln. Japan benutzt sie, um so die Seegrenzen ausweiten zu können. Die Chinesen argumentieren: Gilt nicht, dass sind keine Inseln sondern nur ein paar Felsen (na und, ist Helgoland keine Insel!?). So baut man nun also auf Korallen. Ich hoffe, man ist sich bewusst, dass Korallen viele hunderte Jahre brauchen, bis sie ein brauchbares Riff aufbauen. Wenn’s den Polypen denn hilft…

Natülich geht es hier nicht nur um ein paar nackte Felsen. Es geht um handfestere Sachen, nämlich nennenswerte Erdgasreserven in der Nähe. China braucht davon immer mehr, und Japan steht schon lange ganz ohne Rohstoffe da. So also kommt es zum Gezerre, und genau dieses Thema liess zusammen mit einem anderen kritischen Punkt (Yasukuni-Schrein, mehr dazu an anderer Stelle) die Beziehungen mit China auf einen Tiefpunkt sinken. Klar dass da Korallen die einleuchtendste Lösung sind.

Jetzt wurden die Korallen schon so oft erwähnt – da können sie auch zum Wort des Tages werden: 珊瑚 (sango). Beide Schriftzeichen richten sich interessanterweise nach dem Element 王 für Perle / König.

Ja Mama, mach ich Mama! Und noch ein Bier bitte…

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Wenn man Freitag bzw. Sonnabend morgen bis 3 Uhr arbeitet und ab halb sechs schläft, hat man nicht viel vom Tag. Sagt Konfuzius. Machte aber nichts, denn momentan ist es ziemlich kühl und feucht in Tokyo. Abends war es dann aber an der Zeit, einen guten Freund zu treffen. Es ist schwer in Japan, Freunde zu treffen, wenn man selber und jenige auch voll beschäftigt sind. Selbst Wochenenden sind unsicher, und auch ich musste schon einiges absagen. Dieses Mal hat es geklappt, und so trafen wir uns an einem Ort, der für alle günstig liegt – also in der Mitte zwischen unser aller Wohnorte. Das war in dem Fall Nishi-Funabashi (auf Deutsch etwa West-Schiffsbrücke), eine gesichtslose Randstadt von Tokyo. Da die Auswahl an Ausgehmöglichkeiten einfach mal sehr gross ist, haben wir im Internet nachgesehen, ob es nicht etwas Gutes dort gibt. Und wenn es um’s Essen geht in Japan, findet man tonnenweise Material. Ziemlich beliebt scheint eine Trinkhalle namens „Daigyosen“ (=Grosses Fischerboot) zu sein.



Daigyosen von aussen – mit den markanten Noren (Vorhängen)

Wir fanden den Ort schnell und waren überrascht, als wir die Noren (Vorhänge draussen mit dem Namen des Lokals drauf) beiseite schoben: Links die geschäftige Küche, rechts sechs Reihen von flachen Tischen auf einem mit Tatami ausgelegten Podest, mit jeweils 12 Plätzen an einem Tisch. Auf einem Gestell an den Wänden, rund ums Lokal, standen hunderte angefangene Sake- und Schnappsflaschen mit handgeschriebenen Namen darauf. Von Stammkunden ebend. Von drei Plätzen abgesehen war es voll, sehr laut, etwas schmutzig. Mit anderen Worten: Genau das richtige. So ziemlich alle der Bedienungen waren gestandene Frauen, um die 50, mit strengem Blick aber sehr freundlich und – recht dominant. Da war nichts mit keigo (Höflichkeitssprache, eigentlich üblich in Lokalen), sondern eher bis zur Härte gehende, mütterliche Fürsorge: „Na, wirst Du wohl den Aschenbecher beim Essen vom Tisch runternehmen!“ oder „Das ganze Gemüse werdet Ihr aber wohl doch aufessen, oder“ hiess es da. Ödipussi’s Paradies! Und eine faszinierende Masche. Mit strengem Blick direkt in die Augen und aus nächster Nähe wurde unserem Begleiter erklärt: „Ayu no shioyaki wa osusume desu yo“ (Mit Salz gegrillter Ayu [eine kleine Lachsart] ist heute besonders empfehlenswert!). Der Arme konnte nichts anderes machen als es zu bestellen.

Wie auch immer – das Essen war durchaus gut und deftig und vor allem sehr reichhaltig, die Atmosphäre grossartig. Zu dritt mit viel Essen aber nur einem Bier pro Person kostete der Spass 8,000 ¥. Im Rahmen quasi.


Eindrucksvolle Sashimi- (Roher-Fisch-Aufschnitt) Platte

Und hier das Wort des Tages: 居酒屋 – izakaya. Auf Deutsch „bleiben-trinken-Ort/Laden“, eine traditionelle japanische Trinkhalle. Gibt es überall in Japan (weit häufiger als Bars oder Pubs).

Freitag ab eins macht jeder seins?

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Ab ein Uhr nachts oder was? Für die meisten Japaner hat der Freitag keine nähere Bedeutung – er zählt ebend nicht zum Wochenende, und die Woche muss um jeden Preis abgeschlossen werden. Und so war heute Arbeit bis Sonnabend morgen um 3 Uhr angesagt (ich muss dazu sagen, dass ich erst morgens um 10 mit der Arbeit beginne). Mittlerweilen ist es schon hell draussen und die Vögel brüllen. Und es ist erstaunlich kalt. Irgendwie fehlt der erste Teil des Wochenendes. Allerdings will ich nicht klagen – immerhin ist es Standard in meiner Firma, dass am Sonnabend UND Sonntag nicht gearbeitet wird. Es gibt gelegentlich auch Ausnahmen, aber prinzipiell ist das in Japan schon eher die Ausnahme, sein Wochenende ausserhalb des Büros geniessen zu können.

Diese Woche habe ich es endlich geschafft, zwei weitere Seiten innerhalb der Japan-Seiten fertigzustellen: Über Fukui und Eiheiji. Ich erwarte zwar nicht, dass sich viele Leute diese Seiten ansehen werden, denn die Orte liegen ziemlich abseits und im Falle von Fukui gehört der Ort bestimmt nicht zur Top 500 der „must-see“ Orte in Japan. Aber gerade das Fehlen von Informationen über ganz gewöhnliche Orte wie diesen anmieren mich. Hintergrund: Traditionsgemäss habe ich mit meiner Frau Silvester mit ihrer Familie verbracht – nahe Osaka. Da ich danach eine Woche Urlaub hatte, ging es wieder auf Achse. Eines meiner Ziele in Japan ist es, einmal die gesamte Westküste abgefahren zu haben. Mangels Zeit stückchenweise. Bisher haben wir es so von der Südwestspitze Honshu’s, Hagi, bis nach Kyoto geschafft. Diesmal ging es weiter von Kyoto entlang der Küste – bei bis zu 3 m hohem Schnee. Und trotz des Verkehrschaos aufgrund des Schnees war es hochinteressant.

Eiheiji

Der eindrucksvolle Zen-Tempel Eiheiji – bei enormen Schneemengen.

Und hier das Wort des Tages: 残業 (zangyō) – auf Deutsch „verbliebene Arbeit“, sprich „Überstunden“. Ein perfider Begriff, suggeriert er doch, dass man selbst daran schuld ist, dass Arbeit übrig geblieben ist. Zangyo ist ein ernsthaftes Problem hier, denn abbummeln gibt es nicht und bezahlt werden die Überstunden in der Regel auch nicht.

„Amakudari“ oder „Die Renten sind sicher“

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Die Zeitungen von heute berichteten über ein weit verbreitetes Phänomen, das es freilich auch woanders gibt, aber in Japan sehr weit verbreitet zu sein scheint: 2005 nahmen 106 ehemalige hohe Angestellte des Verteidigungsministeriums Positionen in Privatfirmen ein – nachdem sie in den Ruhestand getreten sind. Fast die Hälfte von ihnen wurde von den 20 wichtigsten Auftragnehmern des Ministeriums aufgenommen. Deutlich mehr als im Jahr zuvor. Zurecht bezeichnen viele diese Praxis als Hauptursache von Korruption. Korruption? Tradition? Dieses Geflecht jedenfalls scheint in Japan extrem stark verbreitet zu sein.

Das Wort des Tages deshalb: 天下り (amakudari). „ama“ ist der Himmel, „kudari“ bedeutet Abstieg. Womit mit Sicherheit nicht der soziale Abstieg gemeint ist. Das Wort kennzeichnet unter anderem die Praxis des Einstiegs in die Privatwirtschaft nach einer Karriere in öffentlichen Ämtern. Einen Beispielsatz mit „Gerhard Schröder…“ lasse ich jetzt mal aus Zeitgründen weg.

Frühjahr – und müde Berater

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Man merkt allmählich das es Frühling wird hier – der Regen wird spürbar wärmer. Und was da vom Himmel kommt, ist nicht ohne – morgen sollen im Raum Tokyo gleich mal um die 100 mm Regen zusammenkommen. Dabei hat die Regenzeit noch nicht mal begonnen. Komplettiert wurde der heutige, ebenfalls stark verregnete Tag noch durch ein kleines Erdbeben. Nichts besonderes, nur Stärke 5.1 und tief unter der Erde. Ein kleiner Ruck, ein bisschen Schütteln, und das war’s. Lieber einige kleine Erdbeben als ein grosses. Aber mehr zu diesem Thema zu angemessener Zeit.

Ob es am Wetter lag, dass ich heute unendlich müde war, weiss ich nicht. Jedenfalls beschlich mich eine böse Vorahnung, denn heute war ein Meeting mit einer Beraterfirma angesetzt, mit der wir zum ersten Mal zu tun haben. Es geht immerhin um ein Auftragsvolumen von rund… naja, man bekommt schon ein gutes Auto dafür. Das Meeting sollte rund 3 Stunden dauern. Ich war halbwegs sicher, dass ich sehr stark mit dem Einschlafen zu kämpfen haben werde. Da sassen sie nun, die drei Berater. Der Chef nebst zwei Mitarbeitern. Und der Chef begann zu referieren. Und redete und redete. Und nicht gerade deutlich. Meine japanischen Kollegen versicherten mir später, dass auch sie Probleme hatten, ihn zu verstehen (war alles auf Japanisch). Die Bildschirmpräsentation war recht dubios, und so betrachtete ich die beiden Begleiter des Chefs. Einer der beiden hackte ständig auf seiner Tastatur herum – er machte wohl ein Gesprächsprotokoll. Irgendwann fehlte etwas – genau! Das Tastaturgeräusch! Ich schaute mir die beiden wieder an – und da nickten beide ein. Einerseits war ich entsetzt – dieser Firma vertrauen wir einen so grossen Auftrag an!? – andererseits war ich erleichtert. Ich wäre nicht der Erste, der bei diesem Meeting einschläft. Wenig später war ich an der Reihe, mich an der Diskussion zu beteiligen, und dolmetschte wenig später für einen kanadischen Kollegen. Das rettete mich vor dem Einschlafen. Aber nicht vor meiner wachsenden Abneigung gegenüber „Meetings“. Grösstenteils ineffizient, sterbenslangweilig und blanke Zeitvergeudung. Da muss doch was dran zu ändern sein…

Das Wort des Tages: 居眠りする (inemuri suru) – inemuri heisst „Nickerchen“, suru „machen, tun“ usw. Ergo „einnicken, wegdösen“.

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