Japan-Almanach: Alles über das Leben und Reisen in Japan. Seit 1998.
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Ja Mama, mach ich Mama! Und noch ein Bier bitte…

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Wenn man Freitag bzw. Sonnabend morgen bis 3 Uhr arbeitet und ab halb sechs schläft, hat man nicht viel vom Tag. Sagt Konfuzius. Machte aber nichts, denn momentan ist es ziemlich kühl und feucht in Tokyo. Abends war es dann aber an der Zeit, einen guten Freund zu treffen. Es ist schwer in Japan, Freunde zu treffen, wenn man selber und jenige auch voll beschäftigt sind. Selbst Wochenenden sind unsicher, und auch ich musste schon einiges absagen. Dieses Mal hat es geklappt, und so trafen wir uns an einem Ort, der für alle günstig liegt – also in der Mitte zwischen unser aller Wohnorte. Das war in dem Fall Nishi-Funabashi (auf Deutsch etwa West-Schiffsbrücke), eine gesichtslose Randstadt von Tokyo. Da die Auswahl an Ausgehmöglichkeiten einfach mal sehr gross ist, haben wir im Internet nachgesehen, ob es nicht etwas Gutes dort gibt. Und wenn es um’s Essen geht in Japan, findet man tonnenweise Material. Ziemlich beliebt scheint eine Trinkhalle namens „Daigyosen“ (=Grosses Fischerboot) zu sein.



Daigyosen von aussen – mit den markanten Noren (Vorhängen)

Wir fanden den Ort schnell und waren überrascht, als wir die Noren (Vorhänge draussen mit dem Namen des Lokals drauf) beiseite schoben: Links die geschäftige Küche, rechts sechs Reihen von flachen Tischen auf einem mit Tatami ausgelegten Podest, mit jeweils 12 Plätzen an einem Tisch. Auf einem Gestell an den Wänden, rund ums Lokal, standen hunderte angefangene Sake- und Schnappsflaschen mit handgeschriebenen Namen darauf. Von Stammkunden ebend. Von drei Plätzen abgesehen war es voll, sehr laut, etwas schmutzig. Mit anderen Worten: Genau das richtige. So ziemlich alle der Bedienungen waren gestandene Frauen, um die 50, mit strengem Blick aber sehr freundlich und – recht dominant. Da war nichts mit keigo (Höflichkeitssprache, eigentlich üblich in Lokalen), sondern eher bis zur Härte gehende, mütterliche Fürsorge: „Na, wirst Du wohl den Aschenbecher beim Essen vom Tisch runternehmen!“ oder „Das ganze Gemüse werdet Ihr aber wohl doch aufessen, oder“ hiess es da. Ödipussi’s Paradies! Und eine faszinierende Masche. Mit strengem Blick direkt in die Augen und aus nächster Nähe wurde unserem Begleiter erklärt: „Ayu no shioyaki wa osusume desu yo“ (Mit Salz gegrillter Ayu [eine kleine Lachsart] ist heute besonders empfehlenswert!). Der Arme konnte nichts anderes machen als es zu bestellen.

Wie auch immer – das Essen war durchaus gut und deftig und vor allem sehr reichhaltig, die Atmosphäre grossartig. Zu dritt mit viel Essen aber nur einem Bier pro Person kostete der Spass 8,000 ¥. Im Rahmen quasi.


Eindrucksvolle Sashimi- (Roher-Fisch-Aufschnitt) Platte

Und hier das Wort des Tages: 居酒屋 – izakaya. Auf Deutsch „bleiben-trinken-Ort/Laden“, eine traditionelle japanische Trinkhalle. Gibt es überall in Japan (weit häufiger als Bars oder Pubs).

Freitag ab eins macht jeder seins?

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Ab ein Uhr nachts oder was? Für die meisten Japaner hat der Freitag keine nähere Bedeutung – er zählt ebend nicht zum Wochenende, und die Woche muss um jeden Preis abgeschlossen werden. Und so war heute Arbeit bis Sonnabend morgen um 3 Uhr angesagt (ich muss dazu sagen, dass ich erst morgens um 10 mit der Arbeit beginne). Mittlerweilen ist es schon hell draussen und die Vögel brüllen. Und es ist erstaunlich kalt. Irgendwie fehlt der erste Teil des Wochenendes. Allerdings will ich nicht klagen – immerhin ist es Standard in meiner Firma, dass am Sonnabend UND Sonntag nicht gearbeitet wird. Es gibt gelegentlich auch Ausnahmen, aber prinzipiell ist das in Japan schon eher die Ausnahme, sein Wochenende ausserhalb des Büros geniessen zu können.

Diese Woche habe ich es endlich geschafft, zwei weitere Seiten innerhalb der Japan-Seiten fertigzustellen: Über Fukui und Eiheiji. Ich erwarte zwar nicht, dass sich viele Leute diese Seiten ansehen werden, denn die Orte liegen ziemlich abseits und im Falle von Fukui gehört der Ort bestimmt nicht zur Top 500 der „must-see“ Orte in Japan. Aber gerade das Fehlen von Informationen über ganz gewöhnliche Orte wie diesen anmieren mich. Hintergrund: Traditionsgemäss habe ich mit meiner Frau Silvester mit ihrer Familie verbracht – nahe Osaka. Da ich danach eine Woche Urlaub hatte, ging es wieder auf Achse. Eines meiner Ziele in Japan ist es, einmal die gesamte Westküste abgefahren zu haben. Mangels Zeit stückchenweise. Bisher haben wir es so von der Südwestspitze Honshu’s, Hagi, bis nach Kyoto geschafft. Diesmal ging es weiter von Kyoto entlang der Küste – bei bis zu 3 m hohem Schnee. Und trotz des Verkehrschaos aufgrund des Schnees war es hochinteressant.

Eiheiji

Der eindrucksvolle Zen-Tempel Eiheiji – bei enormen Schneemengen.

Und hier das Wort des Tages: 残業 (zangyō) – auf Deutsch „verbliebene Arbeit“, sprich „Überstunden“. Ein perfider Begriff, suggeriert er doch, dass man selbst daran schuld ist, dass Arbeit übrig geblieben ist. Zangyo ist ein ernsthaftes Problem hier, denn abbummeln gibt es nicht und bezahlt werden die Überstunden in der Regel auch nicht.

„Amakudari“ oder „Die Renten sind sicher“

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Die Zeitungen von heute berichteten über ein weit verbreitetes Phänomen, das es freilich auch woanders gibt, aber in Japan sehr weit verbreitet zu sein scheint: 2005 nahmen 106 ehemalige hohe Angestellte des Verteidigungsministeriums Positionen in Privatfirmen ein – nachdem sie in den Ruhestand getreten sind. Fast die Hälfte von ihnen wurde von den 20 wichtigsten Auftragnehmern des Ministeriums aufgenommen. Deutlich mehr als im Jahr zuvor. Zurecht bezeichnen viele diese Praxis als Hauptursache von Korruption. Korruption? Tradition? Dieses Geflecht jedenfalls scheint in Japan extrem stark verbreitet zu sein.

Das Wort des Tages deshalb: 天下り (amakudari). „ama“ ist der Himmel, „kudari“ bedeutet Abstieg. Womit mit Sicherheit nicht der soziale Abstieg gemeint ist. Das Wort kennzeichnet unter anderem die Praxis des Einstiegs in die Privatwirtschaft nach einer Karriere in öffentlichen Ämtern. Einen Beispielsatz mit „Gerhard Schröder…“ lasse ich jetzt mal aus Zeitgründen weg.

Frühjahr – und müde Berater

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Man merkt allmählich das es Frühling wird hier – der Regen wird spürbar wärmer. Und was da vom Himmel kommt, ist nicht ohne – morgen sollen im Raum Tokyo gleich mal um die 100 mm Regen zusammenkommen. Dabei hat die Regenzeit noch nicht mal begonnen. Komplettiert wurde der heutige, ebenfalls stark verregnete Tag noch durch ein kleines Erdbeben. Nichts besonderes, nur Stärke 5.1 und tief unter der Erde. Ein kleiner Ruck, ein bisschen Schütteln, und das war’s. Lieber einige kleine Erdbeben als ein grosses. Aber mehr zu diesem Thema zu angemessener Zeit.

Ob es am Wetter lag, dass ich heute unendlich müde war, weiss ich nicht. Jedenfalls beschlich mich eine böse Vorahnung, denn heute war ein Meeting mit einer Beraterfirma angesetzt, mit der wir zum ersten Mal zu tun haben. Es geht immerhin um ein Auftragsvolumen von rund… naja, man bekommt schon ein gutes Auto dafür. Das Meeting sollte rund 3 Stunden dauern. Ich war halbwegs sicher, dass ich sehr stark mit dem Einschlafen zu kämpfen haben werde. Da sassen sie nun, die drei Berater. Der Chef nebst zwei Mitarbeitern. Und der Chef begann zu referieren. Und redete und redete. Und nicht gerade deutlich. Meine japanischen Kollegen versicherten mir später, dass auch sie Probleme hatten, ihn zu verstehen (war alles auf Japanisch). Die Bildschirmpräsentation war recht dubios, und so betrachtete ich die beiden Begleiter des Chefs. Einer der beiden hackte ständig auf seiner Tastatur herum – er machte wohl ein Gesprächsprotokoll. Irgendwann fehlte etwas – genau! Das Tastaturgeräusch! Ich schaute mir die beiden wieder an – und da nickten beide ein. Einerseits war ich entsetzt – dieser Firma vertrauen wir einen so grossen Auftrag an!? – andererseits war ich erleichtert. Ich wäre nicht der Erste, der bei diesem Meeting einschläft. Wenig später war ich an der Reihe, mich an der Diskussion zu beteiligen, und dolmetschte wenig später für einen kanadischen Kollegen. Das rettete mich vor dem Einschlafen. Aber nicht vor meiner wachsenden Abneigung gegenüber „Meetings“. Grösstenteils ineffizient, sterbenslangweilig und blanke Zeitvergeudung. Da muss doch was dran zu ändern sein…

Das Wort des Tages: 居眠りする (inemuri suru) – inemuri heisst „Nickerchen“, suru „machen, tun“ usw. Ergo „einnicken, wegdösen“.

Filmkritik: Tampopo

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Nachdem scheinbar jeder ausser mir diesen Film gesehen hat, musste ich wohl etwas nachholen. „Tampopo“ wurde 1986 gedreht, ist ein rein japanischer Film, in Szene gesetzt vom berühmten Regisseur Itami. Der Film ist 114 Minuten lang. Es gibt eine deutsche Fassung.

Tampopo Handlung: „Tampopo“ bedeutet Löwenzahn und ist der Kosename einer noch relativ jungen Witwe. Die betreibt ein Ramen- (chinesische Nudelsuppe) Restaurant. Recht erfolglos und höchstens von zwielichtigen Gestalten besucht. Zwei Fernfahrer, vernarrt in Ramen (wie fast jeder Japaner!) helfen jedoch erst ihrem Sohn und dann ihr aus der Misere. Mit allerlei Tricks und ständig wachsender Unterstützung zaubern sie erst ein anständiges Rezept und dann noch eine neue Innenausstattung her. In einer Nebenhandlung wird dem staunenden Betrachter erklärt, wie man lebende Garnelen und ein Eigelb in das Vorspiel einbauen kann. Hollywood’s Spielchen mit Eiswürfeln und was auch immer sind echte Banalitäten dagegen. Natürlich gibt es ein Happy End, welches jedoch viel Spielraum für die Fantasie lässt.

Hintergrundwissen: Vieles mag für Übertreibung gehalten werden. Ist es aber kaum. Ramen ist eine Wissenschaft für sich. Mit einem enormen Stellenwert bei den meisten Japanern. Und wer bei der Szene mit dem Staubsauger lacht: Selbst das ist keine Übertreibung! Alljährlich sterben, vor allem alte Menschen, am Genuss des shiruko – eine zähe Masse von Mochi-Reis, die einigen buchstäblich im Halse steckenbleibt. Erste-Hilfe-Massnahme: Staubsauger. Kein Scherz.

Meine zwei Yen: Das schöne an diesem wie auch an einigen anderen japanischen Filmen ist, dass man oft nicht die leiseste Ahnung hat, was als nächstes passiert. Der Film zeigt auch gleichzeitig schön das moderne, fernsehreife Japan und das alte, zum Teil etwas heruntergekommene Japan. Die Regie ist grossartig und die technischen Mittel oftmals liebenswert altmodisch.

Querverweise: Der Gourmet-Erotiker / Gangster ist Koji Yakusho, der jüngst auch im Knassenküller „Warai no daigaku“ (Wörtlich: Universität des Lachens) eine Hauptrolle belegte. Mehr zu diesem Film demnächst.

Das Wort des Tages kann nur eines sein: ラーメン (Raamen) – chinesisch inspirierte Nudelsuppe. Kalorienreich, extrem vielfältig und, so gut gemacht, eine Wonne.

Erbsen oder Greenpeace? Einkaufsfrust im Einkaufsparadies

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Gestern war ich mit meiner Frau in Shinjuku – zum ersten Mal seit einem halben Jahr. Shinjuku ist toll – immer in Bewegung, irgendwie faszinierend, mit einem architektonischen Mix aus Fritz Lang’s Metropolis hier und Blade Runner-Atmosphäre da. Riesengrosse Bildschirme, gigantische Kaufhäuser, ein vertracktes System von Bahnhsteigen und unterirdischen Gängen, das Rotlichtviertel… es gibt viel zu erkunden. Ein bisschen Sentimentalität ist wohl auch dabei, denn während meiner Studentenzeit in Japan, 1998, hatte ich fast jede Nacht in Shinjuku gearbeitet. Nein, nicht im Rotlichtviertel.

Wir waren aber nicht zum Vergnügen da, sondern um ein Geburtstagsgeschenk für meine Frau zu kaufen. Gemeinsam, denn wenn ich abends um 10 oder später von der Arbeit komme, ist nicht mehr viel mit Einkaufen. Nun gibt es in Shinjuku sehr viel Gelegenheiten zum „shoppen“. Und trotzdem war es schwer, etwas zu finden. Warum? Vielleicht ist es schlichtweg das Überangebot? Eine komplette Reizüberflutung, bei der man so viel sieht bis man selbst nicht mehr weiss, was man will. So wird aus Einkaufslust schnell Frust. Aber es hängt auch davon ab, wofür man sich interessiert. Technikbegeisterte zum Beispiel brauchen nicht sehr lange bis sie etwas finden. Nein, wirklich nicht.

Shinjuku

Spielhölle (hier Pachislo – Slotmaschinen) „Green Peas“. Früher stand der Name nur in Katakana
da, und das war irreführend, denn in der Katakana-Schreibweise kann es auch gleichzeitig „Greenpeace“ heissen.
Da war ich etwas irritiert über die dubiosen Einnahmequellen der Umweltschützer.

Und hier das Wort des Tages: 混沌 (konton) – das Durcheinander, Chaos, nebulös.

Finger her und bitte lächeln!

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Hatte ich es doch letzte Woche vergessen zu erwähnen – da hat doch das japanische Unterhaus am 30. März tatsächlich das neue Einreisegesetz (bzw. Einwanderungs- und Flüchtlingsgesetz) durchgewunken. Jenes besagt, dass in Bälde bei allen Ausländern, die in Japan einreisen und älter als 16 sind, Fingerabdrücke genommen werden sollen. Und ein Foto wird demzufolge auch noch gemacht (Klasse, die Kollektion möchte ich mal sehen – nur zerknautschte Gesichter nach 10 bis 15 Stunden Flug). Hauptbeweggrund ist laut Unterhaus der Kampf gegen Terror. Was ja schon für allerlei Massnahmen als Ausrede herhalten musste.

Die Idee an sich ist nicht neu. Wie hier bereits erwähnt, wurde allen Ausländern mit Aufenthaltsberechtigung noch bis 2000 Fingerabdrücke genommen. Immerhin fortschrittlich: keine blaue, sondern unsichtbare Tinte. Allerdings gab es damals heftige, aber scheinbar fruchtbare Proteste seitens der Koreaner, von denen viele schon seit Generationen in Japan leben und trotzdem zweitrangig behandelt werden. Scheinbar wurde die Fingerabdruck-Pflicht wieder abgeschafft.

Noch ist das Gesetz aber nicht durch – am 19. April entscheidet das Parlament darüber. Und es gibt durchaus Widerstand gegen die als diskriminierend bezeichnete Massnahme. Persönlich glaube ich aber nicht daran, dass das Gesetz abgelehnt wird. Erst recht nicht, seit ein in Japan lebender Ausländer (ein Peruaner) vor ein paar Monaten brutal ein Kind ermordet hat.

Also, Finger waschen vor der nächsten Spritztour nach Japan! Und immer schön lächeln!

Das Wort des Tages: 偏執狂 (henshūkyō, auch henshitsukyō), auf Deutsch „Paranoia“. Mehr zu hiesigen Antiterrormassnahmen demnächst.

Um 8 wird das Licht ausgemacht!

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Zu den Dingen, über die man hier manchmal nur den Kopf schütteln kann, gehört der Aktionismus – das aus dem Boden Stampfen mehr oder weniger sinnfreier Initiativen. So entschied gestern das Umweltministerium, dass in seinen Büros täglich um 20 Uhr das Licht ausgemacht wird. Wer dann immer noch nicht fertig mit der Arbeit ist – und das wäre definitiv keine Seltenheit – kann ja dann im schummrigen Licht seines Computerbildschirms weitermachen. Man will hier, zumindest bis September, als (nicht-)leuchtendes Beispiel vorangehen, denn schliesslich ist Japan Gastgeber der Konferenz zum Kyoto-Protokoll gewesen und hat arg Mühe, die hochgesteckten Ziele zu erreichen. Also heisst es Licht aus. Na dann gute Nacht!

Erinnert aber irgendwie an die schon eher sinnvolle „Warm Biz Cool Biz“-Kampagne, die letztes Jahr (?) gestartet wurde. Demzufolge soll sich das Bürovolk im Winter wärmer anziehen und im Sommer Anzug mit T-Shirt tauschen, um den Verbrauch durch Klimaanlagen zu drosseln. Die wirklich sehr viel verbrauchen und auch das Hitzeinsel (resp. Heat Island)-Problem verschärfen.

Zurück zur obigen, eher sinnlosen Kampagne: Just ging am Bahnhof in meiner Nähe die „Nachtrauchverbot auf Strassen in Bahnhofsnähe“-Kampagne, propagiert durch grosse Transparente, zu Ende. Dauerte den ganzen Winter lang. Wozu die Kampagne gut war? Keine Ahnung. Man sollte ebend nicht von 22 Uhr bis 6 Uhr draussen rauchen. Hat sich jemand dran gehalten? Natürlich nicht. Wohl auch deswegen wurde die Kampagne auch nicht „wegen grossen Erfolges verlängert“.


Neulich beim Teammeeting im Umweltministerium um 20:15

Hier das Wort bzw. die Phrase des Tages: キャンペーン実施中 (kyanpeen jisshichū) – kyanpeen kommt vom englischen „Campaign“, jisshichū bedeutet hier „wird durchgeführt“. Eine laufende Kampagne. Und davon gibt’s hier viele…

Großmütter aller Länder…

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Da klingelte es gestern abend an der Tür und draußen steht der Paketdienst. Mit einem grossen, schweren Paket. Das konnte nur eins sein – die neue Obstlieferung von der Oma. Diese lebt im fernen Kumamoto. Und sie schickt des öfteren gewaltige Obstkisten mit dem Obst der Saison. Weil ja sonst keiner anruft, sagt sie. Oma ist eine nette aber sehr resolute Frau. Die ich anfangs unterschätzt habe. Als wir einmal telefonierten, brachte sie ein nicht allzu gebrächliches Wort ein (wen’s interessiert: 散財 (sanzai, auf Deutsch: Mit Geld um sich werfen). Und fragt sofort „Verstehst Du das Wort?“ Nun, genau hatte ich es nicht verstanden, aber im Kontext konnte ich es mir halbwegs vorstellen. Also sagte ich „ja“. Das war ein Fehler. „Na, was bedeutet es denn dann?“ bohrte sie gleich nach. Ertappt. Seitdem höre ich genauer hin.

So resolut sie auch sein mag – gegen unsere Hochzeit hatte sie nichts einzuwenden. Das ist, gerade bei der älteren Generation, nicht unbedingt selbstverständlich. Aus Dank für das ganze gesunde Obst haben wir ihr jüngst ein gutes Kilo Käse geschickt, viele verschiedene Sorten freilich. Gehört erstaunlicherweise zu ihrer Lieblingskost.


Obst des Monats: eine Truhe voller パール柑 (paarukan) alias ザボン (zabon) bzw. ミカン (mikan) – auf gut Deutsch Pampelmusen

Und hier das Wort des Tages: 万国共通 bankoku kyōtsū (wörtlich: Zehntausend-Länder – Gemeinsamkeit). Nach dem Motto „das ist überall gleich“. Gemeint ist die Fürsorge von Großeltern.

Schöne neue Welt: Telekommunikation

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Ein richtig heftiges Gewitter, komplett mit Sturm und viel Regen, hielt uns heute nachmittag davon ab, nach draussen zu gehen. Wie ich also so am Rechner saß, dachte ich mir, dass man mal wieder Skype anschalten könnte. Und siehe da, zwei sehr gute Freunde, einer in Deutschland, der andere momentan in Kirgistan, waren online und fertig war die Konferenzschaltung. Zwei Stunden lang, für 0 ¥. Ganz anders 1995: Damals hatte ich meine ersten Bekanntschaften mit Japanern gemacht. Und ganz gelegentlich mal angerufen. Meine Kemenate im Studentenwohnheim hatte damals kein Telefon, also musste ich von der Zelle anrufen. Nach Japan kostete der Spass 3,60 Mark pro Minute, mit der Telefonkarte noch mehr. Bei einer 50-Mark-Karte konnte man gerade mal den anderen ans Telefon holen lassen und sich kurz über’s Wetter unterhalten. E-Mail war noch nicht verbreitet, Briefe brauchten ein bis zwei Wochen. Kurzum, es war ein teures Hobby, das viel Geduld verlangte.

Ganz anders heute: Telefonieren von Deutschland nach Japan kostet nur noch gute 0.02 € pro Minute (siehe hier), E-Mail und andere Internetanwendungen machen es leicht, Kontakt zu halten. Schöne neue Welt – zumindest in diesem Fall. Nur Bier von Deutschland nach Japan zu faxen oder zu beamen geht leider noch nicht. Schade eigentlich.

In Deutschland hat es mich regelrecht mürbe gemacht: In der Hauptfussgängerzone einer Großstadt zu wohnen und sich von dort mit dem Modem mühsam ins Internet einzuwählen. Nein, ich rede nicht mehr von 1995, sondern von 2005. Und beim Einwählen pausenlos Werbung für DSL zu hören. Sonderaktion DSL! Nur bis September! Vergeblich habe ich jahrelang auf DSL gewartet.

Wie sieht es in Japan aus? Auf dem Land freilich auch mau. In der Stadt hingegen sieht es sehr fortschrittlich aus – eine Internetstandleitung mit 10 Mbps downstream und 2 Mbps upstream kostet ca. 4500 Yen im Monat (rd. 35 Euro, flatrate natürlich), für 1000 Yen mehr gibt es 30 Mbps. Die meisten DSL-Verbindungen in Deutschland, so überhaupt vorhanden, haben 1 Mbps. Hinzu kommt eine weitreichende Abdeckung mit WLAN und akzeptable Datenübertragungsraten mit dem Handy. Für Technikfans ein Paradies…

Und dementsprechend das Wort des Tages: 情報社会 (jōhō shakai) – die Informationsgesellschaft.

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