BlogMinister wirft Reporter raus: Imamura's Wutausbruch

Minister wirft Reporter raus: Imamura's Wutausbruch

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Sperrzone in Fukushima. Kariert: Sperrung Ende März 2017 aufgehoben.
Sperrzone in Fukushima. Kariert: Sperrung Ende März 2017 aufgehoben.¹
Am 4. April kam es bei einer Pressekonferenz des Kabinetts zu einem handfesten Eklat: Masahiro Imamura, Minister für den Wiederaufbau von Katastrophengebieten, legte dort seine Ansicht zu den Fukushima-Flüchtlingen vor. Der Hintergrund: Die Regierung gibt immer mehr Gebiete rund um den verunglückten Atommeiler von Fukushima für die Bewohner frei, doch da gibt es massive Probleme. Sicher, man hat viel Energie in die Dekontamination der verstrahlten Gegend gesteckt, doch das bedeutet noch lange nicht, dass wirklich jede Ecke vollends dekontaminiert ist. Bewohner, die besagte Zonen nach der Nuklearkatastrophe verlassen mussten, da die Gebiete komplett gesperrt wurden, erhielten finanzielle und andere Unterstützung vom Staat, doch indem man die Bereiche wieder für bewohnbar erklärt, kann der Staat sich jetzt natürlich aus der Verantwortung zurückziehen und die Gelder streichen.
Die ehemaligen Bewohner lassen sich da in zwei größere Gruppen einteilen: Diejenigen, und das sind meist die älteren Semester, die einfach nur zurück wollen, und diejenigen, denen das ganze (zu recht, wohlgemerkt) nicht ganz geheuer ist. Zwar wollen sie zurück, aber das Risiko erscheint vielen dann doch für zu groß, zumal Messungen vor Ort ergeben, dass es an diversen Ecken und Enden doch noch ganz gehörig strahlt. Diese Bewohner werden in Japan als 自主避難者 jishu hinansha – freiwillig Evakuierte bezeichnet, und bis zum März erhielten sie zum Beispiel Mietzulagen. Momentan gibt es noch geschätzte 77’000 Fukushima-Evakuierte, und mehr als die Hälfte von ihnen will – momentan zumindest – nicht zurück¹.
Um eben jene Gruppe ging es bei der Pressekonferenz am Dienstag. Ein Reporter wollte wissen, ob die Bewohner, die nicht zurückkehren wollen, nun komplett auf sich allein gestellt sind. Die blumigen Antworten waren dem Reporter nicht genug – er tat das, was ein guter Reporter macht, und bohrte unentwegt nach. Bis irgendwann von Imamura die glasklare Antwort kam, dass er denke, dass besagte Bewohner von nun an komplett selbst für sich verantwortlich sein sollten. Schließlich sei es ja ihre Entscheidung, noch immer nicht zurückzukehren. Der resistente Reporter traf dabei jedoch einen Nerv: Letztendlich schrie der Minister ihn an, er solle die Klappe halten und den Raum verlassen (die kühle Antwort des Reporters: Das werde ich nicht tun).

Natürlich wurden nun Rufe nach der Entlassung des Ministers laut, aber Abe hält an ihm fest. Und Imamura bot sogar an, sich bei dem Reporter zu entschuldigen, „… falls es nötig sei“.
Das Verhalten des Ministers gegenüber der Presse hin oder her — die Strategie der Regierung, die Sperrzonen rund um Fukushima bereits jetzt aufzuheben, so zu tun als ob nichts gewesen wäre, und die Bewohner mit der finanziellen Daumenschraube quasi zur Heimkehr zu drängen, ist schon ein starkes Stück Tobak.

¹ Siehe unter anderem hier (offizielle Zahlen der Präfektur Fukushima)

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

10 Kommentare

  1. Nötig, aber sinnlos, würde ich sagen.
    Das mindeste, was man den menschen mitgeben könnte, ist ein Geigerzähler und ne Schulung dafür.

    • Bitte? Nötige Schulung für was? Wie man mit eventuellen, doch wahrscheinlichen Folgeerkrankungen umgehen soll weil der Geigerzähler lustig knattert an jeder Ecke? Kinder an die Leine nehmen…
      Das mindeste was man tun sollte, ist den ehemaligen Bewohnern eine vernünfige Alternative bieten. Aber was erwartet man auch von japanischen Politikern.
      Vorteilhaft ist vielleicht, dass keiner von den Strunzköppen mit Ihren Lautsprecherwagen zur Wahl durch diese Gegned fahren.

      • Ja Schulung. Sieh der Realität ins Auge: Die Gegend wird wieder besiedelt.
        Also sollten die Leute dort zumindest wissen, was gefährlich ist (z.B. Pilze) und wie man im Zweifel misst.
        „An jeder Ecke“ ist nämlich Unsinn – außer du zählst die Hintergrundstrahlung mit, die auch hier überall ist.

    • Bitte? Nötige Schulung für was? Wie man mit eventuellen, doch wahrscheinlichen Folgeerkrankungen umgehen soll weil der Geigerzähler lustig knattert an jeder Ecke? Kinder an die Leine nehmen…
      Das mindeste was man tun sollte, ist den ehemaligen Bewohnern eine vernünfige Alternative bieten. Aber was erwartet man auch von japanischen Politikern.
      Vorteilhaft ist vielleicht, dass keiner von den Strunzköppen mit Ihren Lautsprecherwagen zur Wahl durch diese Gegend fahren wird.

  2. Weiss man wer der Reporter was, bzw für welches Newsoutlet schreibt der? Wenn ich das richtig verstehe, wird der im Video nur als „freier Journalist“ bezeichnet.

    • Das weiss man interessanterweise nicht. Jedenfalls nicht offiziell. Man findet aber ein paar Kommentare von Ultrarechten auf Youtube etc, die behaupten, dass die Identität geklärt sei und dass der Journalist ein Verräter und Nestbeschmutzer ist. Das Übliche eben.

  3. Also ich finde das schon ziemlich stark, denn soweit ich weiß ist es ja für die Japaner schlimm ihr Gesicht in der Öffentlichkeit zu verlieren.

  4. Eigentlich eher „Minister flieht vor Reporter“… Der Minister weiss, dass es noch nicht reicht, und wenn Presse und Evakuierte jetzt dranbleiben, ist da doch hoffentlich noch was drin.

    • Definitiv. Japan (eigentlich jedes andere Land) braucht mehr von dieser Sorte Reporter. Ohne seine Beharrlichkeit hätte sich der Minister nie dermassen zu erkennen gegeben.

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