BlogLieber unbeschenkt?

Lieber unbeschenkt?

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Man stelle sich vor, jemand sagt dem Volk „Ich gebe jedem von Euch 100 Euro, und Euren Kindern sogar 150 Euro! Einfach so, geschenkt!“ – und das Volk sagt mehrheitlich „Woll’n wa nich, kannste behalten!“. Man stelle sich vor, dieser jemand ist eine Partei, hört nicht aufs Volk und beschenkt es trotzdem.
Man stelle sich vor, das Volk fühlt sich irgendwie ignoriert und wählt bei der nächstbesten Gelegenheit einen anderen Jemand. Nun stelle man sich vor, nämlicher anderer Jemand sagt „Klar wollen wir die CO2-Werte in den nächsten Jahren drastisch senken. Klar ist unser Land so hoch verschuldet wie nie zuvor und kaum ein anderes. Aber egal: Wir machen für Euch die Autobahnen kostenlos, und schaffen gleich noch die Benzinsteuer ab!“. Und das Volk? 70% sagen: „Woll’n ma nich, könnta behalten!“.
Wie wird dieses Märchen wohl enden? Hört hier irgendjemand Volkes Stimmes? Wird es einen Lerneffekt bei Politikern geben? Bin ich der einzige, der hier ein déjà vu hat? Demnächst mehr dazu in diesem Theater!

P.S. – Seit gestern läuft diese Webseite auf einem neuen Server, und der ist merklich schneller (und sollte auch besser mit Traffic-Spitzen umgehen können). Der Apache-Log im alten Server zeigt mir, dass ganz gelegentlich noch jemand den alten Server sieht, da die DNS-Änderung noch nicht ganz durchgedrungen ist, aber das scheint weniger als ein 1% zu sein.
Wer möchte, kann sich gern an den Serverkosten beteiligen (siehe hier – als Danke gibt es einen Link nach eigener Wahl auf der Support-Seite), aber das soll nicht als Aufruf, sondern als Option verstanden werden.
Das Wort des Tages: 既視感 kishikan – „bereits – sehen – Gefühl“. Auf französisch déjà vu.
Dieses Wort fiel mir heute nachmittag ein – Ich war bei einem Seminar, bei dem ein grosser Verlag seine neuen Publikationen vorstellt. Die Teilnehmer sind handverlesen – nur Buchlädenbesitzer/betreiber werden eingeladen, und das Seminar ist auch nur eine Entschuldigung für das Bankett danach. Das déjà vu dort hatte ich schon oft: Egal welche Veranstaltung – so lange jemand vorne spricht und der Rest sitzt, möchte einfach nie jemand vorne sitzen. Weder in der Schule – noch bei Managern. Tja, manche Dinge ändern sich wohl nie…

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

9 Kommentare

  1. hehe, hatte grad ne interessante diskussion über kindergeld in japan mit nem franzosen. irgendwie hab ich den eindruck, dass ich hier nur mit anderen europäern eine politische diskussion führen kann, diese kultur ist in europa anders ausgeprägt als hier…

    wie kams das du zum handverlesenen Publikum gehörtest?

  2. @Fritz
    Wir sind in dem Gebiet tätig – seit Jahren und ziemlich erfolgreich. Davon mal abgesehen arbeiten wir mit dem Verlag auch an anderen Sachen.

  3. Ja,schon seltsam das Phänomen mit der ersten Reihe. Hatte vor ein paar Tagen eine Weiterbildung und obwohl die Reihen schon gut gefüllt waren sass noch niemand in der ersten Reihe. Habe mir dann gleich einen Platz gesicfhert ),D
    Denn erstens Mal ist die Beinfreiheit nirgends besser und zweitens sehe ich dann auch besser das geschriebene vom Beamer. Ja, ja ich sollte wirklich mal zum Augenarzt und dann zum Optiker für eine Brille. Aber bis jetzt gehts ja auch, irgendwie ),D
    An anderer Stelle reissen sich die Leute für die vorderen Plätze, zahlen horrende Summen bei Konzerten, aber sobald es schulischen Charakter hat gilt immer noch irgendwie: erste Reihe, gleich Streber. Dajmit kann ich gut leben, und meine Beine erst recht.

    @tabibito
    Von wegen sich „klein“ machen, der Spendebutton ist aber sehr klein geraten ),D
    Bzw. der Link dazu. Hättest Du nicht geschrieben das da was sein muss hätt ich es nicht gesehen. Und jetzt nicht wieder von wegen Brille oder so.

  4. Das Volk ist ja nicht blöd.. bin daher ein grosser Fan von unserer direkten Demokratie! Sollte man auch nach Japan bringen.. und in die EU sowieso (dumm nur, dass es dann vermutlich keine EU mehr geben wird.. würde bei erst möglichen Abstimmung abgeschafft ;-)

    Cheers aus der Schweiz

  5. @ Felix
    Gut gebrüllt Landsmann, und so sehr auch ich ein Verfechter der direkten Demokratie, sprich Voklsabstimmungen bin, die Leistungen der EU sollten nicht unterschätzt werden. Der Euro ist eine Erfolgsgeschichte, der freie Personenverkehr, die Stabilisierung der ehemaligen Ostblockländer um mal die ersten zu nennen die mir auf Anbhieb einfallen.
    Natürlich hat die EU auch Ihre Defizite, aber ohne Sie stünden wir längst nicht dort wo wir heute sind. Das gilt auch und gerade für uns Schweizer. Als jemand der im Dreiländereck wohnt, quasi in Sichtweite zur Grenze, schätze ich die Erfolge sehr viel höher ein, als die Defizite die es noch zu verbessern gilt.

  6. @fritz
    Mit „wir“ meinte ich unsere Firma. Die ich hier nicht weiter vorstellen möchte – soweit möglich, versuche ich hier persönliche Informationen aussen vor zu lassen (mit etwas Geduld wirst Du es wahrscheinlich im Internet finden).

    @Felix, Heydal
    Da muss ich Heydal recht geben. Klar ist das schweizerische Modell nicht schlecht, aber bei aller Bescheidenheit und allen Kinderkrankheiten ist die EU ein Wunder – vor 65 Jahren bzw. zwei Generationen haben sich alle gegenseitig umgebracht, jetzt beschliessen alle, sich zusammenzuschliessen und die Geschichte hinter sich zu lassen.
    Man darf auch die Dimensionen nicht vergessen – die EU ist nun mal wesentlich grösser und durchmischter als die Schweiz, da kann nicht alles mit Volksabstimmungen erledigt werden. Davon aber mal abgesehen gibt es auch in EU-Ländern nachwievor Volksabstimmungen – z.B. zum EU-Vertrag selbst.

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