BlogKampagne der Woche: Arbeiten bis 70

Kampagne der Woche: Arbeiten bis 70

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Endlich gibt es wieder eine gross angelegte Kampagne – die Poster und Anzeigen dazu habe ich heute zum ersten Mal gesehen, daher nehme ich an, dass dies gerade erst begonnen hat. Das Motto:
70歳まで働ける 私も企業もいきいき元気
[nanajūsai made hatarakeru watashi mo kigyō mo ikiiki genki]
Auf deutsch: Bis 70 arbeiten können – ich und die Firma sind putzmunter.
Logo der Arbeiten-bis-70-KampagneToll, oder. Nach der 70-Stunden Woche kommt die bis 70 arbeiten-Kampagne. Initiiert vom Gesundheits- und Sozialministerium. Die haben wahrscheinlich mal wieder etwas nachgerechnet und festgestellt, dass der Staat sich mit all den Rentnern in Bälde nicht mehr ohne Tropf bewegen kann.
In der Privatwirtschaft ist es ja in Japan sowieso normal, bis weit über 70 zu arbeiten, aber jetzt sollen eben auch normale Firmen dafür sorgen, dass man bis 70 arbeiten kann? darf? soll? muss? Persönlich halte ich die Aktion für leicht perfide. Ich weiss nicht, ob ich mich mit 70 noch tagtäglich durch den Berufsverkehr in Tokyo boxen möchte. Das andererseits viele Leute auch über 65 hinaus arbeiten möchten (oder mangels ausreichender Altersvorsorge müssen) – wenn’s geht, nicht als Parkplätzwächter – ist mir schon klar.
Hier noch ein Verweis auf die Gefahren des Arbeitens im hohen Alter.
Hier noch der Link zur Kampagne (da sehe ich gerade, dass die schon seit ein paar Monaten läuft – scheinbar rollt sie aber erst jetzt richtig an).
Das Wort des Tages: いきいき ikiiki – lebendig, frisch, putzmunter. Japanisch strotzt ja nur so vor solchen Onomatopoeia.

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

6 Kommentare

  1. Ok, gut das ich in Japan keinen Job angenommen habe. Nächste Woche fange ich in meiner neuen Firma in D an. Jetzt arbeite ich 1/3 länger als ursprünglich geplant, aber 10 Stunden weniger als in meiner letzten Firma. Ein Arbeitstag hat nun 8 Stunden. Alte, neue und geplante Arbeitszeiten sind Element der natürliche Zahlen. Frage: Wenn meine alte Arbeitszeit pro Woche exakt meiner Schuhgröße entspricht, was für eine Schuhgröße habe ich und bekomme ich entsprechende Schuhe in Uniqlo? ^^

  2. Hab ich hier auch nocht nicht gesehen, finde ich aber sehr pervers. Aber die ganzen Stöckchenschwenker sind doch sowieso über 70 meistens. Gibt es eigentlich ein Wort für die ganzen Leute, die an den minimalsten Baustellen stehen und „den Verkehr regeln“ (Steuergelder verschwenden)
    ?
    Gruß
    Herm

  3. Was soll denn diese Meckerei? Hier ewig alt werden und nicht arbeiten gehen wollen?. So geht das nicht! Die Rentenschmarotzer haben gefääligst ordentlich ihren Beitrag für ihre Altersruhematte zu erbringen! Also, wer 100 wird kann auch bis 80 arbeiten. Und richtig gerechnet hat eine Woche 168 Stunden. Da ist es doch wohl nicht zuviel verlangt, mindestens 80 davon produktiv tätig zu sein!

    Soll heissen, aufhören mit der Jammerei und arbeiten. Zack, zack!

    So, mal abgesehen davon, wie findet denn die japanische Bevölkerung das Ansinnen des Gesundheits- und Sozialministeriums? Um meine Voruteile zu verdeutlichen: wird mit Demut der Vorschlag hingenommen oder tatsächlich mal gegen derlei Unsinn protestiert?

  4. @ Wort des Tages: Großartig, der Name meiner Tochter wird „Iki“ abgekürzt :-)

    Und natürlich werden alle zukünftig viel länger arbeiten müssen. Nur doppelt so lange arbeiten wie Rente bekommen ? Also 40 Jahre arbeiten (von 25-65) und 20 Jahre Rente ? Das kann evident nicht dauerhaft funktionieren, auch ohne ein Aufbaustudium in Rentenmathematik.

  5. Müssen die Jugendlichen halt noch früher in die Uni… nicht mehr mit 18, sondern dann halt mit 16 oder 14!

    Kein Problem, muss man nur die Schulzeit kürzen, heißt den Stundenplan verdichten.

    Dann verkürzt man hier noch die Zeit als Student auf 2 Jahre, ist ja nicht so, als würden die hier an der Uni überhaupt irgendwas von Bedeutung lernen, und dann gehen die schon mit 17 ins volle Arbeitsleben.

    Dann arbeiten die Leute 50 Jahre lang, dann Japan auch kein Problem mehr mit den Renten und arbeiten bis 70 muss dann auch keiner mehr… nur noch bis 67! O_o!?!

    Bei der rassistischen Einwanderungspolitik und der allgemein merkwürdigen Behandlung von Ausländern in dieser Gesellschaft, würde es mich nicht wundern, wenn hier innerhalb von 2 Generationen die Insel langsam anfängt leer zu werden. Früher oder später muss Japan seine Abschließung aufgeben… mal schauen, wann den Leuten das hier vor Ort auch mal auffällt.

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