BlogIse, Hashimoto, Kōyasan & Wakayama - Teil 1

Ise, Hashimoto, Kōyasan & Wakayama – Teil 1

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Nein, ich bin nicht schreibfaul geworden. Im Blog vielleicht schon. Momentan arbeite ich jedoch mehr an der Aufbereitung der letzten, kurzen Tour zwischen Weihnachten und Neujahr vergangenen Jahres.
Als Reiseziel hatte ich mir die Präfektur Wakayama ausgesucht (südlich von Ōsaka). Der Grund dafür war recht profan: Wakayama ist eine der 5 (von 47) Präfekturen, die ich noch nie mit meiner Anwesenheit beehrt hatte. Praktischerweise liegt dabei Ise ganz in der Nähe – und zwar auf der gleichen Halbinsel (genannt Kii). Und Ise ist immerhin der Ort, an dem sich der Hauptschrein des Shintōismus befindet.
Los ging es schliesslich am frühen Morgen des 26. Dezember – erst nach Tōkyō, und von dort mit dem Shinkansen nach Nagoya.

Kaum angekommen ging es auch gleich weiter mit dem Schnellzug nach Ise – dort kam ich schliesslich bereits kurz nach 12 Uhr an. Rein in den Bus, und schon war ich am Inneren Schrein – und mit mir viele Tausend anderer Besucher, denn es war Sonntag. Das Problem mit den grossen Schreinen in Ise ist allerdings, dass man die wesentlichen Bereiche nicht sehen darf – es sei denn, man ist Kaiser von Japan, Hohepriester von Ise oder einer von dutzenden Handwerkern, die den Schrein alle 30 Jahre komplett neu zusammenzimmern. Diese Form der Beschäftigungstherapie und indirekten Wirtschaftsförderung der Region hält man nun schon seit mehr als 1’000 Jahren durch. Interessant ist Ise aber trotzdem dank der Nebenschreine, die den Hauptschreinen nachempfunden sind – und sich völlig vom Stil aller anderen Schreine in Japan abheben.
Praktischerweise liegt gleich neben dem Inneren Schrein eine Fressmeile, wo es von feinstem Rindfleisch über Ise-Hummer bis zu Ise-Udon (Nudeln) alles gibt, was das Gourmetherz begehrt. Nach einer kurzen Stärkung ging es wieder mit dem Bus zurück zum Äusseren Schrein. Der ist, nun ja, irgendwie wie der Innere Schrein, und nach dem fachkundigen Bestaunen dutzender Nebenschreine lässt man irgendwann die 8 Millionen lieben Götter einfach 8 Millionen liebe Götter sein. Das ganze wurde zudem von einem eisigen Wind beschleunigt. Es ging zurück zum Bahnhof und ein paar Minuten mit der Bahn nach Futaminoura – dort stehen zwei Felsen im Meer, die mit einem riesigen Seil verbunden sind. Ein für Japan bekannter (und zugegebenermassen sehr schöner Anblick.
Abends fragte ich – es hat schon Tradition – den Portier im Hotel, ob es irgendwo in der Nähe einen empfehlenswertes Restaurant (bzw. eher japanische Kneipe) gibt. Der Portier fing an, irgendwelche dubiosen italienischen Restaurants aufzuzählen. Ich bestand auf japanische Kneipen. „Shōya ist gut, und gleich um die Ecke“ sagte er schliesslich. Klasse. Shōya ist so etwas wie das MacDonalds der japanischen Ess- und Trinkkneipen, und ich fahre bestimmt nicht hunderte von Kilometer, um dort zu essen. Also hiess es, durch die Kälte planlos durch die Gegend zu laufen. Bald stand ich vor einer angeblich selbst vom Kaiser empfohlenen Kneipe, in der es ganze Ise-Hummer für gute 40 Euro gibt. Sehr verlockend, aber für mich als Alleinreisenden etwas zu schade. Nach einer Weile stehe ich vor einer versteckten Hinterhofkneipe, aus der Gelächter dringt. Ich unterliege dem Charme des Smartphones: Kurz nach dem Namen gegooglet und nachgesehen, was andere Besucher dieses Etablissements so dazu sagen. Und siehe da – es scheint gut zu sein. Ich bin nicht der einzige Gast (wohl aber der Auffälligste) und als お通し (Otōshi – eine kleine Vorspeise, die in Esskneipen ungefragt gereicht wird – und in der Regel Geld kostet) gibt es Sashimi, was mir recht luxuriös erschien. Ich bestelle drei, vier Sachen (darunter zum Beispiel frittierten Fugu) und alles schmeckt fantastisch. Gut gefunden, muss ich mich da mal wieder selber loben. Beim Bezahlen meint die Bedienung noch „Bin ich aber froh, dass sie Japanisch können…“
Am nächsten Morgen ging es mit der Bummelbahn quer durch die Halbinsel bis nach Yamato-Takada (Präfektur Nara). Das dauert eine ganze Weile, und ich hatte ordentlich Hunger bekommen. Von dort will ich weiter in die Berge – und es sah alles arg nach Schnee oder Regen aus. Bevor es weiterging, hiess es erstmal Mittag suchen. Ich lande in einem pseudoitalienischen Restaurant mit All-you-can-eat Buffet für 950 Yen (das bemerkte ich zu spät – eigentlich bin ich kein Fan davon). Eine Oma neben mir mit ca. 4 vollen Tellern vor ihr grinst mich an und sagt „Ja, sowas lockt schon, oder?“. Ich schaute sie etwas verunsichert an – nein, ich bin eigentlich keine Fressmaschine. Zwei (kleine) Teller reichen mir, und es schmeckt, wie ein 950 Yen-All-you-can-eat-Buffet nun mal schmecken kann: Man kann zwar nicht meckern, aber man fragt sich fortlaufend, ob man nicht etwas Geduld gehabt hätte, bis man einen Ramen-Laden gefunden hätte, oder sich einfach nur ein paar Onigiri gekauft…
Mehr später…

tabibito
tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

13 Kommentare

  1. looks like an eating-trip ;-)

    aber im ernst: wirst du nicht komisch beäugt, wenn du die kamera zückst, um das essen zu fotografieren? in der brd könnte ich mir das gar nicht vorstellen!

    ich freu mich auf teil zwei!

  2. Netter Beitrag.
    Ohne Kind und Kegel unterwegs gewesen? Der Winter ist sicherlich nicht die idealste Zeit dafuer, aber sollte es Dich wiederholt auf die Kii-Halbinsel verschlagen, dann unbedingt die „Kumano-kodou“ entlangwandern! Lohnt sich wirklich!

  3. Japaner die ihr Essen nicht fotographieren gibts doch gar nicht! Ich vermute 50% alle Bilder auf japanischen Festplatten sind vom Essen ;-)

    Ich hatte mal für einen netten Abend in japanischer Runde ein paar lustig geformte Plätzchen gebacken. Kaum waren die auf dem Tisch wurden wie auf Kommando rundrum die Kameras gezückt – allein diese stereotype Handlungsweise wäre schon wieder ein Foto wert gewesen ;-)

  4. Hallo,

    ich bin durch Zufall auf diesen Blog gestoßen.
    Da meine Frau aus Wakayama ist bin ich sehr gespannt wie du es in Wakayama fandest.
    ( P.S. Ich liebe okonomiyaki ! )

  5. Hatte mich ja damals als Kulturbanause gefühlt als ich frittierten Fugo gegessen habe. Das kam mir so vor, wie wenn man aus guten Kobe-Fleisch Frikadellen macht. Aber nach deinen Fotos fühle ich mich besser ^^

  6. Bevor ich mich um den Verstand google und auf irgendwelchen komischen ru.Seiten lande: Hat mal jemand eine guten Link für mich über die Bedeutung von „dort stehen zwei Felsen im Meer, die mit einem riesigen Seil verbunden sind“?

    Das scheinen ja schon Taue zu sein mit denen man einen Tanker am Pier halten kann.

    Danke schon mal im Voraus.

  7. @Oliver
    Als ich vor Jahren ein Foto der Felsen sah, entschloss ich mich felsenfest bei der nächsten Gelegenheit hinzufahren. Das Foto war eine Nahaufnahme im Abendrot bei der man den Eindruck bekam, es handle sich um zwei Inseln die mit ner Art Hängebrücke verbunden sind. Entsprechend war die Überraschung als ich vor den Mini-Inseln stand, wo zwar ein Mann drauf Platz hätte, aber die „Brücke“ nur aus dicken Seilen bestand. Glücklicherweise sorgte ein tiefroter Sonnenuntergang für eine mystische Atmosphäre – man muss einfach den richtigen Ausschnitt heranzoomen ;-)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Meoto-Iwa

  8. @Terry
    Beäugt? Ganz und gar nicht. Völlig normal hier. Hätte mittlerweilen auch gar keine Probleme, das in Deutschland zu machen… oh Mann, ich lebe echt schon zu lange hier :(

    @Matthias I
    Hatte schon überlegt, rückzu dortlang zu fahren. Mache ich bestimm irgendwann

    @Totoro
    Kommt… wirst aber bestimmt enttäuscht sein, denn die Stadt als solche ist sicher nicht extrem aufregend (aber irgendwie gemütlich)

    @Juergen
    Aber nicht doch :) Frittiertes kann auch richtig gut sein. Oder soll ich lieber „ausgebacken“ sagen? Klingt irgendwie kulinarischer…

    @Ernst
    Kein Problem – die ganze Bilderstrecke ist frei auf Flickr einsehbar:
    http://www.flickr.com/photos/tabibito-x/sets/72157625580691981/

  9. Aber sie haben einen netten
    Baumkuchenladen „Graf Mueller“.
    (wie man auf solche Namen kommt ?)
    Aufregend ist sie nicht, das stimmt. Aber gemütlich und weniger hektisch als ich anfangs dacht.

  10. @Totoro
    In Kamakura gibt es eine Konditorei „New German“. Gutes Gebäck und Deutschland scheint für die Japaner wohl zusammen zu gehören

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