BlogHerzensgüte auch in Japan!

Herzensgüte auch in Japan!

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Da liefen wir also zu viert durch Ōsaka vor einer Woche – meine Eltern, meine Wenigkeit und meine Frau. Eigentlich waren wir sehr erschöpft und wollten deshalb irgendwo in unmittelbarer Nähe des Hotels essen. Also fragten wir die Rezeption. Machen wir oft so. Und sie gaben uns ein paar Tipps. Wir endeten dann im Kisōji (Nähe Nanba). Eine kleine Kneipe. Normalerweise gibt es immer ein otōshi (sehr kleines hors-d’œuvre) wenn man eine japanische Kneipe betritt. Hier gab es gleich rund zehn davon – der Tisch war beinahe schon voll. Die Bedienung war sehr nett und das Essen okay. Und die Gäste waren sehr laut und sprachen im schönsten Kansai-Dialekt.
Es war jedenfalls interessant und lustig. Dann ging es ans Bezahlen. 10’950 Yen (rd. 80 €, durchaus normal für vier Leute). Wir erzählten ihm dass uns das Hotel empfohlen hätte. ‚Oh, na dann 500 Yen weniger‘. So funktioniert Kapitalismus. Wir plauderten ein bisschen. Er wusste gleich, dass wir nicht aus Amerika sind, sagte der Wirt. Und war begeistert zu erfahren wo wir herkommen und warum wir hier sind. Schliesslich sagte er „Na ja, 10’000 Yen“. Kurz darauf: „Was soll’s, 9’000 Yen.“ Ja, das gibt’s auch in Japan.
Erinnerte mich ein kleines bisschen an 1989. Am 11. Nov fuhr ich mit meinen Eltern nach Westberlin. Gut einen Tag vorher wurde die Mauer geöffnet. In Westberlin kam ein grimmig dreinblickender Mensch auf uns zu. Und gab uns seine Tageszeitung und brummte ‚Hier, könnt ihr lesen. Willkommen‘. Seitdem wusste ich, dass der Westen nicht so schlecht sein könne wie uns einst täglich erklärt wurde. Herzensgüte ist doch etwas schönes und kommt gottseidank überall vor.
Vielleicht denkt jetzt so mancher Leser „Der ist aber leicht zu begeistern“. Stimmt. Es sind diese kleinen Dinge, die mich begeistern.
Das Wort des Tages: 関西弁 (kansaiben). Kansai ist die Region rund um Osaka. -ben ist der Dialekt. Kansai-ben kann man ein bisschen mit Berlinerisch gleichsetzen. Grosse Schnauze, aber mit Herz. Kann aba ooch sein dass ick mir irre.

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

3 Kommentare

  1. Wow dein Blog ist wirklich super ich freue mich richtig das das jemand tut =)
    da ich selber nach abschlu? meiner ausbildung mich nach Japan versetzen lassen will und naja so kann man schonmal etwas vor wissen sich aneignen ^^

    ich finds aber ein bisschen schade das man gar nichts ?ber dich herausfindet ^^ z.b wo und wie und wielange du f?r das Japanisch lernen gebraucht hast

    oder ich habe es hier einfach ?ber sehen und blamiere mich ^.^

    super seite daumen hoch :D

  2. Hallo,
    ich glaube, kansaiben ist f?r Fremde nicht leicht zu verstehen. Der Dialekt aber, wie Sie sagen, ist mit Herz. Manchmal ?berw?ltigen.
    Ein japanisches Buch „kesenai kioku“ (by Kazuki Aida) ist die ?bersetzung von „Der M-mann“(by H.Sobota). Da? Rotwelsch->kansaiben ist interessant. Ich w?rde es Ihnen empfehlen.
    Wo haben Sie von Japan so gute Kenntnisse bekommt?

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