BlogGeballte Inkompetenz hat einen Namen: Sakurada

Geballte Inkompetenz hat einen Namen: Sakurada

-

Es ist schon ein starkes Stück, und war selbst einigen ausländischen Medien eine Meldung wert¹ – unter der Rubrik „Kurioses“. Kurios wäre es auch, wenn es nicht so traurig wäre. Die Rede ist von 桜田義孝 Yoshitaka Sakurada, LDP-Mitglied und seit dem 2. Oktober als Minister mit eigenem Resort für die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokyo zuständig.
Der frisch gebackene Minister besticht seitdem durch eines: Komplette Ahnungslosigkeit. Das begann schon mit seiner Antrittsrede, bei der er sich wie folgt vorstellte:

Mein Name ist Sakurada Yoshitaka, als Minister verantwortlich für die Ausrichtung der Tokyo Paranpikku, Parapikku, Parapikku-Spiele, Tokyo Pararimpikku-Spiele.

Was er eigentlich sagen wollte: Er ist verantwortlich für die Olympischen und Paralympischen Spiele. Drei Anläufe also, um das Wort „paralympisch“ auszusprechen, und dann auch noch das „Olympisch“ vergessen. Wunderbar. Natürlich geht es noch weiter: Als ihn die Oppositionspolitikerin Renhō am 11. November 2018 bei einer Sitzung des Oberhauses nach dem aktuellen Kostenvoranschlag befragte, gab der Minister selbige mit 1’500 Yen (also etwas mehr als zehn Euro) an – gemeint war natürlich ein 10 Millionen mal höherer Betrag. Auch sonst glänzte der Minister bei der Sitzung mit Unwissen: Nahezu alle Fragen blieben entweder ganz unbeantwortet, oder er liess seine Assistenten antworten. Auf die horrenden Fehler und das offenbare Unwissen angesprochen erfolgte auch keinerlei Entschuldigung. Im Gegenteil – er warf der Oppositionspolitikerin Renpō (sic) vor, ihre Fragen nicht vorab eingereicht zu haben, weshalb er keine Möglichkeit hatte sich vorzubereiten.
Der wahre Grund für sein Erscheinen in der ausländischen Presse ist jedoch ein anderer: Sakurada wurde ebenfalls zum höchsten Regierungsbeamten für Cyber-Security ernannt. Bei einer Kabinettssitzung am 14. November wurde er dabei gefragt, ob er selbst Computer benutze. Die Antwort: Seit er 25 Jahre alt war (also seit 43 Jahren!), überliess er solche Dinge seinen Sekretären und Angestellten – er selbst bediene keine Computer. Auf die Frage hin, ob es möglich sei, dass in japanischen Atomkraftwerken USB-Sticks eingesetzt werden (diese gelten — mittlerweile auch in Japan — als enormes Sicherheitsrisiko), war er augenscheinlich bereits mit dem Begriff „USB-Stick“ hoffnungslos überfordert.
Dass fachfremde Minister plötzlich ein neues/unbekanntes Ressort übernehmen, ist nichts Neues – das ist auch in Deutschland und anderswo durchaus üblich. Wie man jedoch eine Person wie Sakurada gleich mit zwei enorm wichtigen Aufgaben betrauen kann, ist selbst für japanische Verhältnisse ein starkes Stück. Mich würden brennend die Vorläufe bei der Entscheidungsfindung in Sachen Cyber-Security-Minister interessieren: Hat man den Posten mit dem obligatorischen じゃんけんぽん Jankenpon (Stein-Schere-Papier)-Ritual entschieden? Oder haben sich da ein paar Politiker betrunken in einer Kneipe einen Scherz erlaubt? So viel steht jedenfalls fest: Mit so einem Minister kann man ziemlich bald die Lichter ausknipsen.
¹ Siehe unter anderem hier
Illustration von http://kids.wanpug.com.

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

2 Kommentare

  1. Die Poestchen werden verschoben und verscherbelt nach dem Motto: Du hilfst mir und ich helfe Dir. Die braunen Umschlaege werden verteilt und fuehren zum Erfolg. Ich wuenschte mir, es gaebe auch hier in Japan mehr „undercover“ Journalismus. Aber leider ist es dank der Regierung verboten, Tatsachen aufzuzeigen (siehe Fukushima und TEPCO).

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Soziale Medien

0FollowerFolgen
0FollowerFolgen
0AbonnentenAbonnieren

Neueste Beiträge

Polizei in Japan – wenn was passiert…

Neulich postete jemand, der gelegentlich als Dolmetscher bei der japanischen Polizei aushilft, einen hochinteressanten Beitrag auf der DinJ (Deutsche...

Corona wird herabgestuft | Empfehlung zum Maskentragen in Gebäuden wird ausgesetzt

Lange erwartet, kam vorgestern, am 21. Januar, endlich die Meldung aus der Regierung, auf der viele gewartet haben: Das...

Seitoku (勢得) in Setagaya-ku, Tokyo

Richtig dicke Nudeln mit einer Suppe auf Fisch- und Fleischbasis mit Shrimp-Öl. Hier bringt man besser guten Hunger mit, denn die Ramen und Tsukemen sind sehr deftig.

Die Touristen sind zurück | Neuer Automatentyp gefunden

Nun sind sie also wieder da -- die ausländischen Touristen. Zum ersten Mal seit Lockerung der Einreiseregeln veröffentlichte die...

Kitakyushu – das Tor zur Insel Kyushu

Kitakyushu ist das Tor zur Insel Kyushu und beheimatet die Burg Kokura sowie den alten Tanga-Markt. Die Stadt ist allerdings auch ein bisschen berüchtigt.

Bewegt sich was in der Familienpolitik? Die Hauptstadt prescht vor

Zufall? Oder abgesprochen? Am 8. Januar 2022 gab Premierminister Kishida bei der Neujahrspressekonferenz bekannt, die stetig fallende Geburtenrate zur...

Must read

Die 10 beliebtesten Reiseziele in Japan

Im Mai 2017 erfolgte auf dem Japan-Blog dieser Webseite...

Auch lesenswertRELATED
Recommended to you