BlogEs lief wohl rund dieses Jahr

Es lief wohl rund dieses Jahr

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Es gibt zwei Indikatoren, an denen man zum Jahresende hin erkennt, ob es wirtschaftlich in Japan rund lief oder nicht. Sicher, man könnte sich auch die Statistiken des Wirtschaftsministeriums anschauen, aber das muss man noch nicht einmal.
Ein Indikator ist die Restaurant- und Taxisituation im Dezember. Kann man abends leicht in ein Restaurant gehen, und bekommt man dann auch noch schnell ein Taxi? Dann war das Jahr wohl nicht so gut. Sind jedoch alle Restaurants brechend voll, und hat man dann noch enorme Schwierigkeiten, ein Taxi zu ergattern, dann war es ein gutes Jahr — denn das bedeutet einfach, dass die meisten Firmen genug Geld übrig haben, um mehr oder weniger üppige 忘年会 bōnenkai (wörtlich: „Jahr-vergessen-Feiern“, Jahresabschlußfeier) zu spendieren. Und da diese oft von einer 二次会 nijikai (Nachfeier), 三次会 sanjikai (Nach-Nachfeier) usw. gefolgt werden, bei denen es dann trinktechnisch richtig zur Sache geht, werden natürlich mehr und mehr Taxis bemüht. Dieses Jahr muss ein gutes Jahr gewesen sein… es ist schwerer als üblich, in einem Restaurant zu reservieren, geschweige denn unangemeldet hereinzuplatzen. Und mit Taxis sieht es im Stadtzentrum von Tokyo zumindest nachts ziemlich übel aus.
Der zweite Indikator ist die Ausbuchungsrate der Shinkansen zum Jahreswechsel hin. JR (Japan Railways) gab heute bekannt, dass bereits hetzt 3,84 Millionen der insgesamt 9,63 Millionen reservierbaren Shinkansensitze im Zeitraum vom 28. Dezember zum 6. Januar gebucht wurden. Das sind 9% mehr als im vergangenen Jahr, und die meisten Züge aus Tokyo heraus sind bereits für den 29. und 30. Dezember ausgebucht — sowie zurück zu für den 2. und 3. Januar¹. Es wird also brechend voll werden, und wer noch nicht reserviert hat, hat eventuell bereits Pech gehabt.
So gesehen könnte man also in diesem Jahr sagen: 羽振りがいい haburi ga ii — es geht Japan gut (finanziell gesehen).
Im Kontrast dazu steht das Kanji (Schriftzeichen) des Jahres, das wie immer am 12. Dezember bekanntgegeben wurde. Die meisten Stimmen gab es für das Schriftzeichen

welches für „Katastrophe“ steht: 2018 gab es zwei schwere Erdbeben mit Todesopfern (Hokkaido und Osaka) sowie etliche katastrophale Taifune. Das gleiche Zeichen war übrigens schon 2004 Schriftzeichen des Jahres. Mehr zur Bedeutung des Zeichens siehe hier.
¹ Siehe hier

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

1 Kommentar

  1. Warum gibt es eigentlich diesen ganzen ökonomischen Brimborium, wenn es doch so einfach geht? :D
    Was wären denn Schriftzeichen Nr. 2 und 3 gewesen?

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