BlogEins zwei drei... meins. Wie der Döner verjapanisiert wurde

Eins zwei drei… meins. Wie der Döner verjapanisiert wurde

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Oh ja, ich kann mich noch an meinen ersten Döner erinnern. Ich kann mich sogar an den Tag erinnern: 10. November 1989. Einen Tag nach dem Mauerfall, stilecht in Westberlin natürlich. Den Geschmack fand ich damals interessant (den von MacDonalds hingegen nicht). Ein ausgewachsener Döner kostete damals 2,30 DM. Später gehörte ein Döner jahrelang zum Speiseplan – ist schließlich lecker und recht preisgünstig und damit genau das richtige für einen Studenten. Auch die Bekanntschaft mit „echtem“ Kebab im Nahen Osten hat daran nichts geändert. Döner Kebab ist eben deutsches Fast Food, und keine Nachahmung.
Es muss vor circa 15 Jahren gewesen sein, als ich den ersten Dönerladen in Japan entdeckte. Das war in Akihabara, glaube ich, und am Tresen stand ein Türke aus Berlin, so wie es sein soll. Und es wurden schnell mehrere – vor allem in Akihabara, aber auch anderswo. Und es war nur eine Frage der Zeit, bis Dönerbuden auch bei den japanischen Festen (Omatsuri, Hanabi-Taikai (Feuerwerksshows) und dergleichen auftauchten, neben den üblichen Buden für Karaage, Yakisoba, Butterkartoffelb und dergleichen. Das ging soweit, dass sie sogar beim sehr lokalen, kleinen Schreinfest auftauchten.
Auch heute sah ich wieder einen Dönerstand – am wunderschönen Fuchū-shi Kyōdo-no-mori-Park im Westen von Tokyo. Der heutige Stand war jedoch ein Novum, aber kein unerwartetes: Die erste Dönerbude, die ganz allein von einem Japaner betrieben wird. Da gab es dann auch Sachen wie „Döner mit Majoran-Mayo“ und fünf verschiedene Schärfegrade für den Döner. Einen Kunden sah ich mit einem Döner abziehen, und letzterer sah eher kläglich aus, aber Döner in deutscher Pracht und Größe habe ich auch anderswo in Japan noch nicht gesehen. Und so wird es weitergehen – japanische fliegende Händler werden sich vermehrt dieser Spezialität annehmen und so lange so komische Sachen daraus machen, dass vom Original kaum mehr als der Name übrig bleiben wird.
Es wäre nicht das erste (eigentlich orientalische) Essen, das seinen Weg nach Japan findet. So ist zum Beispiel das ägyptische Mulukhiyah in Japan sehr beliebt – hier heisst es モロヘイヤ (moroheiya). Die grünen Blätter werden meist als Suppe gereicht, und natürlich denkt heute Jeder, das Moroheiya ein traditionelles japanisches Gemüse ist…

tabibito
tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

1 Kommentar

  1. Mein erster Döner in Japan, da werde ich ja fast sentimental. Das ist auch schon über 15 Jahre her.
    In Fukuoka streunte ich über das Gion Matsuri, welches immer gut besucht, aber eben so angelegt ist, dass man dort selten Platzangst erleidet. An diesem Abend aber war in dieser einen Gasse kein Durchkommen mehr und der Grund war eine Schlange am neuen Dönerstand.
    Da standen drei Japaner in feinster Chefkoch Kleidung und säbelten (wortwörtlich) das Fleisch vom Spiess herunter. Sie säbelten dabei so schnell wie es nur ging, um die Leute zu bedienen, jedoch war das Fleisch teilweise noch roh. Gut, rohes Fleisch, ist in Japan nicht so ein grosses Problem, wie ich über die Jahre lernte. Aber im Döner? Nun ja.

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