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Bäckerei Tokutarō
Bäckerei Tokutarō
Man könnte meinen, es sei ein neuer Trend – aber dem ist nicht ganz so: Bäckereien, viele davon regelrechte Edelbäckereien, gibt es schon lange in Japan, denn man weiss auch hier gutes Brot zu schätzen. Oder sagen wir mal so: Gutes Backwerk. Denn dass es zahlreiche Bäcker gibt, heisst noch lange nicht, dass es auch gutes Brot gibt. Von Brötchen mal ganz zu schweigen, denn die gibt es wirklich so gut wie gar nicht.
In meinem vorherigen Wohnort gab es in einem nahegelegenen Villenviertel ein älteres Ehepaar, dass aus Zeitvertreib eine Bäckerei betrieb. Mit winziger Terasse, auf die ein kleiner Tisch und zwei Stühle passten. Der Verkaufsraum war höchstens 5 m² gross, und da an allen Seiten Regale standen, passten maximal drei Leute gleichzeitig rein. Trotz allem schafften es die beiden, dort ca. 10 Brotsorten und rund 20 Sorten mit kuchenähnlichen Sachen herzustellen. Und wer zu spät kam, schaute ins Leere. Die Bäckerei war dabei richtig gut: Manchmal gab es Roggenbrot, und die mit Frischkäse und getrockneten Tomaten gefüllten, stets ofenfrischen Brote waren auch sehr empfehlenswert.
In meiner jetzigen Gegend habe ich soweit drei akzeptable Bäcker ausmachen können. Einer tat es mir dabei schon vom Namen her an: „Bäckerei (sic!) Tokutarō“. Leider konnte das Backwerk nicht vollständig mit dem illustren Namen mithalten – sicher, alles war geniessbar, aber nicht unbedingt umwerfend.
Dabei sollte erwähnt werden, dass die meisten Japaner bei Brot nicht an Deutschland denken, sondern eher an Frankreich, Italien oder England. Und bei Konditoreiwaren – vom Stollen mal abgesehen – ist Deutschland gleich völlig ausgeschlossen. Es gibt alle möglichen, je nach Konditorei auch sehr erlesene Sachen, aber einen schnöden Butterstreuselkuchen, Bienenstich oder Napfkuchen usw. sucht man hier vergeblich. In Deutschland wurde mir früher dabei klar, warum dem so ist: Die meisten Japaner kann man mit deutschem Kuchen und deutschen Torten nicht so recht hinter dem kotatsu hervorlocken. Will heissen: Als Deutscher kann man sich natürlich schnell darüber mokieren, dass eine als deutsche „Bäckerei“ aufgemachte Bäckerei nichts so recht Deutsches anbieten will, es sei denn, es ist kurz vor Weihnachten. Aber die Lösung ist nunmal einfach. Es würde sich nicht verkaufen.
Und so bleiben Dinge wie Mohnkuchen, Rhabarber- und Stachelbeerkuchen usw. in weiter Ferne (Mohn habe ich hier schon mal gesehen, aber frischen Rhabarber oder gar Stachelbeeren bisher noch nie). Aber wie sagt man so schön: Irgendwas ist ja immer.

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tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

5 Kommentare

  1. Es hat schon einen Grund, warum im Ausland viele Deutsche zuerst die heimatlichen Backwaren vermissen – und ich bin da keine Ausnahme. Irgendwann hat man einfach Lust auf eine gscheite Semmel mit was drauf!

  2. Sollte es nicht besser „unter“ dem Kotatsu heißen? *scnr*
    Das mit der Backware ist wirklich so eine Sache. Gutes Grau- oder Schwarzbrot habe ich in einem normalen japanischen Supermarkt noch nicht gefunden. Bei Import-Supermärkten findet man ab und an Pumpernickel, ein Highlight. In Fukuoka gibt es zum Glück einen deutschen Bäcker.
    Ich habe beim diesjährigen Besuch meinen Freunden mal ein kleines deutsches Party-Set mitgebracht: Weizenbier, geräucherte Wurst und Pumpernickel. Das Brot wurde zwar artig gegessen, aber es war mir sofort klar: damit gewinne ich hier keinen Preis. Bier und Wurst waren dagegen schneller weg, als ich gucken konnte.

  3. Anders herum ist es noch schwerer. Wer eine richtige japanische Bäckerei in Deutschland sucht fährt (mangels Alternativen) gern mal nach Düsseldorf…

  4. In der Nähe vom Bhf. Eda (Denentoshi-sen) gibt es eine Konditorei Naschkatze http://goo.gl/Cp2HUN
    Der Konditor hat in Wien gelernt und spricht gut Deutsch mit österreichischem Schmäh. Auf besonderen Wunsch und Bestellung macht er ganz sicher auch Rhabarberkuchen.

    • Danke – den kannte ich noch nicht. Und der liegt sogar in Reichweite.
      Hier in der Nähe gibt es auch eine Wiener Konditorei – nennt sich Lilienberg und dort stehen sich die Kunden auch die Beine in den Bauch. Getestet und in der Tat für gut befunden. Als Konditorei wohlgemerkt.
      http://www.lilienberg.jp/

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