BlogDeutsche Steuern im Ausland zahlen?

Deutsche Steuern im Ausland zahlen?

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Der Gedanke ging mir schon mehrmals durch den Kopf: Was, wenn die Politiker in Deutschland plötzlich auf die Idee kommen¹, es den USA gleichzutun und eine Art Citizenship-Based Taxation (CBT) einzuführen – also eine Besteuerung von Einkommen basierend auf Staatsbürgerschaft, nicht Wohnort. Will heißen, Deutsche, die im Ausland wohnen, müssen, so sie den deutschen Pass besitzen, alljährlich Steuererklärungen einreichen und je nach Fall nachzahlen. Es gibt bisher nur zwei Staaten auf der Erde, die so etwas von ihren Bürgern verlangen – die USA und… wir haben es gewiss erahnt, Eritrea².
Bei dem Gedanken kräuselten sich mir umgehend die Nackenhaare: Lebenshaltungskosten in Japan, gepaart mit deutschen Steuersätzen? Na dann, gute Nacht! Und googelt man so ein bisschen vor sich hin, stößt man zum Beispiel auf den – zugegebenermaßen plumpen Versuch einer Petition PRO Besteuerung aller Auslandsdeutschen. Die Begründung ist so oberflächlich und obstrus geschrieben, dass man gar nicht weiterlesen möchte. Aber es wird immer Leute geben, deren Vorstellungskraft nicht sehr weit reicht.
Verständlich ist die momentane Aufruhr bezüglich Steuersünder natürlich. Sein Vermögen außerhalb des Landes zu parken und mit allerlei Tricks und Finten versuchen, bloß keine oder möglichst wenige Steuern an sein eigenes Land zu bezahlen ist schlichtweg unmoralisch. Es ist eine – milde – Form des Verrats, begünstigt durch die allzu menschliche Gier nach Geld. Und immerhin lebt eine ganze Heerschar von Bankern und Anwälten von diesem System. Wo sollen die alle hin, wenn die Steueroasen austrocknen? Wovon sollen die Britischen Jungferninseln leben, wenn das alles nicht mehr geht? Von ihren paar Jungfern ganz bestimmt nicht!
Schaut man sich CBT-Regeln an, scheint jedoch alles nicht so heiß gegessen zu werden wie es gekocht wird: Der Freibetrag ist mit 95’000 USD pro Jahr relativ groß, und Steuern sowie zu einem gewissen Anteil auch Miete usw., die man im Gastland bezahlt, werden in die Berechnung einbezogen.
Sollte Deutschland diese Regel auch einführen, wüßte ich nicht, wovor es mich eher gruseln würde: Den Kosten? Den Papierkram, den man alljährlich zusätzlich durchgehen müsste. Eventuell noch mit Übersetzungen der Einkommensbescheide inklusive Apostille? Oder vor dem Wissen, dass ich in Japan arbeite und in Deutschland Steuern zahle, im Gegenzug aber rein gar nichts von meiner Auslandsvertretung erwarten kann, da diese im Krisenfall ihre Bürger schlichtweg im Stich läßt und sich einfach verkrümelt? Ich weiß es nicht.
Natürlich kann man Auslandsdeutschen vorhalten, dass sie ihrer Heimat etwas schulden – womöglich dadurch, dass sie zum Beispiel für lau zur Universität gingen. Das Argument hat etwas wahres, aber wenn man sich den Brain-Drain ansieht, der momentan von Südeuropa Richtung Deutschland (unter anderem) vonstatten geht, wäre diese Argumentation etwas fadenscheinig.
Ach ja: Entgegen anderslautender Gerüchte können Amerikaner ihre Staatsbürgerschaft „abgeben“ und sich somit der CBT entziehen. Interessanterweise werden diese Personen einmal im Quartal im Federal Register quasi an den Pranger gestellt – siehe hier: Quarterly Publication of Individuals, Who Have Chosen To Expatriate. Eine gelinde gesagt interessante Praxis.
¹ Siehe unter anderem hier: Steuerpflicht für alle! (Zeit Online)
² Siehe International Taxation by Citizenship (Wikipedia)

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tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

16 Kommentare

  1. Hum, mit entsprechenden Freibeträgen hätte ich da im Grunde nichts dagegen, aber auf den Papierkram hätte ich wirklich keine Lust und man müsste halt wegen Doppelbesteuerung schauen.
    Das Studienargument ist übrigens aber nur noch halb so wahr. Die Bachelor kosten zwar immer noch nichts, aber viele Masterstudiengänge sind mittlerweile schön nach US Vorbild eine ganze schön kostspielige Angelegenheit.

    • Sobald mein Blog unter der Suchanfrage „Wie kann ich mehr Steuern eintreiben?“ in den Top 10 erscheint, werde ich den Artikel löschen.
      Aber im Ernst, die Idee ist nicht mehr ganz neu – sie tauchte bereits in Politikerkreisen auf.

    • na ja ernst ich finds gut dass tabibito darüber schreibt, er erreicht damit ja doch schon einige leute die sich dadrüber Gedanken machen können/sollen wie sie zu dem thema stehen, ob es gut oder schlecht ist und wer weis? auch wenn es jemanden immoment noch nicht betrifft kann das in der zukunft doch der fall sein oder etwa nicht ?
      ich denke da wo man Lebt und Arbeitet sollte man Steuern zahlen, den dem Gastland entstehen dadurch kosten(aufrechterhaltung der Infrastruktur,…) klar steckt das Heimatland einiges an Finanziellen Mitteln in die Erziehung und Ausbildung der jeweiligen Person, doch eine Doppelbesteuerung muss nicht sein, sowas schafft nur unmut und ärger bei den Betroffenen und seien wir mal ehrlich fair wird dies auch wieder nicht sein da sich da auch wieder genug von drücken werden(ich würds keinem verdenken), es wird schon gute Gründe für die Menschen gegeben haben warum sie ihr Heimatland verlassen haben, und wenn man probs mit dem land hat warum soll man dann noch diese Land finanziell unterstützen?
      Auserdem werden die allerwenigsten direkt nach der Ausbildung verschwinden, die meisten werden einige Jahre „daheim“ bleiben und Arbeiten und somit ein teil der Gesellschaft zurück geben.
      Und eine Doppelbesteuerung wiederspricht meinem denken von Freiheit, der Freiheit zu leben, zu Arbeiten und sich eine Existenz aufzubauen wo man es möchte und kann ohne dafür einschränkungen durch seine herkunft zubekommen.
      Man wird damit Bestraft dass man an einen Ort ging an dem man mehr (Glück) vom Leben (erwartet) hat.
      das denke ich dazu
      grus proti

      • dann tu was dafür dass es bekannter wird ^^
        es kann doch nur förderlich sein wenn leute durch deine posts zum denken angeregt werden oder etwa nicht ? ob man deiner Meinung ist oder nicht is wie immer eine andere sache, die jedem selbst überlassen ist.
        ich finde nur das problem dass man solche sachen erst zu spät mitbekommt, meist wenns schon hinter irgendwelchen verschlossenen türen „geregelt“ wurde.
        Und ist Aufruhe immer negativ zu bewerten?
        soll man wissen sammeln oder einfach nur als dummes schaf vor sich hinleben?
        denk eher dass du nen Denkansatz bieten willst und anstatt zur Aufruhr anzustacheln.

  2. Ich halte ja Nationalstaaten an sich für überholt. Viele Probleme entstehen erst durch die Konkurrenz mit anderen Staaten, andere lassen sich dadurch nur schwer beheben.
    Aber wird es jemals anders sein? Glaube nicht dass ich das noch erlebe. :-/

    • Alle Menschen sind vor dem „Steuer“gestz gleich. Alle sollen Steuern auf ihre Einkünfte bezahlen. Warum manche zweimal? Währe eine Ungleichbehandlung, welche nicht auf die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe abzielt. Deshalb gibt es auch diese Doppelbesteuerungsabkommen. In der BRD sind Steuern auf das Einkommen zu zahlen, wenn man dieses überwiegend (also ein halbes Jahr und einen Tag) in der BRD auch erzielt hat. Über diese Klippe ist einmal ein gewisser Boris Becker gestolpert. Wohnsitz war zwar Monaco – dummer Weise hatte er sich aber mehr als ein halbes Jahr in Deutschland aufgehalten. Irgendein gelangweilter Finanzamtsmitarbeiter hatte das wohl nachgerechnet. Sollte dir aber nicht passieren ;-)

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