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Das Kreuz mit den japanischen Zahlen oder der 109er Jackpot

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Da wäre ich doch fast vom Stuhl gefallen: Da berichtete die Japan Times Online-Ausgabe heute: Iconic Shibuya 109 building launches ¥109 million design contest for new logo. 109 Millionen Yen, also rund 800,000 Euro, für ein neues Logo – und jeder kann seine Entwürfe einreichen? Das klingt doch wie der große Design-Jackpot! Ein kurzer Blick auf die Webseite des weltbekannten Modekaufhauses direkt an der berühmten Kreuzung von Shibuya offenbarte jedoch etwas anderes: Der erste Preis gewinnt nicht etwa 109 Millionen Yen, sondern 109万 109-man, und ein „-man“ sind 10’000, ergo 109*10,000 = 1’090’000 yen, also gute 8’000 Euro. Das klingt zum einen wesentlich realistischer, zum anderen natürlich weniger lukrativ, aber das Shibuya 109 ist eine der Ikonen der Stadt, und ein neues Logo dafür zu entwerfen ist dementsprechend schon was ganz besonderes. Doch zurück zu den Zahlen — selbst für Japan- und Japanischkenner wird das japanische Zahlensystem schnell zur Stolperfalle, denn nur bis zur Tausend ist alles wie man es kennt – danach beginnt das große Rechnen, da das japanische System ab Tausend auf das 漢数字 Kansūji – das chinesische Zählsystem zurückgreift. Während man in der westlichen Welt bei der x-ten Potenz der Zahl 10 in Dreierschritten voranschreitet (106 = eine Million , 109 = eine Milliarde, 1012 = eine Billion), sind es im Chinesischen Viererschritte.

Schriftzeichen Lesung Wert als Zehnerpotenz Auf gut Deutsch
ichi 1 1
101 Zehn
hyaku 102 Hundert
sen 103 Tausend
man 104 Zehntausend
oku 108 100 Millionen
chō 1012 1 Billion
kei 1016 10 Billiarden
gai 1020 100 Trillionen
jo 1024 1 Quadrillion
1028 10 Quadrilliarden
1032 100 Quintillionen
kan 1036 1 Sextillion
sei 1040 10 Sextilliarden
sai 1044 100 Septillione
goku 1048 1 Oktillion
恒河沙 gōgasha 1052 10 Oktilliarden
阿僧祇 asōgi 1056 100 Nonillionen
那由他 nayuta 1060 1 Decillion
不可思議 fukashigi 1064 10 Decilliarden
無量大数 muryōtaisū 1068 100 Undecillionen

Die Zählweise stammt aus dem, man ahnt es schon, Buddhismus, und es geht auch andersrum: Bis runter nach 10-24 gibt es jeweils ein eigenes Schriftzeichen. Die obige Tabelle bildet dabei auch nur das gebräuchlichste Schema, das der 中数 chūsū (mittlere Zahlen) ab. Eigentlich gibt es vier Systeme – und zwar:

  1. 下数 (kasū) – bzw. 十進 jūshin – Zehnerschritte. 兆 (chō) entspricht hier einer Million.
  2. 中数 (chūsū), 万進 manshin = Zehntausenderschritte – heute gebräuchlich, siehe Tabelle oben. 兆 (chō) entspricht hier einer Billion.
  3. 中数 (chūsū), 万万進 manmanshin = Zehntausend-Zehntausenderschritte (also 100-Millionen-Schritte). 兆 (chō) entspricht hier zehn Billiarden.
  4. 上数 (jōsū) – hier wird ab 104 die Potenz jeweils verdoppelt: Oku ist 108, chō 1016, kei 1032 – und ein Muryōtaisū (wörtlich: „Unendliche Zahl) sage und schreibe 10262144.

Bei der Zehntausenderschritt-Zählweise vermisst man beim Übersetzen vor allem die „Million“ extrem, denn eine Million muss man mit 100-Man umschreiben und umgekehrt. Aufmerksame Leser dieses Blogs haben mich auch schon zwei, drei Mal bei Zahlenverdrehern erwischt – wenn man da mal auf die Schnelle zum Beispiel schwindelnd hohe Zahlen wie die japanische Staatsverschuldung übersetzt (und danach in Euro umrechnet), schleicht sich schnell ein Fehler ein.

Das Shibuya 109 - rechts im Bild
Das Shibuya 109 – rechts im Bild

Kurz jedoch zurück zum Modekaufhaus Shibuya 109: Das Bauwerk mit seinem markanten, runden Turm gibt es seit 1979, und zur Namensbildung gibt es mehrere Erklärungen – einige sagen, die „109“ ist ein 語呂合わせ goroawase – ein japanisches Wort-Zahlenspiel und steht für Tōkyū (tō = 10, kyū = 9). Tōkyū ist eine gigantische Firma, die einige Bahnlinien und viel Grund und Boden in Shibuya besitzt. Andere sagen, es heißt 109, da es von 10 bis 9 Uhr geöffnet ist. Es gibt nunmehr auch etliche Ableger: 109 Men’s, aber auch Ableger in diversen japanischen Städten, ja selbst in Hongkong. Dass das alter Logo verschwinden wird, ist freilich auch ein bisschen schade – der Schriftzug gehört einfach zu Shibuya.

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

3 Kommentare

  1. In der Tabelle hat sich auch ein kleiner Fehler eingeschlichen. 千 sollte ’sen‘ gelesen werden und nicht ‚hyaku‘. Wirklich fehleranfällig diese japanischen Zahlen ;-)

  2. Hallo,
    ja Zahlen in Japan, kein Wunder das so oft arabische Zahlen verwendet werden, apropos, du hast einen Fehler in der Tabelle, du hast statt sen für 1000, nochmal Hyaku geschrieben

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