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Coronamüde Japaner, das Zeichen des Jahres und das Ende von Go-To Travel

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Die Parallelen zu Deutschland sind momentan unübersehbar. Man kann scheinbar machen, was man will – die Zahl der Neuinfektionen steigt unaufhörlich, wenn auch nicht rapide, an. Wobei man sich in Japan noch immer eher auf einem relativ niedrigen Niveau bewegt, aber das reicht schon aus, um die Intensivbetten – und die Angestellten in den Krankenhäusern – auf das Äußerste zu strapazieren. Ein Beispiel dafür ist die Stadt Asahikawa, im Zentrum von Hokkaido: Im dortigen Rotkreuzkrankenhaus gibt es insgesamt 41 OP-Schwestern, von denen eine positiv auf das Virus getestet wurde. Bei der üblichen Kontaktverfolgung kam nun ans Licht, dass die Frau kurz vorher mit 20 Kolleginnen zusammen essen war – und dort wurden natürlich die Masken abgelegt. Aus diesem Grund müssen nun alle 21 für zwei Wochen in Quarantäne – mit dem Resultat, dass das Krankenhaus „alle nicht wirklich notwendigen Operationen“ gestrichen hat.

Trotz der stetig steigenden Zahlen und des größer werdenden Widerstandes der Präfekturoberen wehrte sich die Regierung bis jetzt, die Go-To-Travel Kampagne einzustellen. Erst heute kam Bewegung in die Sache – nun wurde beschlossen, die Kampagne vom 28. Dezember bis zum 11. Januar einzustellen. Erst Umfragen in der Bevölkerung sorgten für die nötige Dynamik – eine satte Mehrheit von 73% sprach sich für eine Aufhebung aus. Und: Waren zum Amtsantritt von Suga noch 62% zufrieden und 13% unzufrieden mit der neuen Regierung, sind jetzt nur noch 42% zufrieden und 36% unzufrieden. Der Trend ist also deutlich.

Wie immer wurde nun auch das „Schriftzeichen des Jahres“ bekanntgegeben, und selten war so deutlich vorher klar, welches Zeichen es wohl sein wird. Klar zumindest für diejenigen, die in Japan leben:

Dieses Zeichen wird „mitsu“, aber auch „hisoka“ gelesen und bedeutet „dicht“, „eng“ aber auch „Geheim“. Und natürlich hat es mit Corona zu tun, denn Japans Strategie kann man mit der Vermeidung der 3密 – der „drei Engen“ zusammenfassen:

  1. Enge (im Sinne von dicht verschlossene) Räume
  2. Enge Plätze (im Sinne von viele Leute auf einen Haufen)
  3. Orte mit engem Kontakt (mit anderen Leuten)

Martin Fritz, Korrespondent in Tokyo, hat es in diesem TAZ-Artikel wunderbar zusammengefasst:

Die Befolgung dieser drei Regeln, die sich per Internet, Twitter, Plakaten, Fernsehen und Lautsprechern verbreiteten, wirken wie ein freiwilliger Lockdown light.

Wie weiterhin ausgeführt wird, war Japan in Sachen Infektionsschutz europäischen Ländern weit voraus – hier musste man sich nicht mit Diskussionen um den Sinn oder Unsinn von Gesichtsmasken herumplagen – die Leute tragen sie einfach, mit nur wenigen Ausnahmen, und das, obwohl das Tragen nie wirklich Pflicht war.

Bleibt zu hoffen, dass die bisherige Strategie für’s erste ausreicht, denn die Japaner sind spürbar coronamüde geworden. Lockdowns sind kein Vergnügen, und man kann nur froh sein, dass es das in Japan bisher nicht gab. Freiwillige Selbstbeschränkung, die ja nun seit fast 10 Monaten anhält, ist allerdings auch ermüdend.

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

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