BlogBurg Shuri auf Okinawa fast vollständig niedergebrannt

Burg Shuri auf Okinawa fast vollständig niedergebrannt

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Die Bilder des Tages stimmten einfach nur traurig: Kurz vor dem Sonnenaufgang des 31. Oktober 2019 brach in der Burg Shuri auf der Hauptinsel von Okinawa ein Großbrand aus, der schnell um sich griff und wesentliche Teile der Burg, zum großen Teil aus Holz gebaut, vernichtete. Luftaufnahmen vom Nachmittag zeigten, dass von einigen Gebäuden, darunter auch dem Hauptgebäude, wirklich nur noch Asche übrig ist.
Gute 450 Jahre lang war die Burg eindrucksvolles Zeugnis des Ryukyu-Königreiches, das bis zum 19. Jahrhundert nicht zu Japan gehörte, sondern eine Sonderstellung zwischen China und Japan einnahm. Mit eigener Kultur, eigener Sprache, eigener Architektur (der Burg Shuri habe ich hier ein komplette Seite gewidmet).
Die Burg wurde nach dem Ort benannt, in dem sie sich befand (oder war es andersrum?), doch die heutige Inselhauptstadt wurde immer größer und verleibte sich irgendwann Shuri ein. Die Burg von Shuri ist imposant: Die Festungsmauern sind gewaltig, doch was einen dann im Inneren erwartete, ist völlig anders als im Rest des Landes: Ein schöner, breiter Platz, umsäumt von sehr fotogenen, durchweg dunkelroten Holzpalästen. Eines der Bauwerke, bei denen man sich erstmal hinsetzen und das Ganze auf sich wirkn lassen möchte.

Leider komplett niedergebrannt: Der Seiden genannte Hauptbau
Leider komplett niedergebrannt: Der Seiden genannte Hauptbau

Shuri hätte fast den Zweien Weltkrieg überlebt – leider nur fast. In den letzten Tagen der gnadenlosen Gefechte zwischen amerikanischen Einheiten und den kaiserlichen Soldaten brannte der Komplex restlos nieder. Der originalgetreue Neubau wurde 1992 fertiggestellt, und die Mühe zahlte sich im Jahr 2000 aus, als die Burg zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Der Brand in der Nacht vernichtetete jedoch den prächtigen 正殿 seiden (Hauptbau) sowie den Nord- und Südflügel. Vier weitere angrenzende Gebäude wurden ebenfalls stark beschädigt. Anwohner schauten dem Brand hilflos zu, vielen trieb der Anblick Tränen in die Augen, denn auf die Burg war man – zurecht – sehr stolz.
Immerhin gab es bei dem Brand weder Verletzte noch Tote. Stunden nach dem Brand äußerten die ersten Politiker den festen Willen, die Burg wieder aufzubauen. Das wird man sicherlich auch machen – doch es wird Jahre dauern. Bis dahin ist Okinawa leider um eine wichtige Sehenswürdigkeit ärmer.
Das Innere des seiden
Das Innere des seiden

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

3 Kommentare

  1. Das ist wirklich sehr traurig. Vor 3 Wochen war ich zum ersten Mal auf Okinawa und hatte das Vergnügen die Burg zu besichtigen. Es war sehr beeindruckend. Wenigstens wurde niemand verletzt oder getötet. Ich hoffe, sie steht bald wieder.

  2. Sehr tragisch wenn so ein schönes Wahrzeichen verloren geht…
    2010 war ich ebenfalls dort und habe die Burg als wirklich eindrucksvoll in Erinnerung.

  3. Shuri war schon immer einer meiner Lieblingsburgen. :(
    Aber wenigstens war es keins der wenigen Originalschlösser, das wäre noch tragischer gewesen. Trotzdem tragisch. Ich hoffe, die Wiederaufbau verläuft ohne Probleme. :)

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