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Ausflugsboot mit 26 Menschen an Bord vor Hokkaido gesunken: Viele Fragen, kaum Antworten

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Am 23. April 2022 kam es vor der Shiretoko-Halbinsel zu einem schweren Unglück mit einem Ausflugsboot: Kurz nach 1 Uhr nachmittags meldete der Kapitän der „KAZU 1“ eine Schräglage von rund 30 Grad – gegen zwei Uhr riss dann der Funkverkehr vollends ab. An Bord waren insgesamt 26 Menschen – der Kapitän, ein Besatzungsmitglied und 24 Touristen aus ganz Japan, darunter auch zwei kleine Kinder.

Das kleine Boot mit Innenraum und einem Deck, auf dem man stehen kann, verliess den Hafen von Utoro, Teil der Gemeinde Shari, gegen 10 Uhr morgens. Zu dem Zeitpunkt herrschte angenehmes Wetter mit schwachem Wind und wenig Wellengang. Allerdings vermeldete der Wetterbericht bereits zu dem Zeitpunkt, dass es am Nachmittag ungemütlich werden soll, und so kam es dann auch.

Bis heute fand man 11 Leichen – darunter die eines der beiden Kinder. Das Mädchen war gerade mal 3 Jahre alt und wurde in der Nemuro-Meerenge, zwischen Shiretoko und der zu Russland gehörenden Kunashir(i)-Insel, auf offenem Meer treibend gefunden. Die anderen wurden in unmittelbarer Küstennähe gefunden, aber es besteht berechtigte Sorge, dass einige der Leichen nach Russland getrieben wurden.

Der Betreiber der KAZU 1, Seichi Katsurada, schwieg in den ersten Tagen nach dem Unglück, wurde aber seit Sonnabend massiv von der Presse bedrängt. Erst heute gab es eine offizielle Pressekonferenz mit ihm, bei dem er einen Kotau machte und sich so mit der stärksten Form einer ostasiatischen Entschuldigung bei den Angehörigen entschuldigte. Klüger wurden die Anwesenden jedoch nicht: Der Unternehmer gab an, selbst nicht zu wissen, wie es zum dem Unglück hatte kommen können. Und die Verantwortung darüber, ob das Boot auslaufen dürfe oder nicht, habe ganz allein beim Kapitän gelegen.

Das öffentliche Interesse an dem Fall ist gross, gelten doch in Japan – eigentlich – strenge Sicherheitsregeln. Da in diesem Fall bereits einige Indizien dafür sprechen, dass hier grob fahrlässig gehandelt wurde, wird dieser Fall nun ein gerichtliches Nachspiel haben. Für den Tourismus dieser wunderschönen – und sehr abgelegenen – Region ist das Unglück auf jeden Fall ein schwerer Rückschlag, an dem man noch lange knabbern wird.

Bucht und Hafen von Utoro, Shari, auf Hokkaido
Bucht und Hafen von Utoro, Shari, auf Hokkaido

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

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