Blog Auf die Bäume ihr Affen, der Wald wird gefegt

Auf die Bäume ihr Affen, der Wald wird gefegt

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Was macht eigentlich die japanische Polizei den ganzen lieben langen Tag, mag sich der eine oder andere Japanbesucher gefragt haben. Der Anteil der wie üblich marodierenden Ausländer an der Gesamtbevölkerung liegt ja nur bei einem Prozent, und Japaner begehen ja, wie hinlänglich bekannt, keine Verbrechen. Naja, hier und da zerstückelt vielleicht mal einer seine Ex, aber das sind ja Ausnahmen, und dank meistens gründlicher Arbeit werden diese Fälle ja auch nicht immer bekannt. Querdenker gibt’s auch so gut wie keine, und der Grossteil der Rechten ist viel zu sehr damit beschäftigt, das Internet mit unsinnigen Kommentaren zu vergiften. Verkehrspolizeitechnisch gibt es nun auch nicht soooo viel zu tun, da ja eh immer und überall Stau ist.

Was macht man also, um in Übung zu bleiben? Nun, man geht auf die Jagd. Nach Wildschweinen zum Beispiel. Oder nach Affen. So geschehen am 3. Dezember, mitten in der Innenstadt von Fukuoka. Ein Rotgesischtsmakake, gern auch als Japanischer Schneeaffe bezeichnet, hatte es irgendwie geschafft, von seinem Berg herabzusteigen und bis in die Innenstadt zu wandern – zum Teil auf sehr abenteuerliche Weise, zum Beispiel entlang der Brüstung einer Hochstrasse. In einem Parkhaus – und ausgerechnet in dem des Rathauses – wurde man auf das geschätzt 4 bis 5-jährige Männchen aufmerksam. Und das mit Stil: Der Affe saß auf einem Auto, das gerade das Parkhaus verlassen wollte. Dass Affen gerne Auto fahren, hatte ich schon vor 20 Jahren in Nikko festgestellt, als eine Affendame auf mein Taxi sprang und die kompletten Iroha-Kurven bis nach unten fuhr (Beweisfoto: Siehe Nikko).

Schnell wurde eine gefühlte Hundertschaft Polizisten zusammengetrommelt, und es dauerte nicht lange, bis mindestens genauso viele Medienvertreter vor Ort waren. Doch es half alles nichts: Weder Kescher noch Fressen konnten das Biest in Zaum halten. Der rund 50 cm grosse Affe zeigte, was er drauf hat. Am 3. Dezember schaffte man es nicht, ihn zu fangen. Auch am nächsten Tag schaffte man es nicht. Erst zwei Tage später fand man ihn – er hatte sich unter einer Plane versteckt und war dann wohl doch zu müde, um weiterzumachen.

Affen dringen immer mal wieder in Ortschaften vor. Dass sich jedoch einer auf den langen Weg bis in die Innenstadt macht, ist dann doch eher selten. Dabei sind die Tiere in der Regel harmlos – man sollte ihnen nur nicht zu lange in die Augen schauen oder zu nahe auf die Pelle rücken. Nur dann können sie unangenehm werden. Die japanischen Affen sind zwar klein, haben aber mehr Kraft als ein Durchschnittsmensch.

Dank der vielen Medienvertreter kursieren nun unzählige Videos über den Vorfall im Netz, siehe zum Beispiel unten von Kyodo News. Der Vorfall beweist mal wieder, wie friedvoll Japan ist. Hier schafft es ein einziger Affe ganz locker in die Hauptnachrichten.

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

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