BlogAbe's Abgang - die Suche nach dem wahren Grund

Abe's Abgang – die Suche nach dem wahren Grund

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Dass Abe, der Post-Koizumi-Ministerpräsident Japans, sein Handtuch gestern geworfen hat, wird wohl niemanden grossartig verwundert haben. Der Zeitpunkt allerdings schon. Noch vor zwei Tagen hielt er eine Grundsatzrede, in denen er klar seine Ziele umriss. Und dabei zu verstehen gab, dass er erst gehen werde, wenn er die Verlängerung der Antiterrormassnahmen, die nur bis zum 1. Nov gelten, nicht bewilligt bekommt. Und das er bis dahin durchhalten werde.
Fakt ist, dass viele Leute von ihm erwartet hatten, eher zu gehen –
vielleicht nicht gleich nach dem →Selbstmord von Landwirtschaftsminister Matsuoka Ende Mai diesen Jahres, aber doch schon nach der verheerenden Wahlniederlage am 29. Juli, durch welche die Mehrheit im Oberhaus verloren ging.
Oder nach den letzten Wochen, in denen vier seiner Kabinettsmitglieder zurücktraten (oder „zurückgetreten wurden“).
Im Interview gestern erklärte ein sichtlich fahler, angeschlagener Abe, dass er „mehr Schaden als Nutzen bringen würde, so er denn jetzt an seinem Posten festhielte“. Sein Sprecher erklärte danach, dass sich Abe nur genierte, den wahren Grund zu nennen – nämlich seinen desolaten Gesundheitszustand. Und siehe da – seit heute liegt Abe im Krankenhaus. Die Frage ist nur, warum er dann die Grundsatzrede am Montag hielt…
Man munkelt auch, dass dies mit einer skandalträchtigen Aktion zu tun haben könnte. Die 週刊現代 (Shūkan Gendai) – eine Art Super Illu auf Japanisch – will wohl in ihrer nächsten Ausgabe ausführlich über Ungereimtheiten bei einer Erbschaft berichten – es geht wohl um 300 Millionen Yen (=2 Millionen €) Steuerrückstände Abe’s.
Mit seiner Amtszeit von ca. einem Jahr liegt Abe jedenfalls im Durchschnitt – er war der 48. Ministerpräsident Japans nach dem 2. Weltkrieg.
Das Wort des Tages: 辞任する jinin suru – zurücktreten. Ji- bedeutet unter anderem „kündigen“, nin ist die Verantwortung.

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

2 Kommentare

  1. Interessant, interessant. Mich wundert es ein bisschen, dass der Specher einfach mal so, salopp zusammengefasst, sagt „Ja, Abe-san war’s nur peinlich von seinen gesundheitlichen Problemen zu erzählen. Nehmen sie also seine Worte nicht so für voll.“.

    Findet ihr nicht auch, dass die japanische Politik nicht so bisschen einer Soap mitunter ähnelt?

  2. hallo! ich bin kuroneko alias Noriko
    in Duesseldorf!
    wie geht’s dir? hisashiburi!!

    Abe sori ist endlich abgetreten.
    ich bin froh.
    aber ich dachte,dass er noch frueh
    aufgibt. Der naechste ist sowieso doof,
    deshalb wuensche ich den Ichiro Ozawa
    von Minsyu Partei(ich weiss es nicht,
    wie die Partei auf Deutsch heisst) als
    Primeminister.:-)))

    naja, alles Gute und bis bald!

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