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7PAY gibt auf – oder: Wie viele Bezahlsysteme braucht das Volk?

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Smarte Bezahlservice-Dienstleister sprießen in Japan zur Zeit wie Pilze aus dem Boden – in einer solchen Geschwindigkeit, dass man den Überblick verliert. PayPay war als einer der ersten am Start, und man liess sich nicht lumpen – in zwei Wellen erstattete Paypay bis zu 20% des Einkaufspreises zurück, so man damit bezahlte, und verbriet so alleinbei diser Aktion 10 Milliarden Yen, also rund 80 Millionen Euro. Betrieben wird PayPay von Yahoo! Japan und Softbank, einem der drei grossen Mobilfunkbetreiber Japans. Yahoo!? Ganz recht! Während Yahoo in der westlichen Hemisphäre eher seit Jahren schwächelt, hat sich das Unternehmen in Japan hervorragend eingenistet und ist gut bei der Sache. Nach einer elendig langen Anmeldeprozedur kann man bei Paypay sein Bankkonto (oder seine Kreditkarte, aber die muss, welch Zufall, von Yahoo ausgestellt sein) mit Paypay verbinden und so jederzeit sein Paypay-Konto auffüllen und einfach mit dem Handy bezahlen.
Plötzlich tauchten neue Namen auf – FamiPay, LINE Pay, Alipay, Merupay zum Beispiel oder 7Pay vom Einzelhandelsgiganten 7-Eleven (siehe Foto – das zeigt die Vielzahl der Bezahlmethoden in einem Convenience Store in Japan). Als ITler hat man da erstmal nur einen Gedanken: Wer so überhastet Bezahlsysteme auf den Markt wirft, übersieht mit Sicherheit riesengroße Sicherheitslücken. Und siehe da, am Tag nach meiner Unterhaltung mit jemandem über dieses Thema kam die grosse Schlagzeile: Millionenbetrug bei 7Pay. Einige hundert Benutzer staunten nicht schlecht, als über 7Pay ihre Konten wie durch Geisterhand leergeräumt wurden. Der Schaden war angerichtet, und die Skeptiker zufrieden. Heute gab das Konsortium nun bekannt, das Projekt 7Pay einzumotten.
Wie viele elektronische Bezahlsysteme braucht das Land? Werden sich die stolzen Ausgaben von Paypay irgendwann amortisieren? Aus Neu- wie Geldgier hatte auch ich mich bei Paypay angemeldet, und da mein Stammsupermarkt Paypay ebenso akzeptiert wie meine Stammkneipe, war das praktisch und ziemlich lukrativ. Allerdings war ich mir ziemlich sicher, dass, sobald die Kickback-Aktion beendet ist, ich wieder zu herkömmlichen Bezahlmethoden (Bargeld, Kreditkarte, Suica) zurückgreifen werde, und so geschah es dann auch. Das liegt unter anderem auch daran, dass ich weiss, das der Einzelhandel für diese Annehmlichkeiten Prozente lassen muss, und da viele Ladenbesitzer hart am Limit operieren, fühle ich mich jedes Mal ein bisschen schlecht, wenn ich mit einer Karte zahle (bei Restaurantketten und dergleichen habe ich da natürlich kein Problem).

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

2 Kommentare

  1. Hab mich ein wenig über die Suica informiert. Doch stellt sich mir die Frage woher das System weiss wohin ich fahren will, sprich welcher Preis zu berechnen ist? Zudem hat man ja kein Ticket, was ist wenn man kontrolliert wird?

    • Von Provinzbahnhöfen mal abgesehen kann man nur auf den Bahnsteig, wenn man eine Schranke passiert – entweder mit einem gültigen Ticket oder einer IC-Karte mit der Suica. Das geht dann ganz einfach: Beim „Einchecken“ wird der geringste Betrag (also der bis zum nächsten Bahnhof) provisorisch angerechnet. Wenn man dann am Ziel aussteigt, kalkuliert das System die Gesamtfahrtkosten bis dahin.

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