Jetzt amtlich: Tabibito.de ist coronasicher

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    Jetzt amtlich: Tabibito ist coronasicher!
    Jetzt amtlich: Tabibito ist coronasicher!

    Man sieht sie nunmehr fast überall in Tokyo – grün-weisse Sticker mit einem Regenbogen sowie dem Namen des jeweiligen Geschäfts. Der Sticker weist daraufhin, dass in diesem Geschäft bzw. in dieser Firma alles daran gesetzt wird, um die weitere Verbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Unterzeichnet von der Stadt Tokyo, nebst offiziellem Symbol (dem Gingko-Blatt). Dieser kleine Aufkleber beziehungsweise Zettel wird auch in den Medien beworben – so rief Koike, Governeurin von Tokyo, mehrfach dazu auf, nur solche Geschäfte aufzusuchen, die über diesen Sticker verfügen. Andere Geschäfte soll man entsprechend meiden.

    Jedes Mal, wenn ich vom Büro zum Bahnhof laufe, komme ich an einer kleinen, engen und lauten Bar vorbei. Dort geht es eigentlich immer hoch her – die Menschen sitzen eng beisammen, es wird geraucht, gelacht, und die Tür ist immer sperrangelweit offen. Etwas ungewöhnlich für Japan, aber auch das gibt es. Ich kann also beim Vorbeigehen hereinschauen und sehen, was drinnen los ist. Und was ist drinnen los? Nun, da amüsieren sich grölende Menschen, ohne Masken, ganz dicht beieinander sitzend oder stehend, rauchend und saufend. Und seit kurzem klebt der grüne Sticker neben der Eingangstür. Ein durch die Stadt Tokyo verbürgtes Etablissement also, in dem Corona keine Chance hat. Das gleiche fiel mir bei einem Bummel neulich in Ikebukuro auf. Der Eingang dort fiel mir eigentlich nur auf, weil er durch ein “Foreigners can not enter – Japanese only”-Schild bestach. Das sieht man nicht mehr allzu oft in Japan, aber es gibt sie doch noch hier und da. Hier geht es aber nicht um eine Bar oder ähnliches, sondern um einen im Japanischen gern euphemistisch als “Adult Health” bezeichneten Laden, anderswo einfach nur Bordell oder Puff genannt. Auch hier prangten gleich mehrere Hinweise am Eingangsbereich: Und zwar dass hier Yakuza, Ausländer und Coronaviren keine Chance haben. Ah ja.

    Um meinen Lesern nun also die absolute Gewissheit zu geben, dass sie sich beim Lesen des Japan-Almanach ganz sicher nicht anstecken werden, habe ich weder Kosten noch Mühe gescheut, diesen Blog hier zu zertifizieren. Es ist nun amtlich: Bei Tabibito wird alles, aber auch wirklich alles getan, um dem Virus keine Chance zu geben. Tastaturen werden von aussen desinfiziert, und der Autor desinfiziert sich gelegentlich von innen (nein, nicht nach der trump’schen Methode, versteht sich). Hände werden stets gereinigt, Zähne geputzt, und Leser werden nicht umarmt. . Ausserdem habe ich nicht die Mühe gescheut, das offizielle Siegel zu beantragen. Ganze 5 Minuten hat das nämlich gedauert: Dazu musste ich mühevoll eine Webseite aufraufen, ein paar Checkboxen anklicken, ein paar Daten angeben, und schon war alles in bester Ordnung.

    Ich weiss nicht recht, was ich von der Idee halten soll. Ich wage stark zu bezweifeln, dass alle Geschäftsinhaber sich wirklich damit auseinandersetzen, wozu sie sich da eigentlich verpflichten. Die Stadtverwaltung gibt zwar an, dass sie möglicherweise kontrollieren kommt, aber von Bußgeldern und dergleichen ist nirgendwo die Rede. Mit diesem Hintergrund ist es deshalb problematisch, den Menschen einzureden, dass alle Läden mit diesem Sticker “sicher” sind. Ganz offensichtlich ist das, siehe Beispiel Bar oben, nämlich oft nicht der Fall. Bei Corona hilft dann letztendlich doch nur gesunder Menschenverstand, der aber bekanntermassen nicht überall gleich verteilt ist.

    1 COMMENT

    1. Waere interessant zu sehen, was die “Puffmutter” oder der “Puffvater” sagen wuerden, wenn ein “einjapanisierter Auslaender”, sprich ein “gaijin” mit japanischem Pass zu Ihnen kaeme. Ob das dann auch noch immer gilt?

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