Alles Manga oder was

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    My Hero Academia-Werbung in Shibuya
    My Hero Academia-Werbung in Shibuya

    Ob man sie liebt oder nicht – wer Kinder in Japan großzieht, kommt um die vielfältige Welt der Manga nicht herum. Erst recht nicht, wenn die liebe Frau Gemahlin ebenfalls bekennender Mangafan ist, was sie natürlich ständig in eine Zwickmühle bringt: Einerseits mahnt die Mutter in ihr ständig die Kinder, dass sie nicht andauernd Manga lesen sollen. Von Herzen kommt die Ermahnung freilich nicht – sie war in ihrer Kindheit keinen Deut besser.

    Behutsam werden die lieben Kleinen an das Thema herangeführt. Das geht mit dem allgegenwärtigen Anpanman los, und führt dann über PreCure (für Mädchen) und Yokai Watch, Doraemon, Chibi Marukochan, Crayon Shinchan und dergleichen zu Pokemon, Dragonball, One Piece zu den schon etwas „härteren“ Sachen. Zwischenzeitlich wird dann auch noch eine große Portion Liebe zu den Ghibli-Werken eingeimpft. Interessant wird natürlich, wie sich die Geschmäcker dann verändern, denn Manga gibt es für alle möglichen Genre – Liebesschmonzetten, Sportmanga, Horrormangas und so weiter. Meine Tochter hat sich brav und artig und ohne langes Zögern auf Horror und dergleichen spezialisiert. An den Regalen mit den zigtausenden Manga für pubertierende Mädchen läuft sie angewidert vorbei.  Das ist vernünftig. Obwohl ich mir nun natürlich Sorgen ob der Aufklärung machen muss. Sie weiß nun sicher sehr gut bescheid, wie man mit blutsaufenden Monstren klarkommt, nicht aber wie man… lassen wir das. 

    Ganz hoch im Kurs steht zur Zeit offensichtlich 鬼滅の刃 Kimetsu no Yaiba (die „Teufelsausmerzerklinge“). Band 22 erscheint morgen, und von dem wurden vorsorglich schon mal 3,7 Millionen (!) Exemplare gedruckt. Will heissen, man erwartet, das 3% der japanischen Gesamtbevölkerung die 1. Auflage kaufen wird. Dieser Manga, den es auch schon als Anime auf Netflix gibt, ist ein schönes Beispiel dafür, wie unterschiedlich das Teufelsbild in den Kulturen ist. Sicher, die japanischen Teufel sind auch böse, aber sie sind dann doch etwas anderes als der „Leibhaftige“ in der westlichen Kultur. Mit anderen Worten: Es fehlt der christliche Respekt vor’m Urian. Wenn das nach dem Ableben mal gut geht…

    Ein weiterer Renner ist zur Zeit auch „My Hero Academia“. Von mir vorsichtshalber „My Hero Macademia“ getauft, was meine Tochter regelmäßig auf die Palme bringt. Laut selbiger ist dieser Manga ein absoluter Geheimtipp, wovon ich mich am nächsten Tag auch gleich im Bahnhof von Shibuya überzeugen konnte, wo eine aufwändig erstellte Werbung permanent über einen 3 m grossen und 20 Meter langen Bildschirm flimmerte. So richtig underground eben – im Gesamtranking der Manga liegt es aber mit 47 Millionen verkauften Büchern in der Tat nur auf Platz 90 (mit fast 500 Millionen Büchern unangefochten auf Platz 1: One Piece – eine Liste der Top 100 gibt es hier).

    Nun ja, wie heißt es immer so schön: Manga lesen ist immer noch besser als gar nicht zu lesen. Kann man so nicht ganz von der Hand weisen…

    5 COMMENTS

    1. Zum Glück hat mein jüngster Spross keinerlei Interesse für Manga. Lesen schon, aber nur im äußersten Notfall. Dafür hat er schon den dritten PC, er ist 11 Jahre, an seinem Schreibtisch stehen. Mit Goolge Konto, Youtube und einem gut ausgestatteten Steam Account. Viel besser ist das auch nicht (ich denke an die vielen Konsolen von seinen Geschwistern), aber das er mit Linux aller Couleur arbeitet, macht mich irgendwie stolz wie Oskar. Ob er mal später in Richtung IT geht bezweifle ich, denn an keinem Klavier / Piano (Unterricht seit dem 5. Lebensjahr) kommt er vorbei.

      Eine echte Mangainhaliererin ist meine Tochter. Gefühlt an der Masse die in unserem Haus lagert, muss es der gesamte Bestand sein der jemals in Deutschland erschienen ist. Ich komme mit den Büchern eher nicht klar, da mir der Lesevorgang (von hinten nach vorne) suspekt ist.

      • “da mir der Lesevorgang (von hinten nach vorne) suspekt ist”

        ernsthaft? hat da etwa ein gruppenzwang zugeschlagen, der besagt, bücher sind grundsätzlich nur ok wenn sie von rechts nach links blätternd voranschreiten? und das ganz ohne ddr-aufwuchs, tz… du armer!

    2. Ich muss ein wenig schmunzeln – Eltern sein ähnelt sich auf dieser Welt doch sehr, egal wo man lebt.

      Meine Kinder lesen so ziemlich alles total gerne. Natürlich auch Comics aller Art und Mangas sind ihre neuste Entdeckung. Ich unterstütze das komplett. Ich lese sie auch gerne und in Deutschland ist das ja auch ein Beitrag zur Kulturverständigung. Bücher von hinten nach vorne zu lesen ist schon aufregend an sich.
      Mein Sohn möchte jetzt japanisch lernen, um die Auswahl zu erweitern (und weil er Samurai werden will), das ist doch schon ein positiver Effekt!

      Als Ausgleich könntest du ihnen ja ab und zu einen Asterix und Obelix Band unter die Nase halten.

    3. Hallo,
      naja, Manga sind für mich nur interessant, wenn der Anime nicht weitergeführt wird, aber das ist Geschmackssache, wie alles andere auch. Comics mag ich nach wie vor eher im westlichen Stil.
      Allerdings war ich bei meinen Urlauben in Japan natürlich auch in einigen der riesigen Manga und Anime Kaufhäuser ( sorry aber Laden reicht als Bezeichnung nicht, 5 Stockwerke Manga, Anime und verwandtes sind ein Kaufhaus ) und habe da auch das eine oder andere erstanden, und mich über anderes gewundert.

    4. Ich werde wohl ein ähnliches Problem bekommen, wie der Reisende. Bei meiner Frau sind es die Weltraum Brüder und der pedalierende Schwächling. Die Anime zu beiden hat sie ebenfalls verschlungen. Mit dem Effekt, dass ich den fiktiven Song aus 弱虫ペダル manchmal nicht aus den Ohren bekomme und dann leise vor mich “Hime, Hime …” hinsummend durch das Büro wandele.

      Wenn ich mir dann aber mal eine Folge ワンパンマン gönne, werde ich schräg angeschaut. Das sei ja ein Otaku Manga. Janeisklar.

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