Japans Einreisepraxis im Schatten von Corona

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    3D-Darstellung eines Corona-Virus (Quelle: Wikipedia)

    Momentan macht dieser Artikel der Japan Times die Runde unter den in Japan lebenden Ausländern – berechtigterweise, denn aufgrund der wegen Corona erlassenen Maßnahmen herrscht große Unsicherheit. Japan hat nämlich vor einigen Wochen beschlossen, dass alle Ausländer, die nach dem 3. April in gefährdete Regionen reisten, vorläufig nicht nach Japan einreisen können. Und die Liste der gefährdeten Regionen ist lang – beim aktuellen Stand gehören mehr als 100 Länder dazu, darunter auch Deutschland.

    Die Regel betrifft alle Ausländer, die nach dem 3. April ausreisten – und schliesst nicht nur Touristen, sondern auch “permanent residents” ein, also Ausländer mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung. Jene mit Langzeitvisa, die vor dem 3. April ausreisten, “sollten wieder einreisen dürfen”, aber das “sollte” bedeutet, das es keine genaue Regelung gibt. Mit anderen Worten: Wer ein Visum hat oder gar eine permanente Aufenthaltsgenehmigung, und wer in den letzten Monaten das Land verlassen hat, hat möglicherweise nicht die Möglichkeit, nach Japan zurückzukehren. Vorerst zumindest. Wer ein Visum hat und gerade in Japan ist, sollte dann dementsprechend Japan auch vorerst besser nicht verlassen, da die Gefahr gross ist, nicht mehr einreisen zu dürfen.

    Als sich Japan das letzte Mal komplett von der Außenwelt abschottete, dauerte die Abschottung über 200 Jahre lang – von 1635 bis 1854. Dieses Mal dauert es hoffentlich nicht so lange, aber man muss bei der Entscheidung zwangsläufig an die BSE-Regel denken: Wer aus Ländern stammt, in denen BSE grassierte – das war vor fast einem Vierteljahrhundert wohlgemerkt und beinhaltet Deutschland, Frankreich und einige andere Staaten, oder wer dort länger als ein paar Monate weilte, darf in Japan kein Blut spenden. Beziehungsweise wird man darum gebeten, “davon Abstand zu nehmen”, was allerdings bedeutet, dass man nicht darf. Das lässt befürchten, dass der Corona-Virus dafür sorgen könnte, dass drastische Maßnahmen angesetzt werden könnten, was die Einreise und Wiedereinreise betrifft – soweit, so gut – aber die Mühlen mahlen langsam hier, und die Sorge ist berechtigt, dass diese Maßnahmen unnötig lange bestand haben.

    Für mich persönlich bedeutet dies, jetzt in einem Goldenen Käfig zu leben. Würde ich aus welchen Gründen auch immer für ein paar Tage nach Deutschland reisen, würde man mir die Einreise verwehren – ich könnte also weder zurück zu meiner eigenen Familie noch zu meinem Arbeitsplatz. Ein grausamer Gedanke.

    2 COMMENTS

    1. Das tut mir wirklich leid! Das ist eine belastende Situation und selbst wenn keine Reisen geplant waren oder sind fühlt man sich eingesperrt. Denn ob man es möchte oder nicht-man kann einfach auf unbestimmte Zeit wichtige Menschen nicht sehen.

      Diese vielen geschlossene Grenzen sind wirklich belastend. Mitten in Europa werden alle Grenzen dicht gemacht als habe man von einer Europäischen Union und Schengen noch nichts gehört. Familien konnten sich lange nur am Zaun treffen zwischen der Schweiz und Deutschland beispielsweise. Grenzen zwischen Frankreich und Deutschland führen mitten durch Orte und waren lange dicht.
      Daran muss dringend gearbeitet werden, es gibt so viele Grenzen auf der Welt und die zwischen Nationalstaaten müssen so schnell wie möglich wieder öffnen, nationalstaatlicher Protektionismus in einer weltweiten Pandemie kann keine Lösung sein.

      Ich hoffe, dass schnell an guten Lösungen gearbeitet wird, die einerseits natürlich Menschenleben schützen aber andererseits nicht unverhältnismäßig Menschen diskriminieren und in wirklich schwierige individuelle Lagen bringen.
      Auch in Europa wird sich auf eine europäische Reisesaison vorbereitet. Mit Einschränkungen, mit Begrenzungen, mit Hygieneregeln. Aber der Tourismus ist ein riesiger Wirtschaftszweig, ich nehme an auch für Japan. Wie lange kann man seine Grenzen so dicht halten?

    2. Unser nächste Familienbesuch in Japan ist/war für kommenden Dezember geplant. Da wir erst wieder ein Flugzeug betreten werden, wenn es einen Impfstoff gibt, hat sich das vermutlich eh erledigt.
      Neben einer zeitnah erfolgreichen Impfstoffentwicklung hoffe ich im Anschluss natürlich auf eine baldige Einreiselockerung.

      Euch allen alles Gute!

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