Kurabo bringt Corona-Schnelltest für den Hausgebrauch auf den Markt

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    Eine unangenehme Eigenschaft der momentanen Corona-Epidemie ist die Tatsache, dass niemand genau zu wissen scheint, wie viele Menschen wirklich den Virus in sich tragen. Das führt zu Gerüchten und Mutmassungen jeglicher Art, aber auch zu dem Problem, dass kranke Menschen von Krankenhaus zu Krankenhaus geschickt werden, bis ihnen endlich ein Corona-Test genehmigt wird. Laut diesen Daten wurden in Japan bisher ziemlich genau 10,000 Menschen getestet – 655 von ihnen positiv. Die einzige Testmethode ist zur Zeit der sogenannte PCR-Test, der nur in einigen wenigen Labors mit begrenzten Kapazitäten ausgeführt werden kann. Dieser Test kostet 18,000 yen (also rund 150 Euro) pro Test, dauert rund 6 Stunden und muss von den Gesundheitsbehörden erst genehmigt werden.

    Laut dieser Pressemitteilung vom heutigen Tag (12. März 2020) hat 倉敷紡績株式会社 Kurabo Industries, ein japanischer Chemiekonzern mit knapp 5’000 Angestellten, ein Schnelltestset entwickelt, mit dem man innerhalb von 15 Minuten feststellen kann, ob man den Corona-Virus in sich trägt oder nicht. Man braucht nur einen Tropfen Blut dazu, und die Genauigkeit soll ersten Tests zufolge bei rund 95% liegen. Vor allem soll das Virus damit bereits im Anfangsstadium der Infektion erkannt werden können. Damit liesse sich erstmal arbeiten.

    Der Pressemitteilung zufolge sollen die Tests ab dem 16. März verkauft werden – für 25,000 Yen (rund 200 Euro), aber mit dem Set kann man insgesamt 10 Mal (bzw. 10 verschiedene Menschen) testen. Wenn diese Angaben wirklich stimmen, und wenn der Test schnell und in grosser Menge produziert werden kann, wäre das sehr erfreulich — allerdings auch ein bisschen besorgniserregend. Will man wirklich wissen, wie viele Menschen infiziert sind? Letztendlich aber schon, denn nur so kann das Virus auch wirklich bekämpft werden, denn nichts hilft Corona mehr als die Verschleierung der tatsächlichen Verbreitung.

    Es ist keine Überraschung, dass Kurabou damit zum Geisterfahrer der aktiennotierten Unternehmen wurde – nach Bekanntgabe der Pressemitteilung gegen 13:30 stieg der Aktienkurs binnen Minuten um rund 25%, bevor eine automatische Bremse für den Kurs einsetzte.

    8 COMMENTS

    1. Vermarktete Schnelltests suchen nicht nach Erregern, sondern nach Antikörpern. Komplett ungeklärt ist, ob ein positiver Test nicht durch eine frühere Infektion mit einem anderen Coronavirus verursacht wird.
      Nur soviel dazu.

      • Laut Pressemitteilung testet das Kit wohl nur auf SARS-CoV-2 und keine anderen Coronaviren. Dass es nach Antikörpern schaut ist richtig, aber da die Epidemie noch relativ neu ist, wäre das trotzdem hilfreich – zumindest um rauszufinden, ob es eine Dunkelziffer gibt und wenn ja in welchen Ausmassen.

    2. Waere ja schoen, wenn es etwas bringen wuerde.
      Leider hat mich Jpaan aber hinsichtlich Forschung in vielem enttaeuscht, siehe Stammzellenforschung vor ein paar Jahren etc. Nein, ich sehe in Japan nicht alles negativ, dafuer lebe ich schon zu lange hier und werde eines Tages auch hier meine letzte Ruhe finden, aber bei einigen Dingen sehe ich halt doch mehr “Schein als sein”!

    3. “und wenn der Test schnell und in grosser Menge produziert werden kann, wäre das sehr erfreulich”

      95% Genauigkeit?

      Nee, absolut nicht erfreulich.

      Erstens gehen dann Kranke, die ja “getested Corona-frei” sind auf die Straße. Immerhin jeder 20. Kranke der sich damit testet.

      Zweitens, viel schlimmer: Stellt euch mal vor, es testet sich nur jeder zehnte damit. Das macht dann in Japan ca. 600.000 die meinen sie seien an diesem Virus erkrankt (schließlich kann man sogar andere anstecken bevor man Symptome bekommt).
      600.000 die die Krankenhäuser stürmen.

      • Ich denke schon, dass der Test ein Fortschritt ist. Nicht für den Einzelnen, und auch nicht als ultimativen Test, um zu sagen “sie können unbekümmert nach Hause gehen”, sondern um schneller herauszufinden, wo der Virus in welchem Umfang bereits verbreitet ist oder war. Dementsprechend kann man dann genauere PCR-Testreihen ansetzen. Alle Daten helfen, um zu verstehen, was hier eigentlich abgeht.

      • “Erstens gehen dann Kranke, die ja “getested Corona-frei” sind auf die Straße. Immerhin jeder 20. Kranke der sich damit testet.” – wenn die anderen 19 zu hause bleiben, obwohl sie sympthomfrei sind, wär das m.e. schonmal ein grosser schritt.

        “600.000 die die Krankenhäuser stürmen.” – warum sollten sie? Nur ein kleinerer teil braucht medizinische versorgung (5-10% sind immer noch genug, aber eben doch deutlich weniger und daher einfacher handhabbar.), der grossteil soll/muss einfach zu hause bleiben.

        Ja, 99% wären besser, 99.9% noch besser. Aber 95% sind mit 100% sicherheit besser als grobe abschätzung anhand von sympthomen, die sich so stark mit erkältungs- und mit grippesympthomen überlappen (meine unerhebliche schätzung der selbsteinschätzungsgenauigkeit: 10% vielleicht?).

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