Microsoft-Experiment in Japan offenbart: Weniger Arbeit ist mehr

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    Microsoft HQ via Techspot.com
    Microsoft HQ via Techspot.com

    Von IT-Riesen wie Microsoft oder Amazon sollte man eine Vorreiterrolle erwarten, und dem werden die Konzerne mitunter auch mal gerecht. So haben sich die Arbeitsbedingungen bei Amazon Japan, der IT-Abteilung, wohlgemerkt, innerhalb des vergangenen Jahrzehnts dramatisch verbessert. Auch bei Microsoft bewegt man sich: Im August führte man in Japan ein interessantes Experiment durch¹ – mit insgesamt 2’300 fest angestellten Mitarbeitern. Die Regeln waren relativ einfach:

    1. Freitage wurden zu bezahltem Urlaub – Mitarbeiter hatten so eine 4-Tage-Woche
    2. Mitarbeiter sollten, soweit möglich, Meetings und Emails mit internen Chatsystemen ersetzen
    3. So ein Meeting erforderlich war, sollten die Teilnehmer auf maximal 5 Personen und die Zeit auf 30 Minuten begrenzt werden

    Die Ergebnisse sprachen für sich: Im Vergleich zum August des vergangenen Jahres

    1. Stieg der Umsatz pro Kopf um knapp 40%
    2. Sank die Menge verbrauchten Papiers um fast 60%
    3. Sank die verbrauchte Strommenge um über 20%
    4. Waren 92% der Beteiligten mit der Situation zufrieden

    Angesichts der obigen Zahlen sollte das eigentlich ein no-brainer sein: Experiment geglückt, alle zufrieden, also implementieren. Doch daraus wird nichts: Microsoft gab an, dass man die 4-Tage-Woche nicht dauerhaft einführen werde, womöglich aber gelegentlich darauf zurückgreift.

    Ein Blick hinter die Kulissen hilft die Situation besser zu verstehen. Zum einen ist der Monat August einer der umsatzschwächsten Monate in Japan, da viele in der Mitte des Monats rund eine Woche Urlaub machen, und sich aufgrund der Hitze die Räder sowieso ein bisschen langsamer drehen. Ausserdem ist zum einen nicht klar, wie viel Arbeit im August im Vergleich zum Vorjahr liegenblieb, und da wäre dann auch noch der psychologische Aspekt zu berücksichtigen: Wie viele Angestellte erhofften sich ein positives Resultat und arbeiteten deshalb, bewusst oder unbewusst, konzentrierter als sonst? Nur eine Langzeitstudie kann dazu wirklich Auskunft geben.

    Fakt ist jedoch, dass Japan in Sachen Produktivität schlecht darsteht. In einem Vergleich von 35 OECD-Ländern² belegt Japan bei der Arbeitsstundenproduktivität nur Platz 20 – man befindet sich also, trotz der (meist) fortgeschrittenen Technologie und permanent verbesserten Arbeitsabläufe im hinteren Mittelfeld. Microsoft hat hier bei den Meetings genau den richtigen Hebel angesetzt. In der durchschnittlichen japanischen Firma gibt es viel zu viele Meetings, mit viel zu vielen Teilnehmern. Und nicht nur dass – oft sind die Meetings unstrukturiert, meistens gibt es nicht mal eine Agenda, und, auch das ist leider bei weitem keine Seltenheit, nur ein einziges Ergebnis: Dass man sich wieder treffen sollte, um das Gespräch fortzuführen. Hinzu kommt, dass bei Meetings noch immer die Anwesenden mit viel Papier gefüttert werden. Eigentlich sollte das ein Relikt aus vergangener Zeit sein.

    Die Studie platzt jedoch genau in eine Zeit, in der auch die Politik immer mehr über den Sinn und Unsinn überlanger Arbeitszeiten diskutiert. Das ist der positive Effekt des Ganzen, und das sollte auf der Agenda der Manager und Politiker stehen: Unnötiges vermeiden, Arbeitszeiten verkürzen, und vor allen den männlichen Angestellten das längere Zusammensein mit der Familie schmackhaft zu machen. Vielleicht geht es ja dann auch irgendwann mit der Geburtenrate wieder etwas aufwärts.

    ¹ Siehe hier
    ² Siehe hier

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