Südkyushu-Tour 2019

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    Nun ist sie zu Ende – die Kyushu-Rundfuhrt, wahrscheinlich die Nummer 6, wenn ich mich nicht verzählt habe. Diese Tour stand ganz im Zeichen von 火山 (kazan, Vulkan) und 秘境 hikyō – abgelegen Orten. Wie so oft begann die Tour in Kumamoto, mit zwei Abstechern zum Aso-Massiv: Einerseits zu einem Ort namens 押戸岩 Oshitoiwa, der als einer der Drehorte der Verfilmung “Attack on Titan” Berühmtheit erlangte. Wer in Deutschland die Teufelsmauer kennt, wird hier ein bisschen enttäuscht sein, aber die Aussicht auf das Aso-Massiv ist den Abstecher allemal wert, zumal der Aso momentan (um genau zu sein, seit April 2019) regelmässig und deutlich sichtbar Asche spuckt – zum Leidwesen der Anwohner.

    Blick von Oshitoiwa zum rauchenden Aso
    Blick von Oshitoiwa zum rauchenden Aso

    Übernachtet wurde dieses Mal in der sehr neuen und sehr empfehlenswerten Pension Himawari in Minami-Aso, bei einem extrem freundlichen Pensionsherren, der mich am nächsten Morgen zu einem interessanten Ort brachte: Ein Veranstaltungsgelände auf halber Höhe der alten Kraterwand, mit einer grossen Bühne mit dem Aso im Hintergrund. Hier finden gelegentlich Festivals statt, und wenn nicht, kann man seine eigene CD mitbringen und sich vor grandioser Kulisse für 1’000 Yen pro Stunde beschallen lassen. 1’000 Yense hatte ich mehrfach dabei, CDs leider nicht. Prinzipiell ist die Idee sehr verlockend.

    Die Bühne -- hier kann man in voller Lautstärke seine Lieblingsmusik hören
    Die Bühne — hier kann man in voller Lautstärke seine Lieblingsmusik hören

    Danach ging es mit dem Auto bis zur Seilbahnstation am Aso. Die Seibahn wurde leider beim schweren Erdbeben zerstört, aber die weitere Kraterregion ist aufgrund der erhöhten Aktivität sowieso gesperrt. Die dünne Ascheschicht, die gerade von zahlreichen Angestellten beseitigt wurde (und das gehört seit Monaten zur Routine) zeugte davon. Vom Aso ging es wieder runter ins Tal und danach Richtung Süden nach 椎葉 Shiiba, einem Dorf mitten in den Bergen. Das Dorf zählt zu einer der drei bekanntesten 秘境 (abgelegenen Ecken), was man aber nicht ernst nehmen muss, denn letztendlich gibt es in Japan zehntausende sehr abgelegene Ecken. Da Shiiba komplett von hohen Bergen umgeben ist, geht in einigen Teilen des Dorfes die Sonne selbst im Sommer um 3 Uhr unter. Man rühmt sich eines alten Gebäudekomplexes und eines kleinen Museums, das die lokalen Gebräuche erklärt. Interessant: Ein alter Kompass, mit dem je nach Jahreszeit bestimmt wird, in welchem Bereich momentan Wildschweine gejagt werden dürfen und wo nicht. Uralter Bestandsschutz, in dem Sinne.

    Altes Wohnhaus in Shiiba
    Altes Wohnhaus in Shiiba

    Eine ältere Frau am alten Gebäudekomplex war scheinbar froh über jeden Besucher und wich mir eine geraume Zeit nicht von der Seite. Sie liess mich eine Frucht namens Akebi (Schokoladenwein) probieren und gab mir noch Samen einer speziellen Pflanze (Hanaokura) mit. Direkt neben dem alten Haus gab es ein wohnzimmerähnliches Soba-Restaurant, und dort zu essen war keine schlechte Idee, denn auf dem Weg von Shiiba weiter Richtung Süden gab es nichts, aber auch absolut gar nichts. Erst nach rund 50 Kilometern begann wieder bewohntes Gebiet, und gegen Abend erreichte ich schliesslich Ebino, eine kleine Stadt ganz im Westen von Miyazaki. Offensichtlich hatte Ebino schon bessere Zeiten gesehen: Meine Herberge, das Matsuo Ryokan, war uralt, und das bezieht sich auch auf die Futons, das Mobiliar und die Angestellten. Viele freie Flächen, heruntergekommene Gebäude und geschlossenen Läden sprechen eine deutliche Sprache: Hier geht’s seit langem bergab. Besucher bleiben aus, und die jungen Leute ziehen, so sie können, weg, in die Großstädte. In Japan leider ein sehr häufiges Bild.

    Vergnügungsviertel von Ebino: Der Lack ist ab...
    Vergnügungsviertel von Ebino: Der Lack ist ab…

    Am nächsten Morgen sah es stark nach Regen aus, und die Vorhersage bekräftigte die schlimmsten Befürchtungen: Drei Tage Regen. Vor der Fahrt zum Berg also noch schnell einen Regenschirm gekauft, und siehe da, kaum trete ich aus dem Laden, fängt es auch schon an zu regnen. Egal – mit dem Auto geht es weiter Richtung Süden zum Ebino-Plateau, das immerhin auf rund 1’200 Meter Höhe liegt. Un siehe da: kein Regen. Ich beschliesse also trotz Vorhersage den Aufstieg, lasse aber sicherheitshalber die Kamera im Auto und nehme stattdessen den Regenschirm mit. Logischerweise wird es in den folgenden Stunden natürlich nicht regnen – ganz im Gegenteil, es wurde sogar teilweise heiter. Gegen 10 Uhr beginne ich mit dem Aufstieg, der nur circa 90 Minuten dauern soll. Das hier ist das Kirishima-Massiv, Teil des gleichnamigen Nationalparks. Kirishima besteht aus einer Kette größerer und kleinerer Vulkane. Der höchste Gipfel ist der Karakunidake und 1’700 Meter hoch – vom Parkplatz am Ebino-Plateau deshalb leicht und schnell erreichbar. Drei der Vulkane in Kirishima sind momentan gesperrt, darunter der gut 1’400 m hohe 新燃岳 Shin-Moetake (“neuer brennender Berg”), und genau der muss sich natürlich unter einer Wolkendecke befinden. Der Aufstieg ist leicht. Im unteren Bereich ist es etwas waldig, und ein deutlicher Schwefelgeruch liegt in der Luft. Auf halber Höhe, so ab der 7. Station, wird die Vegetation spärlicher. Und die 10. Station, also der Gipfel, befindet sich auf der zum Krater hin ordnungsgemäß senkrecht abfallenden Kraterwand. Keine 60 Minuten hatte der Aufstieg letztendlich gedauert – für eine Bergwanderung definitiv zu kurz.

    Krater des Karakunidake
    Krater des Karakunidake

    Nach dem Abstieg ging es flott weiter Richtung Süden, zur Bucht von Kagoshima. Hier und dort sieht man beeindruckende Fumerolen entlang der Strasse, und natürlich gibt es hier zahlreiche heisse Quellen.

    Der nördliche Teil der Bucht von Kagoshima ist kreisrund und war selbst ein gigantischer, heute mit Wasser gefüllter Krater (bekannt als Aira-Kaldera). Und in der Mitte der Bucht steht der imposante Sakurajima-Vulkan, der bis zu einer massiven Eruption im Jahr 1914 eine Insel war. Auch der Sakurajima ist derzeit recht aktiv – nahezu die gesamte Halbinsel ist mit einem zarten Grauschleier bedeckt, und an der Aussichtsplattform im Süden auf gut 300 Meter Höhe spürt man die Vulkanasche deutlich in der Luft. Wie es mit dem Sakurajima weitergeht, ist schwer zu sagen: Seit ein paar Monaten ist er aktiver als üblich – mal zieht die Asche dabei direkt in die nahegelegene Großstadt Kagoshima, mal in die andere Richtung.

    Sakurajima: Die Wolke rechts ist eine Aschewolke
    Sakurajima: Die Wolke rechts ist eine Aschewolke

    Nach der Umrundung des Vulkans ging es erstmal Richtung Osten, auf die andere Seite der Ōsumi-Halbinsel, und zwar nach Shibushi. Warum Shibushi? Hauptsächlich zog mich der Name dort hin, denn in Shibushi steht das 志布志市志布志支所 (shibushi-shi shibushi shisho) – in Hiragana geschrieben sieht das noch schlimmer aus: しぶしししぶしししょ. Die Shibushi-Zweigstelle des Rathauses der Stadt Shibushi. Und als ob das nicht genug wäre, lautet die Adresse der Zweigstelle Shibushi-shi Shibushi-chō Shibushi (das erste und zweite “shi” im Stadtnamen wird dabei auch noch mit dem gleichen Schriftzeichen geschrieben!).

    Dieser Zug verbindet Shibushi mit dem Rest der Welt - und bei starkem Regen fährt er nicht.
    Dieser Zug verbindet Shibushi mit dem Rest der Welt – und bei starkem Regen fährt er nicht.

    Shibushi ist hauptsächlich als Hafenstadt bekannt – Passagierfähren fahren von Tokyo, Osaka und Okinawa hierher. Das Stadtzentrum als solches ist allerdings “tot” – auch hier, wie in Ebino, sind viele Gebäude in der Innenstadt verfallen, heruntergekommen oder ganz verschwunden – der Bevölkerungsrückgang durch Wegzug und geringe Geburtenrate hat hier voll zugeschlagen. Dabei gibt es durchaus eine interessante Ecke in der Stadt – in der alten Burgunterstadt findet man viele alte, schöne Häuser mit traditionellen Gärten, und das beste daran ist, dass die Häuser zu einem grossen Teil wirklich noch bewohnt sind.

    Nach einer Nacht im Nirgendwo, weit weg vom Zentrum von Shibushi, aber nahe an einer grossen, heissen Quelle, ging es nach Süden – Ziel war das 佐多岬 Sata-Kap, die südlichste Spitze der 本土 hondo, der 4 japanischen Hauptinseln, wie sie damals auch in Deutschland im Geographieunterricht gelehrt wurden. Man spricht hier übrigens nicht vom südlichsten Punkt von Kyushu, denn in Japan bezeichnet Kyushu weniger die Insel Kyushu, sondern die Region, und die schliesst etliche Inseln weiter südlich (wie zum Beispiel Yakushima, Tanegashima oder Amami) mit ein. Gegen halb elf fuhr ich los – bis zum Kap sind es gute 70 Kilometer quer durch die Berge, und da es noch früh war, dachte ich naiverweise, dass ich unterwegs etwas essen könne. Pustekuchen: Innerhalb der nächsten 5, 6 Stunden Autofahrt gab es nichts, aber auch absolut gar nichts – weder ein Restaurant, noch einen Laden, noch einen Convenience Store. Mit anderen Worten: Auf der Osumi-Halbinsel ist der Hund begraben. Aber mitten im nirgendwo steht eine grosse Anlage der JAXA, der japanischen Weltraumagentur, nebst Raketenabschußrampe. Und nach einer kurzen Anmeldung darf man sogar rein.

    Uchinoura Space Center der JAXA
    Uchinoura Space Center der JAXA

    Kap Sata war schön – vor allem die Vegetation, die dort plötzlich ins tropisch-subtropische wechselt. Bis zum Leuchtturm kommt man zwar nicht, dafür aber zu einem Aussichtspunkt, von dem man die Bucht von Kagoshima, die Satsuma-Halbinsel (auf der anderen Seite der Bucht) sowie bei gutem Wetter Iojima, Yakushima, Tanegashima und ein paar weitere Inseln sehen kann.

    Kap Sata
    Kap Sata

    Noch immer mit leerem Magen ging es auf der anderen Seite der fast menschenleeren Halbinsel gen Norden bis nach 根占 Nejime, wo ich gegen 16 Uhr dann doch auf den ersten Convenience Store seit dem Morgen traf. Das Timing war gut, denn die einzige Autofähre des Tages setzt 17 Uhr über. Die Überfahrt auf die andere Seite der Bucht nach Yamagawa dauert rund 60 Minuten, kostet 2’900 Yen und ist landschaftlich spektakulär – Wasser, Berge, darunter ein paar Vulkane — was will man mehr.

    Von Yamagawa bis zur Kleinstadt 指宿 Ibusuki sind es nur 15 Minuten mit dem Auto. An der Pension angekommen, öffnet eine Chinesin mit Kleinkind auf dem Arm die Tür und sagt, ich solle ihr mit dem Auto folgen, sie fahre mit dem Fahrrad vor. Eine Minute später landen wir vor einem ziemlich alten, aber sehr sauber gehaltenen Wohnhaus: Das ist meine Herberge, und ich kann mir aussuchen, ob ich wie, wo und warum schlafen werde. Küche, Waschmaschine, Fahrrad — alles da und zur freien Verfügung, und das mitten im Zentrum von Ibusuki, keine 10 Minuten zu Fuss vom Hauptbahnhof entfernt.

    Wirkt etwas ausgestorben: Zentrum von Ibusuki
    Wirkt etwas ausgestorben: Zentrum von Ibusuki

    Nachts geht es zu einem Ausflug in das zur Hälfte ausgestorbene Zentrum — im Vergleich zu Shibushi sieht es hier aber noch halbwegs gut aus. Und: Endlich essen. Nach dem Essen mache ich noch einen kleinen Abstecher in ein Kneipenrestaurant, das örtliche Spezialitäten anbietet, aber auch Sake. Selbiger wird in dieser Region übrigens nicht hergestellt, denn dazu ist es zu warm – der Sake würde einfach schlecht werden. Stattdessen gibt es hier die stärkere (meistens um die 25%ige) gebrannte Variante, den 焼酎 shōchu – in Kagoshima gern auch aus Süßkartoffeln gebrannt. Sushi und Sashimi gibt es auch, und ich unterhalte mich eine Weile mit dem Sushimeister. Eigentlich satt, bestelle ich drei Stück leicht mit dem Brenner traktierte (das nennt man 炙り aburi) Shimesaba-Sushi – eine Sushi-Art, diie ich seit jeher liebe. Und siehe da: Das war wahrscheinlich der beste Shimesaba, den ich je gegessen habe, und ich habe schon viel gegessen (Anmerkung: Shimesaba ist eine leicht in Essig marinierte Makrelenart). Als Extra legt er noch zwei Stück mit frischem カツオ katsuo – Bonito, sieht aus wie ein kleiner Thunfisch) dazu – erst am Morgen in der Gegend gefangen. Aha, so muss der also schmecken! Gibt es in Tokyo auch, aber selten fangfrisch und deshalb oft nicht komplett roh, sondern von allen Seiten ganz kurz angebraten serviert.

    Leicht angebratenes Makrelensushi - ein Gedicht!
    Leicht angebratenes Makrelensushi – ein Gedicht!

    Am nächsten Morgen geht es frisch und fromm zum Fuss des 開聞岳 Kaimondake, der mit gut 920 m Höhe mit Abstand kleinste der “100 bekanntesten Berge Japans”. Warum er trotzdem zu den “Top 100” zählt, wird sofort klar: Er hat eine fast perfekte Kegelform und steht am Ende einer langen Halbinsel direkt am Wasser. Und er ist von oben bis unten grün. Natürlich kann man ihn besteigen, aber man beginnt fast bei Meeresspiegelhöhe. Bis zum Gipfel sind es so rund 4 km, bei einem Höhenunterschied von knapp 900 Metern. Kurz vor mir trafen ein halbes Dutzend Busse voller Schüler ein – ich ahnte Böses. Egal. Erstmal hoch. Keine 30 Minuten später, durch relativ dichten Wald, kam ich bereits an der 5. Station an. Bei den meisten japanischen Bergen unterteilt man selbige in zehn Stationen – und zwar oft nach der Zeit, die man braucht, den Berg zu besteigen. Braucht man also von unten bis oben 10 Stunden, so sollte man nach 6 Stunden an der 6. Station ankommen. Ergo: Nach nur weiteren 30 Minuten sollte ich eigentlich oben ankommen. Bald merkte ich aber, dass dieser Berg nach der Wegeslänge eingeteilt wurde: Alle 400 m eine Station. Doch je mehr man sich der Spitze nähert, desto steiler wird es – von der 5. Station bis zum Gipfel dauerte es eine ganze Stunde. Und die Spitze war gut besucht: Rund 20 Leute waren bereits oben, machten Kaffee oder Instantnudeln warm. Alle 5 Minuten riss die Wolkendecke auf und gab für ein paar Sekunden den Blick auf die Umgebung frei.

    Der Kaimondake
    Der Kaimondake

    Ich machte mich, ohne etwas zu kochen, nach nur knapp 10 Minuten auf den Weg nach unten, denn ich musste bis 19 Uhr im rund 230 km entfernten Kumamoto sein. In der Nähe der 8. Station des durchgängig engen Weges traf ich zu allem Übel auf gut 230 Oberschüler — Insassen der oben erwähnten Busse. Das hiess also (fast) 230 Mal grüssen, ein paar mehr oder weniger dumme Kommentare hören und sich irgendwie an der Schlange vorbeischlängeln. Der Gipfel war aufgrund der dichten Vegetation bereits mit 20 Menschen schon voll — ich konnte mir nicht ausmalen, wie es dort oben mit 230 Leuten aussieht.

    Wanderweg auf den Gipfel
    Wanderweg auf den Gipfel

    Zu allem Übel stellte ich auch noch schnell und schmerzhaft fest, dass der Kaimondake zu jenen Bergen zählt, bei denen der Aufstieg einfacher ist als der Abstieg: Der Boden ist nahezu durchgängig von fast runden, bröseligen Tuffstein bedeckt, auf dem man ganz flink ausrutscht. Um das zu bestätigen, habe ich mich auch zwei Mal mit Schmackes hingelegt, und der eigenen Gesundheit zuliebe hernach langsamer angehen lassen. Und so dauerte der Abstieg zwei Stunden, und ich sah aus, als ob ich einen Monat auf dem Berg gelebt hätte. Da half nur: Rein ins Auto, und ab in die nächstgelegene heiße Quelle zum Duschen, Baden und Umziehen. Und da es schon fast 15 Uhr ist, ging es – noch immer ohne etwas zu Essen, mit dem Auto zügig Richtung Norden. Meine Verabredung in Kumamoto mit guten Freunden, die ich schon fast 20 Jahre lang kenne, war 19 Uhr. Um 18:55 war ich da.

    Die schöne Burg von Tomioka
    Die schöne Burg von Tomioka

    Am nächsten Tag sollte es endlich mal nach 天草 Amakusa gehen – einer Ansammlung kleinster bis ziemlich grosser Inseln westlich von Kumamoto. Bis zum Hauptort sind es gute 70 km Landstrasse, aber schon die Anfahrt ist grandios, denn es geht lange direkt am Meer entlang – mit ungetrübtem Blick auf den Unzen-Vulkan in der Nachbarpräfektur Nagasaki. Amakusa stellte ich mir lange als eine Ansammlung abgelegener Inseln mit wenig Leuten vor – das war falsch. Es ist ziemlich viel los auf den Inseln. Aber erstmal wollte ich nicht den gleichen Fehler wie an vorangegangenen Tagen machen – sondern richtig und zu einer halbwegs zivilen Zeit Mittag essen. Einer meiner Freunde, die ich am Vorabend traf, stammt von Amakusa und empfohl mir das Fischrestaurant とらや Toraya. In der Tat – es sieht urig aus, die Ware schwimmt fleissig im Fischtank vor sich hin, und es scheint in der Tat beliebt zu sein. Was ich dann aber für 2,500 yen (rund 20 Euro) als “Gehobenes Nigiri” (die günstigeren Sets kosteten 1,200 bzw. 1,800 yen) vorgesetzt bekam, war grausam: Riesige Auflagen zähen Fisches, den man kaum runterbekam. Die einzige “gehobenere” Sorte war Uni (Seeigel), und selbst der war nicht wirklich frisch. Schade eigentlich.

    Die Kirche von Sakitsu auf Amakusa
    Die Kirche von Sakitsu auf Amakusa

    Weiter ging es zu einer kleinen Inselfahrt. Überrascht hat mich die Burg von Tomioka auf einer Halbinsel im Nordwesten der Hauptinsel – eine wunderschöne und sehr gepflegte Anlage. Weniger Glück hatte ich mit den beiden berühmten Kirchen im Süden der Hauptinsel. Die Gegend ist bekannt für japanische Christen, die sich nach dem Verbot ihrer Religion hier versteckten und den Glauben aufrecht zu halten versuchten. Die Kirche von Ōe wurde gerade restauriert – man sah rein gar nichts – und die Kirche von 崎津 Sakitsu entpuppte sich als Neubar aus dem Jahr 1936. Allerdings liegt die Kirche wunderbar an einer kleinen Bucht. Man wähnt sich (fast) in Norwegen.

    Reiseroute
    Reiseroute

    1’200 Kilometer Südkyushu. Eine Gegend, die mich jedes Mal aufs Neue begeistert. Und es gibt trotz verschiedener Reisen in der Gegend noch sehr, sehr viel zu entdecken. Nächstes Mal ist aber erstmal wieder Nordkyushu dran – dort war ich schliesslich nur ein Mal unterwegs…

    Mehr wie immer später auf diesen Seiten!

    8 COMMENTS

    1. Danke für den interessanten und ausführlichen Reisebericht!
      In den letzten Jahren bin ich nie südlicher als Kumamoto gekommen. Aber die Neugier ist auf jeden Fall wieder geweckt.

    2. Schöne Tour. Bin ebenfalls in den letzten Jahren nur selten mal Kagoshima oder Miyazaki gekommen. Immerhin hatte ich Anfang Oktober eine Ausrede mal zwei Nächte in Oita zu verbringen. Rugby war die Ausrede.

    3. Wir sind selbst erst vor gut einer Woche von unserer ersten Kyushu-Reise zurückgekehrt und haben uns ebenfalls in die Gegend verliebt (Yakushima! Aso!). Es werden also sicherlich weitere Reisen dorthin folgen, und dein Artikel hält dafür noch ein paar tolle Inspirationen bereit – danke dafür :-)

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