Klimaschutz muss “sexy” werden: Echt jetzt, Umweltminister Koizumi?

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    Das neue Sternchen am japanischen Politfirmament heisst Shinjirō Koizumi. Und wer jetzt meint, den Namen Koizumi schon mal gehört zu haben, irrt sich nicht, denn der Vater war von 2001 bis 2006 japanischer Ministerpräsident und bekannt für seine hemdsärmelige Art, den Politikbetrieb umzukrempeln. Der Sohn ist gerade mal 38 Jahre alt, wurde aber jüngst zum Umweltminister berufen, und das ist in Japan durchaus etwas besonderes, denn die meisten Ministerposten werden an Politiker vergeben, die, um es mal sarkastisch auszudrücken, schon mit einem Bein im Grab stehen. Die ersten Schlagzeilen machte der neue Prinz jedoch in eigener Sache, denn er gab jüngst bekannt, Christel Takigawa (41), Tochter eines japanisch-französischen Paares und bekannt als Nachrichtensprecherin, zu ehelichen. Takigawa war allen spätestens seit ihrer Abschlusspräsentation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo ein Begriff.

    Seine grössten beruflichen Auftritt hatte Koizumi vorgestern also in New York, als zahlreiche Staats- und Regierungschefs begannen, über den Klimawandel zu diskutieren. Bei einer Pressekonferenz wurde Koizumi zu der äusserst schwachen Bilanz der japanischen Klimaschutzmaßnahmen befragt. Denn vom Glanz des 1997 verabschiedeten Kyoto-Protokolls ist nichts übrig geblieben. Gut drei Viertel seiner Energie bezieht Japan heuer aus fossilen Brennstoffen, und während in allen anderen Industrienationen damit begonnen wird, sich aus der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen zu verabschieden, werden hierzulande sogar etliche neue Kraftwerke auf Gas- und Ölbasis geplant bzw. gebaut. Ganz verwunderlich ist das nicht: Seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima infolge der Erdbeben und des Tsunamis 2011 ist der Widerstand gegen die Kernenergie gross, und man war gezwungen, das Drittel der von den AKW erzeugten Energie anderweitig zu produzieren – und zwar quasi von heute auf morgen. Da es wesentlich einfacher und billiger ist, Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen zu bauen, setzte man hauptsächlich auf Erdgas und Erdöl.

    Nach etwas Herumdrucksen forderte Umweltminister bei der Pressekonferenz schliesslich – auf Englisch – dass ein so schwerwiegendes Problem wie der Klimaschutz vor allem folgendes werden müsse: “fun”, “cool” und ja, sogar “sexy”. Das sind in der Tat neue Worte, die man so kaum von einem Minister hört, und sie wurde entsprechend gern von den Medien aufgenommen.

    Jedoch – was nutzen diese jung-dynamisch funkelnden Adjektive in dieser Debatte? Sicher, Klimaschutz muss ganz unten beginnen, bei jedem Einzelnen. Think globally, act locally. Doch mit den genannten Attributen lenkt Koizumi doch nur davon ab, dass die japanische Regierung momentan in Sachen Klimaschutz kolossal versagt. In Japan greifen das METI (Wirtschaftsministerium) und andere Behörden sonst so gern in das Geschehen ein, aber beim Klimaschutz tut sich kaum noch etwas, dabei ist auch Japan durchaus bedroht. Dennoch werden nur rund 15% der gesamten Energie klimafreundlich erzeugt – im internationalen Vergleich ist das äusserst dürftig. Auch die für die CO2-Reduktion gesetzten Ziele sind eher gering, und es ist noch nicht abzusehen, ob man diese Ziele überhaupt erreichen wird. Doch die Worte des Ministers lassen befürchten, dass er den Ernst der Lage nicht begreift. Sicher muss man auch der Bevölkerung den Klimaschutz schmackhaft machen. Doch mit der billigen Forderung, dass ganze soll sexy sein, ist es nicht getan: Langsam sollte sich das Umweltministerium in Japan mal an die internationalen Hausaufgaben machen. Das ist zwar weder fun noch cool, aber zukünftige Generationen, darunter auch (das bereits angesetzte) Kind des Ministers, mögen es ihnen später wahrscheinlich danken.

    4 COMMENTS

    1. Auch der gute Koizumi junior wird in Zukunft nur das machen koennen oder duerfen, was ihm von den anderen Mitgliedern der Regierungsclique genehmigt wird. Grosse Spruenge, sprich Veraenderungen, wird er bestimmt nicht machen koennen. Na, er hat ja genug Ablenkung daheim, bei Weib und Kind.

    2. “Sicher, Klimaschutz muss ganz unten beginnen, bei jedem Einzelnen. Think globally, act locally.” Und genau deshalb wird Japan leider niemals eine Vorreiterrolle im Klimaschutz einnehmen. Während sie in anderen Ländern wie hier in Indien energieeffiziente Technologie verkaufen, wird es in Japan niemals Massendemonstrationen für härtere Klimapolitik geben.
      Japan ist weiterhin eine Nation, die voll von ihrer Industrie abhängt. Eine schärfere Politik würde der Wirtschaft schaden. Und solange – wie immer – kein Druck von der Straße kommt, werden auch künftig die Klimaanlagen viel zu stark brummen, jeder Snack in drei Plastikfolien eingepackt und das Auto zum Einkaufen um die Ecke genommen.

      Ich denke, Koizumi hat Recht. Es muss gleichzeitig uncool und unsexy sein, einen großen CO2-Fußabdruck zu hinterlassen. Aber wie bei seinen Vorgängern wird es bei leeren Ankündigungen bleiben. Die Klimapolitik wird nun in Europa und den Schwellenländern entschieden. Japans Industrie wird nachziehen müssen. Selbst China hat einen radikalen Umschwung eingeleitet und das nicht groß angekündigt. Vielleicht hat Koizumi daher hier den Mund zu voll genommen. Wie Sie geschrieben haben: “Japan sollte sich langsam an seine internationalen Hausaufgaben setzen.”

    3. Naja, wenn man sieht was der Klimaschutz in Frankreich angerichtet hat und sogar in Deutschland, dann kann man kein Fan von Klimaschutz sein. Es ist ja nicht nur so, dass die Wirtschaft unter Klimaschutz leidet es sollte auch klar sein, dass Klimaschutz gegen die individuellen Freiheiten der Menschen verstößt. Wer sind eigentlich Politiker die einem Vorschreiben wollen, was man zu benutzen hat und zu kaufen hat(z.B. Energiesparlampe und Solarzellen)? Man kann Klimaschutz nur betreiben, wenn man gegen Menschenrechte verstößt. Und nicht nur das, es ist ja sogar so dass bei der Klimaerwärmung der Mensch verantwortlich gemacht wird. Und machen wir uns nichts vor, CO2 atmet JEDER Mensch aus und jede Pflanze atmet Co2 ein. Egal wie man es sieht, Klimaschutz hat das Ziel CO2 zu reduziert, was heißt Leben zu reduzieren. Ich verstehe schon das Sie denken das Klimaschutz auch Menschenschutz ist, das ist aber ganz klar nicht der Fall. Sondern Klimaschutz bedeutet Menschenvernichtung und Sklaverei. Ich glaube kaum das Sie oder irgendjemand anders das recht hat mir das atmen(CO2) zu verbieten!
      Also sei mir nicht Böse aber das eben die Realität des Klimaschutzes. Ich weiß dass viele Klimaschützer sich als die Weltretter sehen. Aber das dachten die Kommunisten auch, als Sie Millionen in Arbeitslagern ermordeten.
      Frankreich und Deutschland sind so gut wie am Ende und deshalb wird es Zeit auszuwandern in die USA, wo es keinen gezwungen Klimaschutz gibt!
      Man muss also nicht einmal an die Klimalüge glauben, um zu sehen das Klimaschutz wirklich schlecht ist.

    4. @Izumi

      Es ist bedauerlich, dass Sie den Erhalt unserer Lebensgrundlage mit Sklaverei und Gulag-Opfern gleichsetzen. Kein Wirtschaftssystem der Welt liefert die Grundlagen des menschlichen Lebens sondern Naturkreisläufe. Und diese werden durch Wirtschaftssysteme und damit vornehmlich durch Menschen aus der “ersten” Welt aktuell nur verbraucht. Das CO2, das es gilt, einzusparen und wieder aus der Atmosphäre zurückzugewinnen, ist das, was durch zusätzliches Verbrennen von fossilen Kohlenstoffquellen seit Beginn der Industrialisierung in die Atmosphäre entlassen wurde und NICHT Teil des natürlich bestehenden Kohlenstoffkreislaufs ist.
      Ich möchte Sie einladen, nicht über nötige Veränderungen zu wehklagen, sondern sich selbst als erschaffender Mensch sich vielleicht Gedanken zu machen, wie Gesellschafts- und Wirtschaftsformen aussehen könnten, die keinen zusätzlichen Kohlenstoff in die Atmosphäre entlassen. Wie möchten Sie leben? Wie können wir unter Erhalt aller demokratischen Errungenschaften, die zweifellos im bisherigen Wirtschaftssystem entwickelt werden konnten, unseren persönlichen Energieverbrauch senken? Um den Kreis zu Ihrem Vergleich zu schließen: Es gab auch mal eine Zeit, in der konnten sich führende Wirtschaftslenker keine Welt ohne Sklaverei vorstellen. Rückblickend können wir nur kopfschüttelnd fragen, wie es überhaupt mal dazu kam.
      Ich wünsche Ihnen alles Gute.

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