Sommerferien. Mit den üblichen Hausaufgaben. Für die Eltern.

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    Die Regenzeit ist noch nicht vollends vorüber, aber nichtsdestotrotz haben die Sommerferien in dieser Woche begonnen. Wie schön. Für die Kinder. Natürlich gibt es Hausaufgaben für die rund 5 Wochen dauernden Ferien – darunter das berüchtigte 自由研究 jiyūkenkyū – die “freie Forschung”. Die Kinder sollen sich dazu ein Thema aussuchen und zu diesem Thema etwas nachforschen, basteln, beschreiben oder experimentieren. Das beginnt bereits in der Grundschule, also mit 6 Jahren, wo das Projekt meistens in Form einer Wandzeitung endet, die dann in den Schulgängen ausgehängt werden. Soweit, so gut. Verreist man in den Sommerferien, bietet sich ein Reisebericht an. Schnell ein paar Fotos hinzugeklebt, und fertig ist das Projekt. Keine schlechte Sache eigentlich, denn die Kinder können so etwas basteln und gleichzeitig etwas lernen. Bewertet wird das Ganze letzten Endes nicht.

    Anders hingegen sieht es an der Junior High School, der Mittelstufe (7. bis 9. Klasse) aus: So eröffnete man uns in einem “Briefing”, dass hier das Sommerferienforschungsprojekt sehr wohl in die Bewertung einfliesst, und in der Mittelschule wird diese Bewertung auch noch bedeutend: Eine sehr gute Bewertung kann nämlich ein Freifahrtschein in eine gute Oberschule werden, und in diesem Punkt steht somit sehr viel auf dem Spiel. Interessant ist dazu die Bemerkung des Lehrers, das aus diesem Grunde die Eltern angehalten sind, aktiv an der Verwirklichung des Projekts teilzunehmen. Das Ergebnis müssen 6 A4-Seiten sein – und das Projekt muss Experimente beinhalten, mit denen die getroffenen Aussagen belegt werden können.

    Schon in der Grundschule tauchten Wandzeitungen auf, in dem es um Themen wie den durchschnittlichen pH-Wert von Sushi unter Berücksichtigung der Fischfrische oder um die demokratische Gestaltung des öffentlichen Raumes in der Zeit des japanischen Wirtschaftswachstums ging – Themen also wie gemacht für einen Dreikäsehoch. Doch der Grad der Elterneinmischung war da noch wenigstens freiwillig. Prinzipiell will uns die Einrichtung nun also sagen: Wenn Euch die Zukunft Eurer Kinder am Herzen liegt, dann legt Euch in den Sommerferien gefälligst ordentlich ins Zeug. Ob das der richtige Ansatz ist? Ich bin da etwas skeptisch. In 99% aller Fälle werden die Forschungsarbeiten ganz sicher im Wesentlichen von den Eltern bestimmt werden – und mit der Bewertung müssen die Kinder dann eben leben. Im extrem wettbewerbsorientierten Japan wird es spannend, zu sehen, was für Themen da aufkreuzen werden.

    10 COMMENTS

    1. Hmpf.. Sag es doch ganz offen:
      Das Thema wird von den Eltern bestimmt, durchgeführt, geschrieben. Die Kinder haben kein Mitspracherecht weil es müssen ja gute Noten bei rumkommen und was lernen sie dabei?
      Zum Thema sicher nichts und gesellschaftlich „du bist nicht gut genug“.

      So zumindest bestimmt in vielen Fällen…
      Warum können sie nicht Projekte, die in Gruppenarbeit im Unterricht erstellt werden bewerten -.-
      Als Nicht-Akademische Mutter fühle ich mich jetzt schon unter Druck wenn ich das nur lese…

      • Yep, genau so ist es. Akademische Arbeiten werden übrigens nicht erwartet… nur eben was “mit Niveau”. Wie auch immer man das bewerten will…

    2. Autsch X( So wird gut gefördert, dass Kinder “aus gutem Hause” besser weiterkommen. Sicher nicht ausschließlich, aber eine Benotung durchzuführen und gleichzeitig zu sagen die Eltern sollen mit beisteuern – was soll man da denken?

    3. Jetzt starre ich schon die ganze Zeit auf das Titelfoto, drehe und zoome und verstehe immer noch nicht was ich da sehe…. ;-)

      Eisblock in Alufolie?

      • Eiswürfel auf Gabel mit Alufolie, und auf dem Eiswürfel hängt an einem dünnen Faden ein schweres Gewicht. Um nachzuweisen, dass Eis unter Druck auch bei unter Null Grad schmilzt (der Faden wandert dann ins Eis, da sich das Eis darüber wieder schliesst).

    4. Mich würde ziemlich interessieren ob die Themen die behandelt werden aus einem bestimmten Fach kommen und vorher mit der Lehrkraft abesprochen werden müssen. Nach welchen Kriterien wird das dann bewertet?

      • Nein, die Themen werden nicht vorher abgesprochen, und die Vorgaben sind auch etwas vage. Ist auch nicht so streng wissenschaftlich, dass nach einer These verlang wird. Verlangt wird aber eben, dass experimentiert wird (und das kann bzw. soll auch mit Fotos belegt werden).

    5. Da bietet sich doch an, eine Umfragen-basierte Untersuchung zu machen über den Grad der Einmischung der Eltern in diesen Projekten.

      Dazu werden Eltern und Schüler getrennt betragt und das Ergebnis verglichen.

      • Geniale Idee. Wäre aber leider Realsatire, und die wird in Japan nicht verstanden (was an sich wiederum saukomisch ist, wenn sich ein Lehrer um die Deutungshoheit bemüht :)

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