Im Land der Geisterfahrer

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    In letzter Zeit sind die Zeitungen voll davon — nahezu täglich berichten Zeitungen und Nachrichten von Unfällen mit betagten Fahrern. So raste erst heute wieder ein über 60-jähriger in eine Gruppe mit Schulkindern, wobei dies freilich ein Grenzfall ist – Fahrer in den 60ern gelten eigentlich als “relativ” sicher. Die Zunahme der von älteren Fahrern verursachten Unfälle ist eine unangenehme Begleiterscheinung der Überalterung der Gesellschaft, und die Stimmen werden lauter, etwas dagegen zu unternehmen.

    Noch sind die Maßnahmen in dieser Hinsicht eher freiwilliger Natur. So gibt es magnetische Sticker, die man anfangs “枯葉マーク kareha mark” nannte – wörtlich: “Verwelktes-Blatt-Zeichen”, eine in der Tat bösartige Bezeichnung, die man deshalb auch offiziell nicht mehr verwendet. Stattdessen sagt man jetzt “高齢者マーク” kōreisha mark (Hohes-Alter-Zeichen). Die Idee ist, dass sich über 75-jährige das Zeichen vorne und hinten ans Auto kleben, damit andere Verkehrsteilnehmer merken, dass man hier womöglich mit verminderten Reaktionszeiten rechnen sollte. Laut japanischer StVO müssen betagte Fahrer das Zeichen anbringen, doch das Gesetz sieht im Falle der Missachtung keinerlei Strafen vor, weshalb es sich hier nur um ein Pseudo-Gesetz handelt (im Gegensatz zum 若葉マーク wakaba-mark, dem “jungen Blatt”, welches Fahranfänger im ersten Jahr des Führerscheins an ihr Fahrzeug anbringen müssen).

    Eine weitere Massnahme ist das Angebot an die älteren Semester, den Führerschein freiwillig abgeben zu können. Vielerorts weist man in sich in Japan mit dem Führerschein aus, denn einen Personalausweis gibt es nicht, und der Führerschein ist eine gültige ID mit Foto. Wer auf seinen Führerschein verzichtet, bekommt nun eine ähnliche Karte im Scheckkartenformat zurück – ein Quasiführerschein, mit dem man eben jedoch nicht mehr mit dem Auto fahren darf. Zudem gibt es mehr und mehr Gemeinden, die die Senioren bei freiwilligem Verzicht mit diversen Vergünstigungen locken. Auf dem Lande jedoch hat das nur begrenzt Erfolg, denn der öffentliche Nahverkehr ist dort äußerst spärlich ausgelegt und der nächste Laden oder Arzt sehr weit weg.

    Wunderbar und kennzeichnend zu dem Thema war eine Umfrage unter Autofahrern, ob sie ihren eigenen Fahrkünsten vertrauen würden: ¹

    Altersgruppe Vertraut den eigenen Fahrkünsten
    20-29-jährige 49.3%
    30-59-jährige 40.0%
    60-64-jährige 38.0%
    65-69-jährige 51.3%
    70-74-jährige 60.7%
    75-79-jährige 67.3%
    Über 80-jährige 72.0%

    Ganz klarer Fall: Je älter desto störrischer. Da man so offensichtlich nicht weiterkommt, überlegt man nun, einen neuen Führerschein einzuführen. So wie es einen “Automatikführerschein” gibt, der nur das Fahren von Autos mit Automatikgetrieben zulässt, will man nun einen Führerschein, der nur den Betrieb von Autos zulässt, die verschiedene Sicherheitsmerkmale zulassen – wie zum Beispiel einen Abstandssensor oder eine Vorrichtung, die das Verwechseln von Gas- mit Bremspedal verhindert.

    ¹ Siehe hier

    1 COMMENT

    1. Nach dem Motto, “neue Ideen braucht das Land”, nur diese neuen Ideen, die bringen es natuerlich (nicht!!). Da muesste es schon bessere Anreize geben fuer diejenigen, die auf ihren Fuhrerschein verzichten. Kostenlose oder sehr verguenstigte oeffentliche Verkehrsmttel zum Beispiel, und natuerlich fuer laendliche Gegenden mit weniger Busverkehr Alternativen (subventioniert von dem doch garnicht so armen Staat)!

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