BlogTouristenfalle Tsukiji

Touristenfalle Tsukiji

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Am vergangenen Wochenende ging es aus aktuellem Anlass zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder nach Tsukiji, dem weltbekannten da weltgrössten Fischmarkt, mitten in Tokyo. Denn: Der eigentliche Fischmarkt ist bereits im vergangenen Jahr nach Toyosu gezogen, und Tsukiji in der jetzigen Form, mit seinen engen Gassen und zahllosen Restaurants, wird es nicht mehr lange geben, denn das Viertel soll umstrukturiert werden. Da es die Restaurants immer noch gibt, und da Toyosu am Sonntag komplett geschlossen ist, strömen noch immer endlose Horden durch die Gassen von Tsukiji – westliche Ausländer ebenso wie Busladungen chinesischer, taiwanesischer, koreanischer und thailändischer Touristen. Und alle haben Appetit auf Fisch, wie es scheint.

Besucherhorden in Tsukiji
Besucherhorden in Tsukiji

Das Angebot ist in der Tat verlockend – es gibt zahlreiche Sushiläden und noch mehr Kaisendon-Läden (die grobe Variante des Sushi, bei dem der rohe Fisch auf eine Schale Reis gelegt wird). Auf einem grossen Schild am Eingang zum Viertel steht 人情味溢れる築地で上手なお買物 ninjōmi de afureru Tsukiji de jōzu na okaimono geschrieben – „Geschickt einkaufen im vor Menschlichkeit überquellenden Tsukiji“. Nette Worte, aber wer lange und viel in Japan unterwegs war, stellt leider schnell fest, dass viele Restaurants in Tsukiji zwar teuer, dafür aber von schlechter Qualität sind. Rein zufälligerweise sind die Preise auch fast überall die gleichen, was zwar zu erwarten ist, aber wenn man 2,500 yen (fast 20 Euro) für eine Schale Reis mit rohem Fisch drauf bezahlen soll, darf man in Japan eigentlich einiges dafür erwarten. Nicht so in Tsukiji: Der Seeigel sieht so aus, als ob er schon vor einer Woche von seiner stacheligen Hülle befreit wurde, die Streifen fetten Thunfisches (toro) sehen wie das aus, was im Supermarkt am Abend liegen bleibt und letztendlich kurz vor Ultimo für ein paar Handvoll Yen verscherbelt wird, bevor es verdirbt, und auch beim Reis gibt man sich keine sonderliche Mühe. Man wird den Eindruck nicht los, dass in den Restaurants in Tsukiji das verkauft wird, was man bei den Auktionen am Morgen nicht losgeworden ist. Und zwar für teures Geld. Warum auch nicht — die Touristen kommen auch so, ganz von allein, und wenn sie schon mal da sind, wollen sie natürlich auch was essen. Mir tun jedoch die Besucher leid, die in Tsukiji zum ersten Mal mit Kaisendon & Co. in Kontakt kommen, denn das vergällt ihnen mitunter dieses ansonsten herrliche Gericht.
Neu ist das ganze natürlich nicht – mit den Besucherströmen kommt der Nepp – das ist überall auf der Welt so, und warum sollte das in Japan anders sein.
Langsam aber sicher wird dichtgemacht
Langsam aber sicher wird dichtgemacht

tabibito
tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

3 Kommentare

  1. Oh!
    Ich dachte sie wollten das restliche Tsukiji so lassen!
    Gut dass wir dann nochmal alle dort waren. Meine Eltern hatten viel Spaß.
    Was mich fasziniert hatte war, dass das Cafe gegenüber trotz der tollen Lage an einem nicht ganz so schönen Tag (Nieselregen) nicht proppe voll war..
    Die Touristen werden wohl wirklich nur vor Tsukijis Tür ausgekippt und nachher direkt davor wieder eingesammelt und weiter gekarrt..

  2. Oh, dabei sagten doch damals selbst Japaner, dass man wenn man Sushi mag, einmal in Tsukiji gegessen haben sollte… aber sie sagten auch man soll früh morgens hingehen.

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