Kaiser Akihito zieht Bilanz

    0
    679

    Am vergangenen Sonntag gab es im Kaiserpalast in Tokyo einen grossen Empfang mit rund 1’100 geladenen Gästen. Anlass war das 30-jährige Jubiläum der Thronbesteigung des Kaisers Akihito. Und es wird der letzte Jahrestag sein, denn der Kaiser dankt am 30. April diesen Jahres aus eigenem Willen ab (siehe unter anderem hier und hier). Freundlicherweise hat der von mir sehr geschätzte Professor Reinhard Zöllner seine eigene deutsche Übersetzung der Jubiläumsrede hier ins Netz gestellt.

    Ein Grundthema während seiner Regentschaft war das Wort „Frieden“, und dieses Wort tauchte auch bei der letzten Rede mehrfach auf. In zahllosen Auftritten in den vergangenen Jahrzehnten liess der Tennō unermüdlich erkennen, dass er sich der historischen Verantwortung seiner Rolle beziehungsweise seines Titels vollends bewusst ist – schließlich geschahen alle Dinge während des Zweiten Weltkrieges „im Namen des Tennō“, also im Namen von Kaiser Akihito’s Vater. Deshalb beschrieb er die letzten dreissig Jahre als eine „endlose Suche nach seiner eigenen Rolle“ in der jetzigen Zeit. Er hob dabei besonders vor, dass seine Regentschaft die erste kriegsfreie Zeit in der jüngeren Geschichte Japans war, ohne dabei zu vergessen, dass es durchaus genügend andere Probleme wie zum Beispiel den Klimawandel gibt.

    Nun ist es noch etwas zu früh für einen Nachruf, aber so viel steht fest: Trotz der Tatsache, dass das Leben des Kaisers bis ins kleinste Detail reglementiert ist, und obwohl politische Gruppen (in der Regel natürlich die vom rechten Rand) es immer wieder versuchten, den Kaiser für die eigenen politischen Ziele zu instrumentalisieren, hat es der Tennō dennoch geschafft, der Heisei-Zeit seinen eigenen, friedvollen Stempel aufzudrücken. Er trat immer als demütiger Diener des Volkes auf, reiste unermüdlich umher, und hörte den Menschen zu, ohne anmassend oder arrogant zu erscheinen. Wo man auch hinfährt in Japan – vielerorts sieht man Fotos vom kaiserlichen Ehepaar, wie es hier eine gemeinnützige Einrichtung oder dort von Katastrophen betroffene Japaner besuchte und mit den Menschen redete. So gesehen hatte Japan in den letzten drei Jahrzehnten mit Kaiser Akihito einen würdigen Vertreter gefunden, und ich hoffe, dass sein Sohn der gleichen Fährte folgt. Aus obigen Gründen ist es natürlich schade, dass der Kaiser abdankt, aber die Ruhe hat er sich verdient – schliesslich ist er bereits 85 Jahre alt.

    LEAVE A REPLY

    Please enter your comment!
    Please enter your name here