Wider die Landflucht: Starthilfen für Unternehmer

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    Leider kein seltenes Bild: Einsame Ladenstraße auf dem Land
    Leider kein seltenes Bild: Einsame Ladenstraße auf dem Land

    Heute gab die Regierung bekannt, dass sie auch im folgenden Jahr wieder Prämien für Unternehmer zahlt, die den Mut haben, sich außerhalb von Tokyo und den angrenzenden Präfekturen niederzulassen. Aus gutem Grund: Die Landflucht hält unvermindert an, und gepaart mit der niedrigen Geburtenrate führt das zu einer regelrechten Entvölkerung ganzer Landstriche. Die Daheimgebliebenen sind entweder zu alt, um wegzuziehen, oder regelrecht gezwungen, in den Ballungsgebiete zu ziehen, da es auf dem Land an Stellen fehlt. Die Maßnahme, die dem entgegensteuern soll, verspricht jedem Unternehmer, der seine Firma auf das Land verlegt, bis zu 3 Millionen Yen Starthilfe – das entspricht etwa 23’000 Euro, sowie noch einmal bis zu einer Million Yen für die, die einen Rentner oder eine weibliche Kraft anstellen.¹

    Der Fördertopf für diese Maßnahmen beträgt wohl fast 800 Millionen Euro. Wenn man mal annimmt, dass eine durchschnittliche Firma 5 Rentner/Frauen vor Ort anstellt, wäre damit Geld für circa 12’500 Firmenumsiedlungen vorhanden. Das klingt zwar erstmal viel, ist aber in Wirklichkeit eine eher kleine Zahl, denn insgesamt gibt es in Japan rund 3,8 Millionen mittelgroße und kleine Unternehmen – und ziemlich genau eine Million davon befinden sich in Tokyo, Saitama, Chiba und Kanagawa².

    Mit der Maßnahme will man den sogenannten UJIターン UJI-Turn regeln – ein interessanter Begriff: U-Turn steht für Menschen, die aus der Provinz in die Hauptstadtregion ziehen – und wieder zurück. J-Turn steht, ganz der Buchstabenform entsprechend, für diejenigen, die vom Land erst in die Hauptstadtregion siedeln, um sich dann später irgendwo in der Nähe der Hauptstadt (zum Beispiel in Ibaraki) niederlassen. Der I-Turn bezeichnet entsprechend diejenigen, die schnurstracks in die Hauptstadt ziehen – oder aus der Hauptstadtregion wegziehen. Ohne Rückkehr.

    Eine vernünftige Maßnahme, doch letztendlich wird sie ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. Vielleicht ist es aber mal Zeit für mich, ernsthafter über meinen „Gasthof bei Tabibito“ mitten in Kyushu nachzudenken :)


    ¹ Siehe unter anderem hier
    ² Siehe hier

    9 COMMENTS

    1. Hier hättest du schonmal eine Frau, die du einstellen kannst xD
      Falls es auch für Frauen gilt, die ebenfalls aus der Hauptstadt aufs Land ziehen
      Und falls du einen Buchhalter brauchst, mein Mann… *hust*

    2. Das ist doch mal eine Idee. Nur Kyushu und Shikoku … liegt halt doch ein paar Kilometerchen auseinander. Ansonsten waere ich sehr gerne voll dabei, denn die Idee hatte ich auch schon vor vielen Jahen. Und die Anika + Gatten, die bekaemen wir bestimmt auch unter (LACH!!). Nur, mit rund Euro 3oo-man Yen, da kann man leider noch keine allzugrossen Spruenge machen, da muesste noch eine „0“ drangehaengt werden *_*.

    3. Muss die Firma bereits bestehen, oder bekommt man die Foerderung auch, wenn man eine neue Firma in der Inaka gruendet? I traeume immer noch von meinem Cafe am Strand, die Foerderung waere eigentlich genug fuer den Start, und meine Frau waere der Cashier.

      BTW: Der yahoo link funktioniert nicht fuer mich, wo kann ich mehr ueber das Programm erfahren?

      • Prinzipiell ja, kann man. In diesem Fall muss man aber erst eine Firma in Tokyo oder Osaka usw. gründen – und dann mit der Firma aufs Land ziehen. Alles in allem ist es aber, auch für Ausländer, sehr einfach, eine Firma zu gründen!

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