Globale Erwärmung und was sie für Japan bedeutet

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    ANN-Berichterstattung über Starkregen in Westjapan
    ANN-Berichterstattung über Starkregen in Westjapan

    Die Wetterereignisse der vergangenen Tage geben (leider mal wieder) Anlass dazu, über das Thema der Globalen Erwärmung nachzudenken, und was selbige konkret für Japan bedeuten wird. Viele Menschen denken da nämlich erstmal an steigende Meeresspiegel und häufigere und stärkere Taifune, doch in Japan ist ein anderes Phänomen sehr bedrohlich: Auf Japanisch wird dies 集中豪雨 shūchū gōu (lokales Starkregenereignis) genannt, und die Folgen stehen dem eines kräftigen Taifuns oder gar eines Tsunamis in nichts nach.

    Der starke Regen der vergangenen Tage konzentrierte sich vor allem auf den Westteil der Insel Honshu und der Insel Shikoku sowie auf Hokkaido, mit besonders dramatischen Folgen in der Gegend um Hiroshima und Kurashiki (Präfektur Okayama) sowie in der Gegend um Uwajima (Präfektur Ehime). Nach jetzigem Stand verloren mindestens 110 Menschen ihr Leben, und dutzende gelten noch als vermisst. Das ist erst recht viel, wenn man bedenkt, dass der Katastrophenschutz in Japan sehr weit fortgeschritten ist – in jedem anderem Land der Erde hätten Regenfälle dieses Ausmasses weitaus mehr Verluste zur Folge.

    Nun sind diese Starkregenereignisse keine Erfindung der Neuzeit und kein Beweis allein für die Globale Erwärmung. Im Jahr 1938 zum Beispiel, also vor 80 Jahren, sorgte extremer Regen in Kobe für Sturzfluten, die mehr als 600 Menschen das Leben kostete. 1957 kamen beim Isahaya-Regen in der Präfektur Nagasaki fast 1,000 Menschen ums Leben. Doch der Abstand solcher Ereignisse schrumpft spürbar. Erst letztes Jahr kamen 34 Menschen auf Kyushu ums Leben – einige Ortschaften sind noch immer nicht komplett wiederhergestellt. Und erst vor vier Jahren, im August 2014, rissen Schlamm- und Wassermassen 77 Menschen in den Tod – ebenfalls in Hiroshima, in den nördlichen Stadtvierteln Asakita und Asaminami, die auch dieses Jahr wieder getroffen worden. Die Opferzahl in diesem Jahr ist jedoch die höchste seit dem Beginn der Heisei-Zeit vor 30 Jahren, und sie lässt befürchten, dass man Nachrichten wie die der letzten Tage in Zukunft häufiger hören wird.

    Eine vollständige Vorbeugung von Schäden ist in Japan leider nahezu unmöglich: Sicherlich, man sollte nicht an instabilen Berghängen oder Flüssen bauen, aber ein großer Teil japanischen Baulandes liegt genau in solchen Lagen. Letztendlich steckt man deshalb den Hauptteil der Energie in Vorwarnsysteme und Evakuierungsmechanismen, doch bei Regenfällen von über 250 mm innerhalb von 3 Stunden (so gemessen in Kochi vor ein paar Tagen) geraten auch diese Mechanismen eindeutig an ihre Grenzen.

    Gleichzeitig kann man die Folgen der globalen Erwärmung auch am Gegenteil festmachen: Trotz Regenzeit trocknen Okinawa sowie die Gegend um Tokyo regelrecht aus — es fällt viel weniger Regen als üblich, und dieser fehlende Regen wird Wasserversorgungsprobleme im Sommer und Herbst, bis hinein in den Winter, mit sich bringen. Die Regenzeit in Tokyo zum Beispiel wurde am 29. Juni für beendet erklärt – drei Wochen vor dem normalen Ende der Regenzeit. Und so lassen sich momentan die Folgen der globalen Erwärmung für Japan so zusammenfassen: Es regnet weniger, aber wenn es mal regnet, dann verheerend. Wäre ich Zyniker, könnte ich also sagen, dass sich statistisch gesehen eigentlich nicht viel ändert. Die Ereignisse in Westjapan in den vergangenen Tagen werden nun auch in der Politik als Zeichen verstanden, doch es steht zu befürchten, dass sich die Atomkraftbefürworter gestärkt sehen und versuchen, aus dem Thema der Globalen Erwärmung Kapital zu schlagen.

    1 COMMENT

    1. In Deutschland ist auch deutlich zu beobachten, dass sich einiges verschiebt. Sommer war bereits im Mai. Aktuell ist es in Norddeutschland so trocken, dass alles verdorrt. Auch wenn derzeit ein Regengebiet durchzieht, wird das längst nicht ausreichen. Bzw. wird das für den Großteil der Ernte eh schon zu spät sein. Teilweise werfen die Bäume schon ihre Blätter ab. Kleinere Bäume und Büsche sehen aus, als ob es der letzte Sommer für sie war.

      Vorletztes Jahr waren auf Kyushu bereits im Mai weit über 30°C (im Schatten). Da habe ich zum ersten Mal den Regenschirm als Sonnenschutz ausgepackt, wovor ich mich eigentlich immer gesträubt habe… ;) Aber das war kaum noch auszuhalten.

      Woher speist der Raum Tokyo hauptsächlich seine Wasserversorgung? Gibt es dazu Infos wie die Versorgungsstabilität aussieht? Die derzeitige Situation in Südafrika kann da schon sehr beunruhigen.

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