JW-10 – die „Mutter“ der japanischen Eingabegeräte

    4
    1782
    Word Processor JW-10
    Word Processor JW-10

    Jüngst hat es uns mal in das (kostenlose) Technikmuseum von Toshiba direkt am Hauptbahnhof von Kawasaki verschlagen. Das Museum als solches war relativ voll und in weiten Teilen nur mäßig interessant, doch in einem Raum hat man Haushaltsgeräte und Computer verschiedener Jahrzehnte ausgestellt, und dieser Bereich, ist, so man ein wenig „nerdig“ veranlagt ist, sehr interessant. Unter anderem steht doch auch ein JW-10 rum.

    In den Handel kam das Gerät 1979, und es war einer der ersten sogenannten ワープロ Waapro – kurz für „Word Processor“ und definitiv ein aussterbendes Wort dieser Tage. Das Monstrum wiegt 220 Kilogramm, hat eine 10-MB-Festplatte (für die Zeit war das sehr ordentlich) und kostete schlappe 6,3 Millionen Yen. Anmerkung am Rande: Die Kaufkraft hat sich kaum verändert, 6,3 Millionen Yen waren damals ziemlich genauso viel wert wie heute — in Euro umgerechnet sind dies rund 45,000 Euro.

    Der JW-10 sollte die Eingabe japanischer Schrift revolutionieren. In der Tat gab es schon seit 1915 Schreibmaschinen, mit denen japanisch geschrieben werden konnte (siehe japanische Wikipedia), doch der Anblick lässt erahnen, dass es schlichtweg unmöglich war, damit mal eben schnell etwas zu verfassen. Aus mehr als 2’200 Zeichen auswählen dauert länger als aus 26 Zeichen auswählen – egal, wie viel Übung man darin hat.

    Die Hauptidee hinter dem JW-10 war die Umwandlung von Kana in Kanji, und zwar auch innerhalb von Worten: Während man vorher für das Adjektiv „素晴らしい“ erst ein Schriftzeichen, dann das nächste, und dann drei verschiedene Hiragana eingeben musste, konnte man mit dem JW-10 das ganze Wort in Hiragana schreiben, also „すばらしい“, und hernach die Schriftzeichenumwandlungstaste drücken. Wenn man Glück hatte, kannte das Gerät dieses Wort und wusste also, welche Schriftzeichen es liefern muss.

    Doch die Rechenleistung war damals natürlich noch beschränkt, und die gängige Silbe „こう“ in ein Schriftzeichen umzuwandeln brachte das System bereits an die Grenzen, denn es musste nun dutzende Schriftzeichen (die man alle „こう“ lesen kann) in den virtuellen Speicher schieben, was zu einem memory swap-ähnlichen Phänomen führte: Das Gerät hing sich auf, beziehungsweise war kurz davor und zwang den Schreiber dazu, eine Pause einzulegen.

    Heute sind all diese Sachen selbstverständlich. Zum Glück. Gerade in der japanischen Sprache haben Computer vieles wirklich einfacher gemacht — allerdings mit dem negativen Nebeneffekt, dass viele Japaner kaum noch vernünftig mit der Hand schreiben können (mir geht es nicht anders: Lesen ist kein Problem, aber wenn man plötzlich mit der Hand schreiben soll, vergisst man vieles, was man früher problemlos schreiben konnte).

    Die Webseite des Museums gibt es hier: 東芝未来科学館 Tōshiba Mirai Kagakukan.

    4 COMMENTS

    1. Hach ja… ワープロ, eines der elementarsten Vokabeln einer bestimmten Japanisch Lehrbuchreihe ;-P

      Aber endlich sehe ich mal so ein Ungetüm!
      Danke :)

    2. Ein schönes Gerät. Wenn man sich überlegt, dass selbst meine Funke das schneller und besser hinkriegt, wie schnell sich doch alles entwickelt hat.

    3. 10 MB in 1979, alle Achtung.
      Das erinnert mich daran, dass ich immer schon mal ins Heinz-Nixdorf-Musem wollte.

    Comments are closed.