Verkehrskollaps zu den olympischen Spielen?

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    Heute wurde eine Studie von Azuma Taguchi, seines Zeichens Professor an der Fakultät für Wissenschaft und Ingenieurwesen der Chūō-Universität, veröffentlicht, in der er die Ergebnisse einer Verkehrssimulation während der Olympischen Spiele 2020 in Tokyo vorstellte¹. Der Befund: Sollte sich nichts ändern, ist durchaus ein Kollaps der öffentlichen Nahverkehrsmittel zu erwarten. Und der Befund hat Hand und Fuss. An einem normalen Werktag pendeln rund 8 Millionen Menschen mit den Bahnen in und um Tokyo. Auch ohne sportliche Großveranstaltungen bringt das bereits einige Bereiche, insbesondere Bahnhöfe und einige Linien, an den Rand eines Verkehrsinfarkts. Fällt dazu noch aus irgendeinem Grund (defekte Tür, Rauchentwicklung und dergleichen) eine Linie aus, weichen große Menschenmassen plötzlich auf ebenso überlastete Bahnhöfe und Linien aus. An manchen Tagen führt das bereits heute zu einem Dominoeffekt, wo plötzlich auf zahlreichen Linien für eine Weile nichts mehr geht. Zu dieser Gleichung fügte Taguchi nun einfach mal 650’000 Menschen hinzu – Besucher und Teilnehmer der Olympischen Spiele an einem wettkampfreichen Werktag. Man braucht nicht allzu viel Fantasie oder mathematische Gleichungen, um sich vorzustellen, dass diese zusätzliche Menschenmenge das System punktuell zum kollabieren bringen kann.

    Doch was tun? Die Frequenz der Züge zu erhöhen ist kaum machbar – auf den großen Linien fahren die Züge oft schon im 2-Minuten-Takt; dichter geht es nicht. Eine Lösung wäre, die Bahnhöfe in unmittelbarer Wettkampfstätte vor und nach der Veranstaltung schlichtweg zu schliessen und die Menschen intelligent von umliegenden Bahnhöfen – das Netz ist schließlich sehr engmaschig – zu den Stadien zu leiten. Eine weitere, bereits erprobte Maßnahme ist die, keine Schnellzüge („急行 kyūkō“) fahren zu lassen, sondern nur noch „各駅 kakueki“, also Züge, die an jedem Bahnhof halten. Das ist durchaus sinnvoll, denn die Abstimmung der beiden Zugarten ist kompliziert, und wenn auch nur ein Zug ein oder zwei Minuten Verspätung hat, gerät alles durcheinander. Eine andere Maßnahme wäre freilich auch, die Wettkämpfe so zu legen, dass sie nicht mit den Stoßzeiten des Berufsverkehrs zusammenprallen, doch das ist leichter gesagt als getan. Letztendlich wird der Schlüssel jedoch in intelligenter Verkehrsführung liegen: Solange die Massen ordentlich in die richtigen Bahnen, im doppelten Sinne, gelenkt werden, sprich, informiert werden, lässt sich ein größeres Chaos verhindern. Sobald jedoch alle den gleichen, womöglich falschen Informationen folgen, könnte es in der Tat kompliziert werden. Erst recht zu der Jahreszeit – die Olympischen Spiele beginnen schließlich unmittelbar nach dem Ende der Regenzeit, und damit zu einer Zeit, wo es in Tokyo unerträglich heiß und schwül ist. Besuchern kann ich deshalb nur raten, sich so weit wie möglich im Voraus zu informieren, wo sich was befindet, und welche Alternativen es verkehrstechnisch gibt, denn der nächstgelegene Bahnhof wird in vielen Fällen die schlechteste Lösung sein.

    ¹ Siehe hier

    2 COMMENTS

    1. Ich werde versuchen, zu der Zeit nicht in Tokyo zu sein…

      Werden die Athleten wirklich mit der Bahn zum Stadion fahren? Das kann ich mir kaum vorstellen, die werden doch sicher in Shuttle-Bussen transportiert?

      Für die Besucher könnte es sich anbieten, früher zu fahren – eventuell kann man solche Tickets ja günstiger verkaufen, ich kenne es aus der Schweiz, dass es außerhalb der Berufsverkehrszeiten Spartickets gibt.

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