Beispiellose Verbrechenswelle: Über 400 Halteschlaufen gestohlen!

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    Ja, von wegen Japan ist sicher! Dieses zähe Vorurteil wird ganz eindeutig mit der folgenden Schlagzeile widerlegt:

    Tokyo police baffled by theft of hand straps from commuter trains¹

    Der Polizei zufolge wurden im Raum Tokyo seit November vergangenen Jahres rund 400 Halteschlaufen aus den Zügen verschiedener Linien gestohlen. Halteschlaufen — das sind die Schlaufen, in die sich die müden Fahrgäste am Morgen und die Betrunkenen am Abend einfädeln, um beim Wegdösen nicht ungebremst auf den Boden zu klatschen. Die Polizei ist dem Artikel zufolge ratlos, denn die Griffe sind nicht einfach zu lösen – schliesslich müssen sie ja bis weit über 100 Kilogramm aushalten. Die Schlaufen zu entfernen sollte somit etwas Zeit und Geschick verlangen und in einem gut besetzten Zug unbeobachtet nahezu unmöglich sein.

    Objekt der Begierde... und des Schmerzes
    Objekt der Begierde… und des Schmerzes
    Wer macht so was? Und wie? Und vor allem – warum!? Schliesslich haben die Schlaufen keinen besonderen Wert. Gibt es irgendwo einen Perversen, der die Dinge nach Hause schleppt, um dort ganz authentisch den packenden Nahkampf in Tokyos vollbesetzten Zügen zu simulieren? Oder werden sie sogar als Fetisch zwischen Eisenbahnliebhabern – davon gibt es genug in Japan – hoch gehandelt? Man weiss es nicht genau. Und so geht die Suche weiter.

    Ganz insgeheim wünsche ich mir, dass die Suche noch eine Weile dauert. Denn die Dinge baumeln in für japanische Großmütter greifbarer Höhe, so dass man als durchschnittlich grosser Europäer täglich mindestens ein Mal die Hartplastikgriffe an den Kopf geknallt bekommt, wenn sich der Nachbar daran festhält und beim Aussteigen plötzlich loslässt. Sprich – die Griffe nerven ungemein.

    Nun mag der eine oder andere Leser denken: “Ja, und in China ist ein Sack Reis umgefallen!” Das mag sein. Aber die obige Nachricht hat es in so ziemlich alle Hauptnachrichten geschafft und ist damit gesellschaftlich hoch relevant. Oder etwa nicht?

    ¹ Siehe Japan Times vom 1. Februar

    7 COMMENTS

    1. Sehr schön^^!
      Ja, Japan ist wahrlich ein Land des Friedens. Solange solche kriminellen Aktionen das Land erschüttern, glaube ich das zumindest. Ansonsten sind ja eher die Fernsehstars und ihre “Skandale” dafür verantwortlich: Siehe Becky!

      Aber mich würde jetzt auch mal interessieren, wie der Täter das hinbekommt. Tut mir leid, ich weiß, dass er dir durchaus einen Dienst damit erweist, auch wenn er dabei wohl nicht in erster Linie an die armen Europäer gedacht hat. Ich hoffe, die Sache wird aufgeklärt!!

    2. Ich bin nichtmal 6 Wochen meines Lebens in Japan gewesen, aber dass einem die Dinger dauernd im Gesicht rumbaumeln, hat mich in der kurzen Zeit schon gestört. Gut zu wissen, dass ich nicht der einzige bin, der sich insgeheim ein Bisschen über diese Nachricht gefreut hat.

    3. Hallo,
      ja es spricht schon für sich, wenn es so etwas in die Nachrichten schafft, allerdings interessiert mich die angebliche oder tatsächliche Sicherheit in Japan schon, da ich bald hinmöchte. Ist es denn jetzt sicher oder nicht? Ein bekannter hat mir erzählt das man gerade in Großstädten schon aufpassen sollte das man nicht in der falschen Ecke strandet.

      • Japan ist nach wie vor sehr sicher – das kann man nicht anders sagen. Es gibt zwar schon ein paar Ecken, die “weniger sicher” sind, aber das ist auch nur relativ. Man muss sich zudem schon gut auskennen, um diese Ecken zu finden – als Besucher verirrt man sich da nicht so ohne Weiteres.

    4. Ich wette das waren U-Bahn-Otakus. Die sammeln eine Schlaufe von jeder Linie und Zug-Baureihe. Hattest du nicht mal einen Artikel über Nerds, die Lautsprecheransagen aufnahmen. Da müsste man mal anklopfen ;-)

      • Nein, eher nicht! Im Gegenteil! Ich würde mich nicht wundern, wenn die echten Bahn-Otakus sogar Streifen organisieren, um den schlimmen Finger zu erwischen.

    5. Als eher kleine Person haben mich diese Griffe oft gerettet und ich würde mir ähnliche Vorrichtungen auch in Deutschland wünschen, da ich öfter mal beinahe durch das Zug- oder Busabteil geschleudert werde.

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