Kostet der Fuji-san bald Eintritt?

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    Just hat das ICOMOS (International Council on Monuments and Sites) beschlossen, das der Fuji-san würdig ist, zum Weltkulturerbe erklärt zu werden¹. Als Begründung diente unter anderem die Symbolwirkung für Japan, die Natur und der Einfluss des Berges auf die japanische Kunst. Die gesamte Fläche ist 70’000 Hektar groß und beinhaltet somit den Berg selbst sowie die nähere Umgebung inklusive der 5 Seen im Norden. Ausgeschlossen wurde 三保松原 – Miho-no-Matsubara am Meer, da diese Region doch zu stark vom Menschen “verschandelt” wurde.

    Aus dem Archiv hervorgekramt: Fuji-san, von Yamanashi aus gesehen
    Aus dem Archiv hervorgekramt: Fuji-san, von Yamanashi aus gesehen

    Offiziell aufgenommen wird der Fuji-san bei der diesjährigen Sitzung des World Heritage Committee vom 17.-27. Juni in Phnom Penh (Kambodscha). Es läßt sich erahnen, was dann passieren wird: Die Zahl der Fuji-Bezwinger wird noch weiter ansteigen. Zur Zeit darf der Gipfel von Laien aufgrund der Witterungsbedingungen nur vom 1. Juli bis zum 26. August bestiegen werden, und dies tun pro Jahr über 320’000 Menschen. Vier offizielle Routen stehen zur Auswahl, wobei rund 60% der Leute die Yoshida-Route wählen. Somit sind pro Tag (beziehungsweise eher in der Nacht, da die meisten den Berg nachts besteigen) bis zu 7’000 Menschen auf der gleichen Route unterwegs². Das bringt zahlreiche Probleme mit sich, denn 7’000 Menschen hinterlassen nun mal ihre Spuren, und das nicht selten in Form von Müll. Diese Zahl wird mit der Aufnahme in die Weltkulturerbeliste sicherlich ansteigen.

    Aus diesem Grund werden erste Stimmen laut, den Zugang zum Gipfel zu regulieren. Dies könnte man zum Beispiel durch die Einführung einer Bergsteigegebühr (入山料 – Nyūzanryō) durchsetzen. Yahoo! Japan hat diesbezüglich eine Leserumfrage gestartet³, und das Ergebnis ist eindeutig: Von knapp 64’000 Lesern stimmten 87,3% für eine solche Gebühr.

    Nun bin ich persönlich kein großer Fan solcher Gebühren, denn der Fuji-san ist Natur, und Natur sollte frei betretbar sein. Andererseits braucht der Fuji-san bei solchen Menschenmassen auch viel “Pflege”, um das Müllproblem und die Wegesicherung in den Griff zu bekommen. In diesem Sinne würde die Gebühr tatsächlich sinnvoll sein – so das Geld für die richtigen Zwecke eingesetzt wird. Und so würde ich wahrscheinlich auch eher dafür stimmen. Erst recht, da ich ja bereits das Vergnügen hatte, den Berg zu besteigen.

    Ich wage zu beweifeln, dass die Gebühr noch dieses Jahr umgesetzt wird. Aber sie wird mit hoher Wahrscheinlichkeit kommen.

    ¹Siehe unter anderem Nikkei Shinbun
    ²Siehe Fuji-Aufstieg (Wikipedia)
    ³Siehe Fuji-san-Umfrage auf Yahoo! Japan

    2 COMMENTS

    1. Eigentlich ist er ja bekannt genug, so dass eine Listung überflüssig ist. Andererseits soll mit der Aufnahme ja auch der Schutz dieses Naturereignisses unterstützt werden (siehe Elbtal bei Dreden). Die Aufnahme in die Liste ist mit Auflagen verbunden.

      Gibt es eigentlich so etwas wie eine Kurtaxe in Japan? Mit solchen Steuerungselementen sollen in der BRD auch touristische Fehlleistungen korrigiert werden.

    2. Die Auflagen sind begrüßenswert und rechtfertigen meiner Meinung nach den Rummel um die UNESCO-Liste. In der Regel “motiviert” die Aufnahme in die Liste die lokalen Behörden, da es um viel Geld geht.
      Soweit ich weiß, ist die Kurtaxe eine deutsche Erfindung und nur im deutschsprachigen Raum (sowie seit kurzem auch in einigen Orten in Kroatien) bekannt. In Japan gibt es das jeweils nicht – das Geld wird einem aber so oder so aus der Tasche gezogen :)

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