Energiewende: 43% erneuerbare Energie bis 2020?

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    Greenpeace-Aktion: Kernenergie in Japan bis 2012 abschaffen
    Greenpeace-Aktion: Kernenergie in Japan bis 2012 abschaffen

    Greenpeace stellte gestern, am 12. Sep 2011, einen Bericht vor, in dem vorgerechnet wird, daß Japan es bis 2020 auf einen Anteil von 43% an erneuerbaren Energiequellen bringen könnte. Der Bericht wurde in Zusammenarbeit mit 環境エネルギー政策研究所 (ISEP – Institute for Sustainable Energy Policies) erstellt und trägt den Titel “自然エネルギー革命シナリオ” – “Szenario zur Revolution natürlicher Energiequellen”.
    Japan hinkt in Sachen erneuerbarer Energiequellen leider stark hinterher, aber Organisationen wie Greenpeace sehen in der Erdbebenkatastrophe die Chance, einiges aufzuholen. Und die Argumentation ist schlüssig: Momentan sind nur 11 der insgesamt 54 Kernreaktoren in Japan in Betrieb – und trotzdem gab es im Sommer keine Stromausfälle. Warum? Weil viel Strom gespart wurde. Großverbrauchern wurde angeordnet, mindestens 15% weniger Energie zu verbrauchen. Das ist auf Dauer nicht gut für die Wirtschaft, aber das Potential zum Stromsparen ist ganz offensichtlich da.
    Nun ist bei Greenpeace erfahrungsgemäß sehr viel Optimismus dabei. So auch beim erklärten Ziel, bis 2012 alle AKW’s in Japan auszuschalten. Zu begrüssen wäre es. Es wird sicherlich etwas länger dauern, aber vielleicht, mit ganz viel Glück, findet doch noch ein Umdenken statt.
    Ein Land ganz ohne Rohstoffe sollte eigentlich ein hohes Interesse daran haben, energietechnisch möglichst autark zu sein.

    Der ganze Bericht im Original (in diesem Fall auf Englisch) kann hier heruntergeladen werden.

    Falls sich der oder andere Leser gerade fragt, was mich zu diesem Artikel bewegt hat: Ich hatte in meinem vorherigen Leben ziemlich viel mit Themen wie nachhaltiger Entwicklung zu tun – dazu zählte auch intensive Forschung in Japan.

    8 COMMENTS

    1. “Ein Land ganz ohne Rohstoffe sollte eigentlich ein hohes Interesse daran haben, energietechnisch möglichst autark zu sein.”

      Weshalb die japanische Regierung zu großen Teilen gerne wieder die alten AKWs anschalten würde. Das spart (kurzfristig) Neuinvestitionen und sorgt für Autarkie. Darüber hinaus grenzt es, durch die engen Verflechtungen und Politik und (Energie-)Wirtschaft, an politischen Selbstmord (siehe Kan) einen Ausstieg zu fordern. Wer nicht länger als 1 Jahr in seinem Ministerposten verweilt muss sich ohnehin nicht allzu viele langfristige Gedanken machen.

      Die für nächstes Jahr anstehenden Unterhauswahlen werden erst einmal die politischen Karten neu mischen. Verliert die DPJ die Mehrheit im Unterhaus bekommt Japan ein konservatives, industrienahes LDP-Kabinett. Damit würde eine, wie von Greenpeace formulierte, Energiewende in weite Ferne rücken.

    2. Pontential bestünde auf jeden Fall. Sowohl bei der Einsparung, als auch bei der Energiegewinnung. Man schaue sich doch nur einmal an, was in Beppu an ungenutzter Thermalenergie “verschwendet” wird. Und tut es Not jeden Treppenaufgang in der Nacht dauerhaft zu beleuchten, wäre da nicht ein Zeitschalter wunderbar?

      Also, Experten auf diesem Gebiet könnten sich in Japan super austoben.

      • Eine Frage an den Reisenden hätte ich.

        Wie beurteilen Sie die Ernennung Edanos? Auf Asahi Shinbun war heute im Englischen ein Artikel zu lesen, in dem Edano gegenüber den Stromkonzernen als eher kritisch eingestellt dargestellt wird. Besteht also berechtigte Hoffnung, dass sich bei der Energieerzeugung in den nächsten Jahren vielleicht etwas tut oder ist Edano in seiner neuen Position nur als zukünftiges Bauernopfer zu betrachten?

        • An sich gesehen ist Edanos Ernennung positiv – ich traue dem Mann viel zu. Leider sind in Japan alle Politiker mit hohen Ämtern sehr leicht austauschbar. Es sollte mich wundern, wenn Edano sich mehr als ein Jahr lang hält. Oder gar etwas revolutionäres zustande bringt.

    3. In deinem vorherigen Leben? Es hat den anschein du hast dich nicht nur damit beschäftigt sondern selbst nachhaltig entwickelt!

      Vielleicht sollte Japan mal einen Blick rüber nach Island werfen (oder wurde das schon?)! Zumindest vulkanisch finde ich als Laie die Voraussetzungen ziemlich ähnlich. Die Isländer sind in der Nutzung von Geotermalenergie schon aus der Grundlagenforschung raus. Gut, die sind nur zu 350.000 und nicht mehr als 120 Mio. Aber grundsätzlich sollte da doch was zu7 machen sein (auch für die Isländer, welche damit was für ihre Wirtschaft tun könnten).

    4. Geothermalenergie ist hier auch im Gespräch – aber man hat hier (nicht unberechtigte) Sorge, dass die eine oder andere Bohrung Erdbeben auslösen könnte. Würde man zudem durch die Gewinnung von Geothermalenergie andernortens die so heiß geliebten heissen Quellen wegnehmen, könnte es wirklich noch zum Volksaufstand kommen :)

    5. Es gibt ja auch genug Wind in Japan. Besonders abends sind mir ganzjährig die starken Winde vom Land zurück aufs Meer aufgefallen. Ich denke die Windkraftwerke sollte man auch in den eher schwierig bebaubaren, gebirgigen aufstellen können.
      Soweit ich weiß werden diese bisher wegen der Erdrutschgefahr nicht bebaut, für ein Windrad sollte sich aber eine brauchbare Tiefengründung oder eine Konstruktion mit Abspannung (häßlich spielt ja eh keine Rolle) machen lassen.

      Ansonsten fielen mir noch Tiedenhubkraftwerke ein. Oder wann werden endlich die dezentralen Hauskraftwerke bezahlbar? Toshiba hat so Dinger doch schon lange in der Werbung.
      Gerade in einem Erdbebenland wie Japan stelle ich mir das durch die vielfache Redundanz günstig für Notfälle vor.

      Wenn nicht Geothermie, dann Solarthermie! Mit den leichten Spiegel könnte man ganze Täler Säumen.

      Dann wäre es endlich mal an der Zeit den Schwachsinn der getrennten Stromnetze zu beseitigen. Die 3-4 Umrichterstationen, die es bis jetzt gibt sind ja wohl eher Alibi als nutzvoll.

      Aber eher wird die Sonne zur Supernova als daß sich in Japan was verändert…

      • In der BRD wird schon schwer an sogenannten Mini-BHKW gearbeitet. Vorreiter ist da wohl die Fa. SenerTec (soll jetzt keine Schleichwerbung sein). Letztes Jahr hatte sich dann auch VW ins Gespräch gebracht und angekündigt, eigene BHKW für den Privatgebrauch zu produzieren. Von erstgenannter Fa. kann man schon Mini-BHKW unter 20.000,00 erwerben. Da kann man eigentlich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen:

        – im Winter Heizen
        – im Sommer kühlen
        – und ganzjährig Stromerzeugen

        Und mit etwas gutem Willen bleibt auch Strom zur Einspeisung übrig, um noch zusätzlich mit dem Gerät Geld zu verdienen. Durch die Einsparung von Heiz-, Kühl- und Energiekosten sollte das Privatkraftwerk auch relativ zügig abgezahlt sein.

        Weiß jemand, wie hoch die Investitionskosten japanischer Gerätschaften sind?

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