Extreme Stromsparing / Sonstiges

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    Die Bemühungen in Japan, vor allem im Grossraum Tokyo, Strom zu sparen um erneute Stromausfälle zu vermeiden, scheinen Früchte zu tragen. Heute war ein extrem heisser Tag – im Zentrum von Tokyo war es über 35 Grad warm und selbst jetzt sind es noch fast 30 Grad, aber der Stromverbrauch lag maximal bei 93% der Gesamtkapazität. Das lässt einigermasssen für den Sommer hoffen – Stromausfälle im Winter kann man halbwegs mit Decken ausgleichen, aber im Sommer würde es brutal werden – und um seinen Kühlschrankinhalt dürfte man wohl zu recht bangen. Leute, die innerhalb der 23 Stadtbezirke wohnen, bräuchten da allerdings keine Angst vor haben: Dort sind auch im Extremfall keine planmässigen Abschaltungen geplant. Auch grosse Teile meiner Stadt wurden von der Vorsichtsmassnahme “befreit”: Die Grenze zwischen Staddteilen, in denen zur Not abgeschaltet wird oder eben nicht, verläuft ca. 50 m von meinem Haus entfernt. In diesem Fall wohne ich leider auf der falschen Seite.
    So ganz möchte ich mich von den Bemühungen als Betroffener auch nicht ausschliessen: Einen Testserver, den ich im Büro laufen hatte, habe ich bereits auf einer Wolke irgendwo im Nordwesten der USA platziert (Stichwort “cloud”) – das sind schon mal 1.5 kW weniger. Und ich habe zu Hause die Geräte so umgestöpselt, dass ich (fast) alles komplett ausschalten kann. Keine Geräte auf Standby – nur der Kühlschrank muss natürlich laufen. Die Massnahmen scheinen sich zu lohnen. Tepco hat heute verlautet, dass der Stromengpass bis zum nächsten Sommer (also 2012) anhalten kann. Das kann ja heiter werden.

    Gestern gab es in den Nachrichten bewegende Bilder aus 気仙沼 Kesennuma – einer Küstenstadt nördlich von Sendai, die nach dem Erdbeben erst von einem Tsunami und davor und danach von einer Feuerwalze heimgesucht wurde. Gestern holten die dortigen Fischer den ersten Fang seit der Katastrophe ein: Und zwar zahlreiche Tonnen des in Japan allseits beliebten かつお Katsuo – “Echter Bonito” – salopp gesagt eine Art Mini-Thunfisch. Die Fischer und Anwohner waren, verständlicherweise, sehr ergriffen. Was nutzen die ganzen Aufräumarbeiten, wenn keiner wirklich arbeiten kann.

    Letzte Woche erhielt ich ein verlockendes Angebot eines mir persönlich bekannten Firmenchefs. Letztendlich habe ich es ausgeschlagen. Kann mir nicht mal jemand aus der Schweiz oder Deutschland so ein Angebot machen :) Mit japanischen Steuerabgaben natürlich … nein? Schade. Also geht es weiter wie bisher, im Jahr 6 in der jetzigen Firma. In letzter Zeit suchen wir mal wieder händeringend Leute und machen deshalb wieder viele Vorstellungsgespräche. Wenn ich Zeit habe, folgt entsprechend eventuell mal ein “Vorstellungsgespräche – Reloaded” (Teil 1 war hier).

    9 COMMENTS

    1. Danke für dein update betreffend der Stromversorgung. Ich gehe mal davon aus, dass die Lichter in Tokio in diesem Fall immer noch auf Sparflamme sind? Schade (wem dem so ist), aber natürlich verständlich. Hoffe dennoch, dass bis Oktober bei meinem 3. Besuch dieser unglaublichen Metropole ein paar Billboards zurück sind.. PS: Geld ist nicht immer alles.. gerade im Sommer ist meine Frau mit der Schweiz eigentlich recht zufrieden (auch ohne Klimaanlage).

    2. Was für Jobs bietet denn eure Firma an ? :O

      Ansonsten schön dass das Stromsparen zum Erfolg führt. Was wünschenswert wäre ist das diese Einstellung sich auch länger halten kann damit im Allgemeinen ein wenig nachgedacht wird ob man wirklich so viel verbrauchen muss.

    3. Ist ja witzig – auch wenn das Wetter gestern nicht sooo besonders anders war als in den vergangenen Tagen, so haben wir uns doch beide ausgerechnet am gleichen Tag dazu entschieden, darüber zu schreiben. Mein Artikel (http://blog.nihonnikonni.com/2011/06/30/regenzeit-die-2te/) ist aber bei weitem nicht so ausfuehrlich und tiefschürfend wie deiner.

      Könntest du evtl. deine Quelle für uns offenlegen? Es ist zwar angenehm, Informationen durch tabibito filtern und übersetzen zu lassen (Danke!!), aber auf lange Sicht möchte ich auch selbst recherchieren und Informationen aus erster (japanischer) Hand beziehen können. Sprachlich bin ich zwar wohl noch nicht ganz so weit, aber irgendwann muss man ja mal anfangen…

      Und zu deiner überarbeiteten Verkabelung daheim: Kennst du den Begriff “タコ足配線”…? ;)

    4. @Felix
      Kann ich mir vorstellen – das mit der Schweiz war auch nicht ironisch gemeint

      @obi
      Smart Phone Application developer, und eine eierlegende Wollmilchsau, die perfekt Englisch und Japanisch, dazu noch HTML, CSS und dergleichen kann :(

      @Konni
      Ich würde lieber mit Quellen arbeiten, aber dann würden die Beiträge wesentlich geringer werden.
      I.d.R. beziehe ich mich aber auf japanische Mainstream-Medien, z.B. Asahi, Nikkei, manchmal Japan Times, japanische Nachrichtensendungen, Yomiuri… zu 95% aus japanischsprachigen Quellen und zu knapp 5% aus englischsprachigen Publikationen in Japan.

      Den Begriff kenne ich, obwohl es niemand beim vollen Namen nennt – alle sagen nur タコ dazu. Als ITler kann ich da Opern zu singen…

    5. und eine eierlegende Wollmilchsau, die perfekt Englisch und Japanisch, dazu noch HTML, CSS und dergleichen kann :(

      Passt perfekt außerdem brint sie außergewöhnlichen Freude an Präsentationen und Kundenakquise:D
      Nur Japanisch ist so eine Sache xD
      Aber naja für mich wohl erstmal weiter büffeln, bin ja noch jung^^

    6. Hallo Tabibito,
      irgendwann im März habe ich dich mal um Rat gebeten, weil wir entscheiden mussten, ob wir unseren Sohn zum Studium nach Japan ziehen lassen sollten oder nicht.Er hat sich dann eindeutig dafür entschieden und hat jetzt bereits das erste Sprachsemester mit abschließender Prüfung geschafft.Für uns als Eltern war und ist es sehr hilfreich, immer mal wieder bei dir nachzulesen, wie du die derzeitige Lage in Japan erlebst.Dein Blog ist eine von mehreren Informationsquellen, die es uns erleichtert haben, zu dieser Entscheidung unseres Sohnes zu stehen und ihn zu unterstützen.Wir lernten, seriöse von unseriösen Medien zu unterscheiden und nicht selbst in “Japanik” zu verfallen.Natürlich blieben auch die Sorgen nicht aus, sie hatten aber tatsächlich weniger mit der Erdbebenkatastrophe als mit der normalen Alltagsbewältigung zu tun: Wohnheimwechsel wegen Schimmel, Internet erst nach 7 Wochen, nicht funktionierende Waschmaschine usw.Die mitarbeiter der Sprachschule waren aber alle sehr hilfsbereit und mittlerweile hat sich alles eingespielt – nur die Nachbeben nerven noch etwas.Und ein “Problem” hat er noch nicht lösen können:wo bekommt man in Tokyo Knäckebrot? Auf jeden Fall möchte ich dir hier an dieser Stelle für deinen wirklich sehr informativen Blog danken.Übrigens hatten wir hier in Deutschland auch grade Pech mit der Wohnlage: wir wohnen nämlich auf der falschen Straßenseite, so dass unser jüngerer Sohn leider keinen Platz an der IGS bekommen hat, auf die alle seine Freunde gehen dürfen.In diesem Sinne wünsche ich dir alles Gute und demnächst mehr Glück bei der Stromverteilung…

    7. Also hier in Ota zumindest habe ich gemerkt, dass es Nachts immernoch ziemlich hell ist. Gerade die vielen Appartmenthäuser scheinen mit ihren vielen Lichtern nicht wirklich Strom zu sparen (zumindest nicht nachts), was sich auch deutlich in der Lichtverschmutzung widerspiegelt…
      Solange es nur Nachts ist, mag es ja vielleicht nicht so schlimm sein – für Energieverschwendung halte ich es trotzdem.

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