Ode an Yakisoba – japanisches Junk-Food

    13
    2051

    In Japan haben die Leute wenig Zeit. Viele Leute haben auch wenig Geld. Aber gut essen wollen irgendwie alle. Die japanische Küche ist zwar sehr gut und – je nachdem, was man kocht – zum Teil auch mit sehr wenig Geld zu bewerkstelligen, aber dem Fast Food ist man auch in Japan keineswegs abgeneigt. Ich zumindest war ziemlich überrascht ob der Dichte von MacDonalds, Kentucky Fried Chicken, Lotteria, Wendy’s und wie-sie-alle-heissen Fast-Food-Ketten bei meiner ersten Reise durch Japan.

    Überrascht war ich auch über die Akzeptanz: In Europa haben ja viele eine zwiespältige Meinung über Fast Food (und ich war einer von denen – so schnell bekam mich keiner in ein MacDonalds, und zu Burger King ging ich auch nur, als sie mal ziemlich billig Beach-Volleybälle vertickten). In Japan ist Fast Food gesellschaftlich ganz normal und keineswegs irgendwie anrüchig. Und: Im Gegensatz zu Deutschland ist Fast Food wie Mac Donalds genau das, was es eigentlich sein sollte: Sehr, sehr billig. Wer kein Geld hat (=Studenten z.B.) oder viel Zeit zum Totschlagen, setzt sich in ein Fast-Food-Restaurant. Dank Japan habe ich – das mag für einige ironisch klingen – meine Meinung gegenüber Fast Food geändert. Wer’s mag, mag es. Wer nicht, nicht. Man hat nicht das Recht, anderen ihr Essen madig zu machen (pun intended). Eltern haben freilich auch hier die Verantwortung darüber, was die Kinder so essen, aber den Kindern deshalb Fast Food schlichtweg zu verbieten, ist auch nicht der richtige Weg. Auf die Menge kommt es eben an.

    Japan wäre nicht Japan, würde man hier nicht auch in Sachen Fast Food/Junk Food äusserst innovativ sein. Schönes Beispiel: 焼きそば (Yakisoba). Zu Deutsch: Gebratene Soba. Soba sind (ursprünglich, aber heute nicht zwingend) Buchweizennudeln mit einer speziellen Textur, meist gekräuselt und so dick wie reguläre Spaghetti. Yakisoba gibt es an allen Ecken und Enden – meist gebraten mit Schweinefleisch und Kohl und gewürzt mit einer aromatischen, schwarzen Sauce, die an Worcestershire-Sauce erinnert.

    Kurzum: Es gibt kaum einen Grund – auch nicht für Ausländer – Yakisoba zu hassen. Die schmecken nahezu jedem. Irgendwann kam die Lebensmittelindustrie darauf, Yakisoba als getrocknetes Junk-Food anzubieten. In einer wärmeabsorbierenden Plastikschale liegen dann die Nudel und eins bis fünf verschiedene kleine Tüten. Tüten raus, heisses Wasser rein, 3 Minuten warten, Wasser raus (der Deckel hat natürlich einen ausgestanzten Ausguss), Inhalt der Tüten mit den Nudeln mischen bzw. darüber streuen. Kostet 80 bis 250 Yen, je nach Sorte, geht sehr schnell und macht satt. Oft ist getrockneter Kohl und Fleisch dabei; auch Mayonnaise und Mais, Sesamkörner oder Pfeffer trifft man gelegentlich.

    Eins haben die meisten Instant-Yakisoba dabei gemein: Sie sind nicht gebraten (Yaki=braten). Deshalb verbreitet sich momentan auch der Begriff Mazesoba (gemischte Soba) – das kann mitunter wie Ramen, nur ohne Suppe sein.

    Faszinierend ist die Vielfalt. Ich habe Instant-Yakisoba zum ersten Mal vor 13 Jahren gegessen und seitdem ziemlich häufig. Und zwar hunderte Arten: Manche Arten gibt es nur Wochen, manche nur bei einer bestimmten Ladenkette und andere wiederum nur in einer bestimmten Region. Dieser Bloggerkollege widmet seinen Blog “Ich liebe Instant-Yakisoba” eben dieser Gattung – mittlerweilen hat er 869 verschiedene Sorten seit 2001 verköstigt.

    Im Bild ist meine neueste Entdeckung zu sehen: Mazesoba mit Knoblauch-Soyasaucen-Geschmack. Deutliche Warnung in Rot: デート前禁止!! (deeto mae kinshi – Vor einem Date verboten!) – denn: die beiliegenden Tütchen enthalten unter anderem rohe Knoblauchpaste und Fischpulver.
    Kleiner Tip am Rande: Die meisten Yakisoba/Mazesoba schmecken ganz vorzüglich, wenn man etwas geriebenen Käse darüber streut.

    Das Wort des Tages: 中飯 – nakameshi. Bürojargon. “naka” bedeutet “innen”, “meshi” ist der Reis bzw. allgemein das Essen. Wenn man also im Büro Mittag isst (mangels Zeit zum Beispiel) und jemand fragt, wo man Mittag isst – dies ist die Antwort, die ganz bestimmt nicht im Wörterbuch steht.

    13 COMMENTS

    1. JAAAAA
      Yakisoba frisch vom Grill zu Sake und Hannami… dat beste wo’s gibt! :-)

      Zu der McD. Co. Geschichte musst du aber ev. auch erwähnen das in über 90-99% der Fälle die Sachen frisch zur Bestellung zubereitet werden, das macht IMHO Geschmacklich schon was aus. So ein BicMäc der schon 5 runden in der Warteschleife hinter sich hat… ist halt nicht mehr so das wahre.
      Aber wenn ich die Wahl habe:
      MosBurger (Leider recht teuer)
      BurgerKing (Leider nur in Tokyo)
      Wendys
      Lotteria
      SaseboBurger
      .
      .
      .
      McDonalds (Immer überall und billig!)

      Die haben nur einen echten Vorteil, sie sind wirklich überall 24h/7d zu finden.

      Übrigens kennst du den BicMäc Index? ;-)
      http://de.wikipedia.org/wiki/Big-Mac-Index

    2. Du hast es geschafft viel mehr der Bloggerkollege 869 Sorten is mir Schlecht… aber haste mal auf den seinen Counter geschaut das sagt viel aus bei mir stand der auf 153686. dieses Generation wird ganz sicher keine Rekord an über 100 Jährigen hervorbringen, is auch egal das bekommen wir ja eh nicht mehr mit ;-).

    3. Bei Yakisoba muss ich immer an Strand, Sonne, Sommer denken…
      Wie um alles in der Welt bist du auf Käse gekommen ?

    4. Nissin verkauft hier auch Fertig-Yakisoba. Jedoch werden die wirklich noch gebraten, da die in die Pfanne kommen anstatt wie bei Fertig-Ramen einfach Wasser drüberzuschütten.

    5. Ohne Yakisoba kann man nach einem Japanbesuch nicht mehr leben. Zusätzlich frustrierend ist es, wenn die teuren Yakisoba im “Wagamama” in London grässlicher schmecken als ne 150 Yen Instantpackung vom Conbini.

      @Michael
      Du hast “Freshness Burger” vergessen, jaajah!
      Wer mal nen Avocado Burger gehabt hat, weiss von was ich rede. Spätestens dann ändert sich die eigene Einstellung gegenüber FastFood – in Japan zumindest.

      @Chibi
      Um es böse zu sagen, wir Mitteleuropäer bestreuen und ertränken doch alles was uns auf den Teller kommt, sei’s mit Streuwürze, Käse, Butter, Sahne oder Sauce ;-)
      Hauptsache die Speise überlebt’s nicht.
      Kann aber mitunter zu überraschenden Neukreationen führen. Weiss von jemandem der in Opa-Manier anfing, Raclettekäse mit Sushi-Ingwer zu belegen. Die Tafelrunde war entsetzt – aber oh Wunder, das schmeckt ziemlich gut!

    6. Ich muss Einspruch erheben. Satt machen die Dinger ja nun wirklich nicht. Vielleicht muss man da schon länger in Japan leben um davon satt zu werden.

    7. Erinnert mich an das erste Mal, das meine Frau mir Mayo auf die Nudeln geschuettet hat. Auf die Frage, warum sie denn so etwas Ekelhaftes macht, kam die lapidare Antwort: “Das schmeckt dann wie Pizza”. Klar, Pizza mit Mayo, macht Sinn….. Mittlerweile aber von mir voll akzeptiert und voellig normal.

    8. Ein japanisches Fast Food ist hier aber untergegangen. Die Ramen-ya !!!! An jeder zweiten Strassenecke zu finden, günstig im Preis und an Vielfalt kaum zu überbieten. Herz was willst Du mehr. Womit ich die Mc und Co Fraktion nicht schlecht machen will, jeder nach seiner Facon.

    9. @ディーン
      Zu dem Raclette mit Ingwer: Ich finde Nutella schmeckt noch mal besser, wenn man mit dem Messer, mit dem man die Brote streicht, vorher Knoblauch geschnitten hat.

      Ich hab schon mehrmals bestimmte Lebensmittel ausgewählt und jedes mit jedem in einer Matrix kombiniert. Da kommen schon erstaunliche Kombinationen raus. Z.B. passt Kreuzkümmel hervorragend zu Alaska-Seelachs und Schwein, Himbeer zu Minze, Grüner Pfeffer zu Feigenmus und Bananen (wohl zu allem süßen). Nach meinen Ergebnissen müßte Schwein oder Seelachs mit Kreuzkümmel und Himbeer super passen, aber nie probiert. Um beim Ingwer zu bleiben, da bietet sich eine Salat, Ingwer und Apfel-Kombination an. :-)

    10. @Michael
      Ja, den BicMäc-Index kenne ich – der ist gar keine so schlechte Idee.

      @Chibi, ディーン
      Das mit dem Käse war mal so eine Idee – und Käse passt schlichtweg hervorragend dazu! Am besten milder, geriebener Käse – japanischer (!) Gouda oder Mozzarella zum Beispiel. Passt allerdings schlecht mit Aonori zusammen (und noch viel schlechter mit Mentaiko & Co), also entweder oder!

      @ディーン
      Freshness Burger fand ich vor etlichen Jahren richtig, richtig gut, aber ich habe das Gefühl, die haben stark nachgelassen. Mag mich täuschen.

      @Herm
      Etwas Käse darüber, danach noch etwas Obst – also zum Mittag im Büro reicht das eigentlich. Für den grossen Hunger in der Tat nicht empfehlenswert.

      @Coolio
      Yep, so ähnlich habe ich das auch durchlebt. Japanische Mayo schmeckt aber auch zu gut. Aber an Kartoffeln auf und in Nudeln und Pizzas z.B. will und kann ich mich noch immer nicht gewöhnen.

      @Heydal
      Ramen-Ya sind kein Fast Food, sondern Gourmet-Tempel, nur halt etwas schmutziger und billiger…

      @Juergen
      Ersteres kann ich mir sogar vorstellen. Eine Mole mit (ungesüßter) Schokolade z.B. ist ja auch etwas sehr feines. Kreuzkümmel und Himbeer an Lachs… hmm … das muss man wahrscheinlich mögen.

    11. @Juergen
      Uhoh, ich hab ja schon Mühe im Laden am Nutella Regal vorbei zu gehen ohne das Gesicht zu verziehen. Nur Erdnussbutter find ich noch schlimmer.
      Aber das mit der Matrix, interessant interessant.

      @tabibito
      Also wenn wir schon dabei sind, kann passend dazu “Kamome Diner” (カモメ食堂) empfehlen. Spielt in Helsinki und es geht natürlich um Essen, Japanese Soulfood (Nigiri) in unmöglichen Kombinationen und weitere lustige Begebenheiten. Mit von der Partie das alteingefleischte Duo Satomi Kobayashi und Masako Motai, die auch im neusten Film “Pool” (プール) gemeinsam vor der Kamera standen. Das Café in Helsinki gibt’s wirklich, und der low-budget Film wurde nur durch Mundpropaganda bekannt – genau wie im Film das Café auch.

      Und was die eigene Geschmackswahrnehmung angeht, kann gut sein dass diese sich stark verändert hat. War ich am Anfang noch begeistert von fast allen Restaurants, bin ich heut recht wählerisch geworden. Rümpfe teils verächtlich die Nase bei gewissen Izakaya Ketten die ich früher toll fand. In Japan wird man fast zum Gourmet erzogen, die eigenen Ansprüche steigen steil bei soviel Auswahl.
      Kua Aina gefällt mir gut, etwas Surf/Beach Atmosphäre aber weniger Fastfood-artig obwohl ein Burgerladen (kua-aina.com).

    Comments are closed.